Sehr geehrte Privatanleger,

wenn Sie Privatinvestor-Abonnent sind, wissen Sie, dass Aktien eine gute Möglichkeit des Werterhalts auch und gerade in Krisenzeiten sind. Das haben Sie den meisten anderen Privatanlegern voraus. Nun hat sich wieder eine meiner Prognosen bestätigt, die damit im Zusammenhang steht.

Ich schreibe immer wieder, dass man mit der Immobilie „immobil“ ist. Immobilien können durchaus Teil Ihres Vermögensmixes sein. Aber sie sollten vorsichtig „gewichtet“ sein, weil die Risiken aus meiner Sicht höher sind als bei Aktien. Bei den meisten Deutschen und Österreichern ist dies nicht der Fall. Da macht die Immobilie einen Großteil, und im Durchschnitt 50 % des Vermögens aus.

In Weltsystemcrash schrieb ich 2019 auf Seite 441: Die Mittelschicht muss die Zeche zahlen. Es ist nicht zu einer Währungsreform gekommen. Auch ansonsten sind allzu offensichtliche Schröpfungen der Mittelschicht, zum Beispiel durch Sondersteuern und Umlagen, bislang ausgeblieben. Dafür hat die „smarte Diktatur“ (Harald Welzer) die Bürger umso smarter zur Kasse gebeten.

Des Weiteren schrieb ich davon, dass Niedrigzinsen und Inflation, versteckte Inflation, eine Erosion der öffentlichen Güter wie Sicherheit, Schulbildung und Gesundheitsversorgung die Bürger belasten werden. Auch die Ausweitung von Repression und Kontrollstaat sagte ich auf Seite 444 voraus.

Aktuell geht die smarte Enteignung der Deutschen in ihre nächste Phase: Durch das von Wirtschaftsminister Robert Habeck durchgesetzte Verbot des Neubaus von Öl- und Gasheizungen ab 2024 sind viele Deutsche ärmer geworden. Bei manchen ist die Existenz bedroht.

Als ich Weltsystemcrash schrieb, dachten die meisten Menschen noch nicht an Krieg. Auch das geopolitische Szenario, das heute entsteht, habe ich auf Seite 398 beschrieben und mit der Eintrittswahrscheinlichkeit „hoch“ versehen:

Neuer Kalter Krieg: Bildung eines US-dominierten westlichen Blocks und eines von China dominierten Blocks. Status von Russland und China offen. Risiken: Gesellschaften werden im Wettbewerb zunehmend totalitärer. Wettbewerb eskaliert zu Krieg.

In der „Kriegswirtschaft“ – so ein Cover des manager magazin vom Mai 2022 – lassen sich wirtschaftspolitische Zwangsmaßnahmen leichter durchsetzen. Ich habe keinen Zweifel daran, in wessen Interesse oder Auftrag Nordstream II gesprengt wurde. Auf Seite 134 in Weltsystemcrash schreibe ich, wie die USA den Druck auf Deutschland erhöhen, Nordstream II nicht fertigzustellen.

Die strategischen Interessen der USA sind offensichtlich: Die USA wollen Russland weiter schwächen und stattdessen amerikanisches und kuwaitisches Öl und Gas verkaufen. Knapp vier Jahre später ist das Realität.

Aktien sind auch in dieser Phase unverzichtbar. Da Aktien weitgehend in den Händen der großen Fondsgesellschaften und der Vermögenden sind, hat der Aktienbesitz eine gute Lobby. Aktien werden von Enteignungsmaßnahmen weitgehend verschont, es sei denn, es trifft ein Land aufgrund von Sanktionen (Gazprom). Zudem hat Kapital „schnelle Füße“, wie ein altes Sprichwort sagt. Solange es keine umfassenden Kapitalverkehrskontrollen gibt, kann es den Standort wechseln.

Aktien von den richtigen Unternehmen haben zudem eine gute Resilienz gegen Krisen oder profitieren sogar davon. In unserem Fonds machen Edelmetalle, Energie- und Rohstofftitel ungefähr 40 % des Investitionsvolumens aus. Gerade in den vergangenen Tagen stiegen die Ölaktien aufgrund der neuen Mengenbegrenzungen der OPEC deutlich. Big Tech-Unternehmen, die ca. 15 % unserer Portfolios ausmachen, profitierten in der sogenannten Pandemie massiv. Nach einer deutlichen und überfälligen Korrektur 2022 geht die Entwicklung jetzt weiter.

Ich sage auch in dieser Weltlage: „Auf gute Investments!“

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Ihr Prof. Dr. Max Otte

Herausgeber Der Privatinvestor

Diese Kolumne ist in voller Länge erstmalig in der Ausgabe 14/2023 vom 07.04.2023 erschienen. Wenn Sie regelmäßig Einschätzungen und Kommentare von Prof. Dr. Max Otte lesen möchten, sichern Sie sich jetzt ein Abonnement oder eine Clubmitgliedschaft unseres Börsenbriefs. Mit dem 4-wöchigen Testbezug können Sie uns auch erst einmal unverbindlich kennenlernen. Wir freuen uns auf Sie!

