Die Corona-Pandemie versetzte der Weltwirtschaft einen kräftigen Stoß in Richtung Digitalisierung. Dies hat unseren Arbeitsalltag maßgeblich verändert. Arbeiten von zuhause aus ist für viele zur „neuen Normalität“ geworden. Der Bedarf nach Web-Konferenzen und auch nach Fernwartungs-Software ist signifikant gestiegen. Anbieter solcher Lösungen haben somit Hochkonjunktur und das nicht nur temporär, denn nach der Pandemie wird nicht alles zurückgedreht werden.

Mit TeamViewer mischt auch ein deutsches Unternehmen in diesem Bereich ordentlich mit. An der Börse gibt es jedoch in letzter Zeit einige Kurschwankungen für das Unternehmen. Erst letzte Woche ist die Aktie von etwa 32,4 EUR auf 27,4 EUR abgerutscht. Insgesamt ist die Kursentwicklung seit Jahresbeginn rückläufig. Was ist da los? Gehört das Unternehmen doch nicht zu den Krisen- und Digitalisierungsgewinnern?

Viele News in den letzten sechs Monaten wurden von den Medien als Aufhänger genutzt, um zu schreiben, dass TeamViewer hinter den Erwartungen zurückbleibe und sich das Wachstum abschwäche. Dies führt an der Börse oftmals zu einer scharfen Reaktion der Aktie nach unten – aber auch zu Übertreibungen. Die Aktie steht seit Jahresanfang ca. 35 % im Minus. Damit liegt TeamViewer kurzfristig gesehen auch hinter unseren Erwartungen, aber langfristig bleiben die Perspektiven gut.

Aktuell viel Wirbel bei unverändert aussichtsreichen Perspektiven

Erst kürzlich verkündete TeamViewer zwei mehr als hochklassige Werbepartnerschaften, zum einen mit dem englischen Fußballverein Manchester United, zum anderen mit Mercedes-Benz in den Bereichen Formel 1 und Formula E (der Elektro-Variante der fossil vorangetriebenen Formel 1). Fokus dieser kostenintensiven Kooperationen – das Investitionsvolumen wird im dreistelligen Millionenbereich geschätzt – ist erklärtermaßen, die Bekanntheit der Marke zu steigern. Ob die hohen Investitionen in die Werbepartner die gewünschte Rendite erwirtschaften werden, wird die Zukunft zeigen.

Einen direkten Effekt auf den Kurs des Aktientitels hatte zuletzt eine Ad-Hoc-Meldung bezüglich der Anfang August vollständig erscheinenden Zahlen zum abgelaufenen zweiten Quartal. Mit Blick auf den zweistelligen Kurssturz könnte man glauben, das Unternehmen hätte einen drohenden Verlust gemeldet. Doch die Warnung diente lediglich dem Hinweis, dass das zweite Quartal 2021 ein etwas weniger starkes Wachstum bot als zuvor erwartet – zumal gerade das Vorjahresquartal sehr stark war. Der Umsatz konnte um 15 % – währungsbereinigt um 18 % – gesteigert werden. Doch die Zielgröße waren 20 %.

Entscheidend für uns: Insbesondere im Großkundensegment überzeugt TeamViewer weiterhin mit starkem, überproportionalem Wachstum. Die Anzahl der Großkunden wurde über die letzten 12 Monate um 55 % gesteigert – in diesem Segment sehen wir das wirkliche Potenzial des Unternehmens, da gerade hier langfristige Geschäftsbeziehungen geknüpft werden. TeamViewer bleibt somit unverändert ein starkes Unternehmen mit einem skalierbaren Geschäftsmodell.

Vom internen Hilfsprogramm zum globalen Megaseller

Wie bereits manche Erfolgsgeschichte zuvor, begann auch die von TeamViewer mit einem Zufall. Ein kleines Nebenprodukt, dem man anfangs keine Bedeutung beimaß, wird plötzlich zum Verkaufshit. Das berühmteste Beispiel ist Coca-Cola. Ursprünglich sollte die Brause ein Kopfschmerzmittel werden. Heute ist es das bekannteste Erfrischungsgetränk der Welt. Ähnlich war es auch bei TeamViewer. Der Erfinder, der Programmierer Tilo Rossmanith, entwickelte die Software 2005 eigentlich nur für seine eigenen Zwecke.

Er hatte es satt, für Verkaufsgespräche, Produktpräsentationen und Softwareschulungen von Kunde zu Kunde reisen zu müssen. Also schrieb er ein Programm, das ihm den Fernzugriff auf die Computer seiner Kunden ermöglichte – um all dies bequem von seinem Schreibtisch aus tun zu können. Eine kommerzielle Vermarktung von TeamViewer hatte er gar nicht im Sinn. Seine Lösung fand bei Kunden jedoch schnell derartigen Anklang, dass TeamViewer in kurzer Zeit zum Hauptprodukt avancierte.

TeamViewer entwickelte sich schnell weiter und nahm eine Pionier-Rolle ein. Die Softwarelösungen, die das Unternehmen aus Göppingen heute anbietet, ermöglichen nicht nur eine Fernwartung bei PCs und Laptops. Auch komplexe Industriemaschinen können mittels AR-Technologie (AR: Augmented Reality) gewartet werden. Vor allem letzteres eröffnet TeamViewer mehr als nur interessante Möglichkeiten mit Blick auf die technologische Zukunft.

