Die Halbleiterindustrie ist eine Branche mit Zukunft. Es liegt auf der Hand: Ohne Rechenchips geht in der digitalen Welt nichts, denn die Voraussetzung dafür, dass Alltagsgegenstände künftig mehr und mehr mit uns und untereinander „kommunizieren“ können, sind nun mal die in ihnen verbauten Chips. Die Einsatzgebiete sind groß. Groß ist auch die Zahl der Unternehmen, die sich in dieser Branche tummeln und miteinander im Wettbewerb stehen. Für Anleger ist es da gar nicht so einfach, die richtigen Unternehmen herauszupicken. Wir haben uns daher für Sie in der Halbleiterbranche umgesehen.

Ein sehr interessantes Unternehmen in diesem Bereich ist u-blox. Als Spezialist für hochpräzise Positionierungs- und Konnektivitätschips bietet die voranschreitende Digitalisierung und insbesondere das Thema „Internet der Dinge“ (Internet of Things – IoT) dem Unternehmen sehr attraktive Wachstumschancen. Das IoT nimmt immer mehr Einzug in unser Leben und wird unseren Alltag in den nächsten Jahren massiv umkrempeln. Prognosen zufolge soll es bis zum Jahr 2025 bereits 75 Milliarden vernetzte Geräte weltweit geben. Unternehmen, die in diesem Bereich schon jetzt stark positioniert sind, haben da gute Karten.

Ein enorm gefragtes Geschäftsmodell

u-blox entwickelt Chips und Chipmodule, die für die Lokalisierung von Gegenständen eingesetzt werden. Die ständige Standortmitteilung (im Fachjargon „Positionierung“) ist eine wichtige Grundvoraussetzung für die meisten Funktionalitäten vernetzter Geräte. Derartige Chipmodule machen das Internet der Dinge überhaupt erst möglich. Das Schweizer Unternehmen u-blox ist Technologieführer für Positionierungschips und profitiert somit klar von der fortschreitenden Digitalisierung. Diese Technologieführerschaft zu behalten, ist für u-blox essenziell. Deshalb konzentriert sich das Unternehmen fast ausschließlich auf die Entwicklung. Rund 70 % der Belegschaft sind deshalb im F&E-Bereich beschäftigt.

Die Einsatzmöglichkeiten für die Module von u-blox sind sehr vielfältig. So lassen sich diese in tragbare Geräte (sogenannte „Wearables“) ebenso einbauen wie in Drohnen, selbstfahrende Autos, Smartwatches oder auch Ortungssysteme von Sicherheitsfirmen. Auch bei Lösungen zur Flottenverfolgung, Frachtüberwachung, für intelligente Straßenbeleuchtung, medizinische Geräte bis hin zu Konnektivitätskomponenten für 4G- und 5G-Mobilfunksysteme sind die Technologien von u-blox gefragt.

Der Kreis bestehender und potenzieller Kunden ist damit riesig. Der Bedarf wird zudem in den nächsten Jahren weiter zunehmen, da immer mehr Anwendungen und Produkte, die bisher (noch) „offline“ waren, künftig mit einer Cloud verbunden sein werden. Die Spezialität von u-blox ist es, die Chipmodule gebrauchsfertig zu konfigurieren. Kunden brauchen die fertigen Module also nur noch in ihre Produkte einbauen, um sie IoT-fähig zu machen.

Automobilsektor bleibt wichtiges Kundensegment

Rund ein Viertel des Umsatzes generiert u-blox mit Kunden aus dem Automobilsektor. Mit dem Thema „Konnektives und Autonomes Fahren“ bietet sich ein spannendes Wachstumsfeld. Trotz der ersten unbemannten Robo-Taxis, die Alphabet in seiner dafür auserkorenen Teststadt Phönix fahren lässt, steht die Entwicklung hier noch recht am Anfang. Die Weichen werden gerade erst gestellt. Bis wir jedoch tatsächlich alle ein vollautonomes KI-Roboter-Auto à la K.I.T.T. aus der 80er-Jahre-Serie Knight Rider haben, müssen noch viele Hürden genommen werden. Je weiter die Entwicklung ist, desto höher und komplexer werden die Anforderungen an Chipmodule sein. Wenn u-blox seine Technologieführerschaft hier hält, sind dies beste Voraussetzungen für das Unternehmen, davon zu profitieren.

Aktuell belastet der Nachfrageeinbruch des Automobilsektors jedoch erst einmal. Die gesamte Branche befindet sich in einem gewaltigen Umbruch. Hersteller haben wegen zwischenzeitlicher Produktionsunterbrechung und schleppendem Fahrzeugabsatz ihre Bestellungen für Kommunikationschips gesenkt. Infolge haben sich Auftragseingang und Umsatz bei u-blox verringert. Dies jedoch ist nur eine Momentaufnahme. Fahrzeuge werden auch in Zukunft immer benötigt werden – unabhängig vom Mobilitätskonzept. Denn mit der Antriebsfrage hat die Nachfrage nach den Produkten von u-blox nichts zu tun. Egal mit welcher Technologie Autos künftig auf den Straßen fahren werden, Positionierungschips werden dabei in jedem Fall verbaut werden.

Keine Abhängigkeit von Einzelbranchen

Über 60 % der Umsätze generiert u-blox mit Kunden anderer Branchen als der Automobilsparte. Großes Potenzial steckt auch hier im IoT-Bereich. Im Konsumgeschäft direkt, also B2C, ist u-blox kaum tätig. Die Kunden sind vor allem Industrieunternehmen. Darunter sind aber auch viele Hersteller von Konsumprodukten, beispielsweise Husqvarna. Der skandinavische Hersteller von Rasenmährobotern setzt in seine Produkte Positionierungschips von u-blox ein. Auch in der Mobilfunkbranche sind die Produkte von u-blox sehr gefragt.