Die Dekarbonisierung, die Abkehr von den fossilen Energieträgern in allen Bereichen der Wirtschaft, gilt als größte Herausforderung unserer Zeit. Ein möglicher Ausweg ist die Wasserstoff-Technologie. Kein Wunder, dass Unternehmen, die sich in diesem Bereich engagieren, an der Börse und bei den Anlegern hoch im Kurs stehen. Einer der bedeutendsten Player dieses Sektors ist Air Liquide

Air Liquide ist insgesamt einer der führenden Anbieter von Gasen aller Art – für die Industrie und die Medizin. Der Konzern mit Hauptsitz in Paris, erwirtschaftete 2022 einen Umsatz von knapp 30 Mrd. EUR. Nach eigenen Angaben verfügt das Unternehmen über einzigartiges Know-how im Bereich gasförmiger und flüssiger Wasserstoff und beherrscht die gesamte H2-Wertschöpfungskette. Air Liquide sieht sich in den Bereichen der kohlenstoffarmen Produktion, der Speicherung und der Distribution als Technologieführer.

Grünem Wasserstoff gilt Priorität

Welche Bedeutung die Wasserstoff-Technologie aktuell in der Politik besitzt, hat der jüngste Staatsbesuch von Bundeskanzler Scholz und Bundeswirtschaftsminister Habeck in Kanada gezeigt. Dabei unterzeichneten Habeck und der kanadische Energieminister Jonathan Wilkinson Mitte Februar ein Abkommen, das den Export von Wasserstoff von Kanada nach Deutschland ab dem Jahr 2025 sicherstellen soll.

Nicht nur in Deutschland, auch in anderen europäischen Staaten wird die Wasserstofferzeugung aus erneuerbaren Energiequellen hochgefahren. Frankreich verfolgt im Hinblick auf die H2-Wirtschaft einen eigenen Weg. Das Land setzt zwar auch auf die Wasserstoffwirtschaft, möchte jedoch erreichen, dass die EU auch mit Atomstrom hergestellten Wasserstoff als „erneuerbar“ anerkennt.

Trotz der vorhandenen Diskrepanzen fördern Frankreich wie Deutschland ehrgeizige Wasserstoff-Projekte in Milliardenhöhe. Die diversen ambitionierten Klimaziele sollen und müssen erreicht werden. Das hilft Unternehmen, die im Sektor Wasserstoff-Technologie tätig sind, wie eben Air Liquide – und das sogar auf direkte Art und Weise.

Hervorragende Zahlen im Jahr 2022

Ebenfalls Mitte Februar hat Air Liquide seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2022 präsentiert. Der französische Industriegase-Konzern weist einen Umsatz in Höhe von 29,9 Mrd. EUR aus. Das sind 28,3 % mehr als ein Jahr zuvor. Auf vergleichbarer Basis, also um Währungs-, Akquisitions- und Energiepreiseffekte bereinigt, stieg der Umsatz um 7 %.

Mit einem Umsatzvolumen von nun 11,4 Mrd. EUR generierte das Unternehmen in Europa nun erstmals den größten Umsatzanteil (38 %). Die USA, der bislang größte Markt, bleibt mit 10,7 Mrd. EUR Umsatz jedoch dicht dahinter. Der Umsatz mit Kunden aus der Großindustrie legte von 6,9 auf 10,5 Mrd. EUR zu (+51 %). Mit Kunden aus der Elektronikbranche steigerte Air Liquide seine Erlöse um 22 %, während in der Gesundheitsbranche immerhin 6 % mehr umgesetzt wurde. Der operative Gewinn stieg um 16,9 % und das Nettoergebnis um 7,3 %.

Beim Cashflow ist Wachstum ebenfalls Programm. Der operative Cashflow stieg von 5,3 auf 6,3 Mrd. EUR. Dies ist ein Plus von über 18 %. Die operative Cashflowmarge steht mit 20,9 % hervorragend da.

Starker Jahresauftakt 2023

Auch im ersten Quartal 2023, über das Air Liquide am Donnerstag, den 27. April berichtete, lief es gut. Der Konzernumsatz legte um 4,2 % um. Auf vergleichbarer Basis, also bereinigt um die Folgen der hohen Energiepreise und des schwachen Euro betrug das Wachstum 6,2 %. Der Cashflow stieg um 14,3 %.