Innovativer Player im Wachstumsmarkt IoT

Wie schon eingangs erwähnt, hat die aktuelle Krise um Corona die Entwicklung beschleunigt. Anders als bei manch anderem Gewinner der Krise wird TeamViewer davon auch langfristig profitieren. Wer die Vorteile von TeamViewer einmal kennt, will davon nicht mehr weg. Das Unternehmen bietet somit Lösungen, die dauerhaft gefragt bleiben werden. Bereits aus den unterschiedlichen Angeboten der Plattform ist ersichtlich, dass TeamViewer über die ursprüngliche Anwendung als reine Bürosoftware längst hinauswächst.

Das zukünftige Wachstum wird nicht im klassischen Bürosegment stattfinden, sondern überwiegend in der industriellen Produktion. Das Internet der Dinge wird in den nächsten Jahren das Wachstumsthema für TeamViewer sein. IoT und Robotik werden mehr und mehr Raum bei Produktionsprozessen einnehmen. Damit steigt auch der Bedarf an Fernwartungslösungen mittels AR-Technologie. Einer Studie von Statista zufolge liegt im Bereich IoT ein großes Wachstumspotenzial mit einer Prognose von über 30 Milliarden vernetzte Geräte im Jahr 2020 und 75 Milliarden im Jahr 2025.

Kostenlose Version als Basisprodukt

Sehr typisch für ein Softwareunternehmen gibt es auch bei TeamViewer eine kostenlose Basisversion der Software. Diese ist in ihrer Funktionalität eingeschränkt und richtet sich an Privatnutzer. Die kommerzielle Nutzung mit allen Funktionen ist dann kostenpflichtig und läuft über ein Abo-Modell. Das Jahresabo wird automatisch alle zwölf Monate verlängert. Für Kunden bietet das Abo-Modell Vorteile, wie wir sie beispielsweise auch bei Microsoft 365 kennen: Neue Features und Verbesserungen stehen dem Nutzer sofort zur Verfügung. Zudem bauen weitere Softwarelösungen und Dienstleistungen modular auf dem Basisprodukt auf.

Daneben hat TeamViewer kontinuierlich sein Dienstleistungsspektrum ausgebaut. So bietet das Unternehmen auch Bestandsmanagement von Soft- und Hardware (Remote Management) an, ebenso wie Fernwartungslösungen für Industriemaschinen mittels AR-Technologie. Der Mitarbeiter im Unternehmen vor Ort erhält über eine spezielle Smartbrille Informationen (beispielsweise die Schaltkreise der Maschine) zugespielt, die er benötigt, um das Gerät nach Anweisung des zugeschalteten Operators selbst zu warten. Dies hat für die Betriebe noch einen praktischen Nebeneffekt: Die Mitarbeiter vor Ort werden geschult. Statt jedes Mal den Wartungsexperten kommen zu lassen, werden die Mitarbeiter irgendwann selbst zum Experten.

Strategische Kooperation mit SAP und weitere Übernahmen

Mitte Juni hat TeamViewer eine neu strategische Partnerschaft mit dem Walldorfer Software-Riesen SAP bekannt gegeben. Ziel ist, die AR-basierte Software-Suite Frontline in SAP-Lösungen zu integrieren. Zudem wurde TeamViewer in das Partnerprogramm von SAP aufgenommen – sozusagen ein Ritterschlag in der Branche. Außerdem gelangt das Unternehmen durch die Kooperation an viele potenzielle Neukunden, die auf SAP-Lösungen setzen und gleichzeitig einen Bedarf an Fernwartung und AR-Lösungen haben.

Ein weiterer interessanter Aspekt von TeamViewers Wachstumsstrategie ist das anorganische Wachstum durch gezielte Übernahmen kleinerer, spezialisierter Unternehmen. Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres verkündete TeamViewer drei Übernahmen. Jeweils handelt es sich um Software-Spezialisten, die das Portfolio von TeamViewer sinnvoll ergänzen – sei es im Bereich Augmented Reality (Upskill oder Viscopic) oder bei der Verbesserung des Softwareangebots zur Kundenbindung (Xaleon).

Großes Potenzial für die Zukunft

TeamViewer hatte 2020 einen guten Lauf. Die Zahl der Firmenkunden stieg um 170 %. Die Aboeinnahmen (bei TeamViewer als „Billings“ bezeichnet) stiegen um mehr als 40 % und erreichten einen Rekordwert von 460,3 Mio. EUR. Der Umsatz lag bei 455,6 Mio. EUR. Womöglich fragen Sie sich, was der Unterschied zwischen „Billings“, also den Abogebühren und dem Umsatz ist. Die Abogebühren sind die Einnahmen die TeamViewer in einem Jahr tatsächlich einsammelt. Davon darf aber nur der Teil als Umsatz ausgewiesen werden, dem bereits eine erfolgte Leistung gegenübersteht. Die Einnahmen, bei denen die Leistung noch gar nicht erfolgen konnte, weil der Leistungszeitraum in der Zukunft liegt, dürfen nicht als Umsätze bilanziert werden.

Das Wachstum, das das Management für die nächsten Jahre in Aussicht stellt, ist stark. Einschließlich der Beiträge aus den jüngsten Übernahmen sollen die Billings in diesem Jahr währungsbereinigt um 29 bis 33 % steigen. Mittelfristig erwartet das Unternehmen einen Anstieg der Billings auf 1 Mrd. Euro im Jahr 2023. Angesichts des aktuellen Wachstums halten wir das für ambitioniert, aber nicht unrealistisch. Die globalen Megatrends rund um Digitalisierung, Konnektivität und Nachhaltigkeit geben dem Unternehmen dabei starken Rückenwind.

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