Die Einsatzmöglichkeiten sind schier unendlich. Deshalb sind die Industriekunden außerhalb der Automobilsparte auch sehr unterschiedlich. Miet-Fahrräder oder E-Scooter, die via App lokalisiert und genutzt werden können, gehören heute zum Beispiel in vielen Innenstädten längst zum Alltag. Weitere Anwendungsbereiche sind Wearable-Produkte wie smarte Pulsuhren, für die das Unternehmen Leikr auf u-blox-Module zugreift. Auch das Unternehmen NetModule, ein führender Anbieter von Kommunikationsprodukten in den Bereichen M2M (Gerätekommunikation „Maschine zu Maschine“) und Telematik, ist Kunde von u-blox. NetModule verwendet die WiFi-Module von u-blox, ebenso wie dessen GNNS-Chips.

Vorteil: Schlanke Kostenstruktur

Wie auch NVIDIA, der bekannte Entwickler von Grafikkarten und GPU-Einheiten, produziert u-blox seine Chips und Module nicht selbst, sondern konzentriert sich rein auf deren Entwicklung. Die kapitalbindende Produktion wird lizenzierten Vertragspartner überlassen. Einer davon ist der taiwanische Halbleiterhersteller TSMC. Nach Intel und Samsung ist TSMC der drittgrößte Halbleiterproduzent der Welt.

u-blox ist für dieses Unternehmen ein vergleichsweise (noch) kleiner Auftraggeber. Oft ist es so, dass kleinere Auftraggeber bei einem solchen Big Player hintenanstehen und nur zweitrangig behandelt werden. Bei u-blox ist dies aber nicht der Fall. Das Schweizer Unternehmen pflegt eine langjährige und sehr intensive Geschäftsbeziehung zu TSMC und auch zu seinen anderen Produktionspartnern. Auf diese Weise kann sich u-blox hohe Fixkosten der Produktion vom Leib halten und sich ganz auf seine Forschung konzentrieren.



Aufschwung nach Pandemie-Jahr

Das Gesamtjahr 2020 wurde durch die Covid-19-Pandemie erheblich beeinträchtigt. Der Umsatz ging insgesamt um 13 % auf 333,5 Mio. CHF zurück. Beim Betriebsgewinn (EBIT) wurde ein Verlust von 64,8 Mio. CHF verbucht. Bereinigt um Einmaleffekte resultierte indes ein operativer Gewinn von 18,0 Mio. CHF. Unterm Strich blieb ein Verlust von 64,6 Mio. CHF. u-blox setzt die Dividende deshalb vorerst vollständig aus. Im Vorjahr hatten Aktionäre zumindest noch 0,60 CHF erhalten.

Umso hoffnungsvoller sah das erste Halbjahr 2021 aus – u-blox hob daraufhin kürzlich sogar die Umsatzprognose an. Bisher hatte der Halbleiterhersteller ein Umsatzwachstum zwischen 5 und 15 % angestrebt. Neu will das Unternehmen beim Umsatz zwischen 11 und 19 % wachsen. Bei der EBIT-Marge hingegen, korrigiert u-blox seine Erwartungen leicht nach unten von 9 bis 15 % auf 9 bis 11 %. Die EBITDA-Marge soll sich weiterhin zwischen 16 und 22 % bewegen. Während die positiven Nachfragetrends ermutigend seien, habe das Unternehmen jedoch weiterhin mit der knappen Komponentenverfügbarkeit zu kämpfen. Dieses Problem betrifft derzeit allerdings die gesamte Branche.

Ungebremstes Wachstumspotenzial

Die zunehmende Konnektivität von Alltagsgegenständen stellt gleichzeitig auch immer komplexere Anforderungen an die Kommunikation mit Geräten und von Geräten untereinander. Insofern erzeugt gerade der Innovationsdruck einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil für den Technologieführer aus der Schweiz. Die Entwicklungsstärke von u-blox ist das größte Asset im stark umkämpften Zukunftsmarkt IoT. Diesen Vorsprung verteidigt das Unternehmen sowohl durch große Inhouse-Kompetenz als auch durch strategische Kooperationen und Übernahmen.

Die Kundenstruktur ist stabil diversifiziert, Abhängigkeiten gegenüber einzelner Schlüsselbranchen bestehen somit nicht. Und auch die schwächelnde Automobilbranche bleibt ein grundsätzlicher Abnehmer von u-blox-Produkten, da diese völlig unabhängig von Antriebs- und Mobilitätskonzepten zukunftsrelevant bleiben.

Aktienkurs noch angeschlagen

Aus unserer Sicht ist u-blox ein Unternehmen mit langfristig interessanter Perspektive. Der aktuelle Kurs von 57,15 CHF (Stand 06.10.2021) ist jedenfalls immer noch recht niedrig nach dem Kurseinbruch im letzten Jahr als Folge einer unglücklichen Abschreibung von eingestellten Forschungsprojekten in Höhe von 74 Mio. CHF. Bilanzierungspolitisch kann man dieses Ereignis durchaus kritisch betrachten, unüblich ist ein derartiges Vorgehen allerdings nicht. Wir sehen das Geschäftsmodell von u-blox nach wie vor als vielversprechend an.

Zuletzt noch ein kleiner Hinweis an interessierte Anleger: Bitte beachten Sie unbedingt das Handelsvolumen und gehen Sie bei u-blox bei jeder Transaktion mit einem Limit vor, da u-blox ein marktenger Titel ist.

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Ihre Kerstin Franzisi

Chefredakteurin Der Privatinvestor

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