Der Kurs der Air Liquide-Aktie spiegelt die hervorragende Entwicklung. Insbesondere seit Herbst 2022 zog die Aktie deutlich an. Seit dem Jahrestief Ende September 2022 bei ca. 115 EUR stieg die Aktie bis dato auf etwa 162,50 EUR (Stand: 27.04.23). Das entspricht einem Plus von über 40 %.

Großzügige Dividendensteigerung

Air Liquide kann es sich leisten. Das Unternehmen lässt seine Aktionäre am Erfolg teilhaben. Die diesjährige Dividendensteigerung fällt üppig aus. Air Liquide hebt den Ausschüttungsbetrag je Aktie um fast 12 % von 2,64 EUR auf jetzt 2,95 EUR an. Bei dem aktuellen Kurs beträgt die Dividendenrendite rund 2,0 %. Zahltag ist der 17. Mai. Ex-Dividenden-Tag ist der 15. Mai. Aktionäre, die im Bonus-Programm registriert sind, werden auf diese reguläre Dividende noch einmal 10 % zusätzlich erhalten. Das bedeutet 3,245 EUR je Anteilsschein.

Joint Venture mit TotalEnergies

Wie beide Unternehmen vor wenigen Wochen mitteilten, planen TotalEnergies und Air Liquide die Gründung eines Joint Ventures zu gleichen Teilen. Ziel ist der Aufbau eines Netzes von Wasserstofftankstellen für schwere Nutzfahrzeuge entlang wichtiger europäischer Transportrouten. Die mehr als 100 Wasserstofftankstellen sollen an strategisch bedeutenden Korridoren in Frankreich, den Benelux-Ländern und Deutschland aufgebaut werden.

Dabei wird TotalEnergies seine Expertise über den Betrieb und das Management von Tankstellennetzen und den Vertrieb von Energie an Endkunden einbringen. Air Liquide wird sein technologisches Know-how entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette beitragen.

Investitionen in China

Air Liquide investiert in China 60 Mio. EUR in Modernisierung von Luftzerlegungsanlagen. Ziel des Umbaus ist es, den CO2-Fußabdruck der Anlagen in Tianjin zu reduzieren. Statt mit Dampf sollen die Anlagen künftig mit Strom betrieben werden – idealerweise aus erneuerbaren oder zumindest kohlenstoffarmen Energiequellen. Die Luftzerlegungsanlagen, die unter anderem Sauerstoff produzieren, versorgen die in Tianjin angesiedelten Chemie- und Industrieunternehmen.

Aus gute Investments

Ihre Kerstin Franzisi

Chefredakteurin | Der Privatinvestor

Gehen wir ein Investment ein, muss nicht nur die Qualität, sondern auch der Preis stimmen. Hohe Qualität zum Schnäppchenpreis – das ist uns folglich am liebsten. Diese Traumkonstellation ist allerdings im Moment nur selten an der Börse vorzufinden. Beim Kartonhersteller Mayr-Melnhof (WKN: 890447) jedoch ist sie tatsächlich zu finden.

Wachstum trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Das Unternehmen hat gerade seine Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2022 vorgelegt: Ein Rekordjahr für Europas größten Karton- und Faltschachtelproduzenten. Der Umsatz legte um 53 % von 3,1 auf 4,7 Mrd. EUR zu. Der Gewinn wuchs dazu deutlich überproportional. So stieg der operative Gewinn (EBIT) um 89 %, das Nettoergebnis weist ein Plus von 81 % auf. Für uns besonders erfreulich: Das Wachstum ist nicht nur akquisitionsbedingt, sondern auch organisch.

Wie Mayr-Melnhof in seinem aktuellen Geschäftsbericht ungeschönt erläutert, war die Kartonnachfrage (Segment Board & Paper) im dritten Quartal zwar rückläufig. Eine Entwicklung, die sich auch im ersten Quartal 2023 fortsetzte.

An dem generellen Nachfragetrend nach Kartonverpackungen hat sich jedoch nichts geändert. Mittel- bis langfristig gehen wir weiter von einer steigenden Nachfrage aus. Der boomende Online-Handel sowie das Ziel vieler Firmen, auf umweltfreundlichere Verpackungen umzusteigen, werden den Absatz in den nächsten Jahren weiter ankurbeln.

Der aktuelle Nachfragerückgang ist nur kurzfristiger Natur. Bei etlichen Kunden von Mayr-Melnhof kam es selbst zu Produktions- und Auslieferungsverzögerungen, wodurch sie aktuell über angestaute Reserven – eben auch bei Verpackungsmaterialien verfügen. Sind diese erst einmal abgebaut, wird die Nachfrage wieder spürbar anziehen.

Die aktuelle Nachfrageschwäche ist ein optimaler Zeitpunkt, um in diversen Werken Umstrukturierungsmaßnahmen durchzuführen. Mayr-Melnhof wird dies an den Standorten Neuss in Deutschland, Frohnleiten (Österreich) und Kolicevo (Slowenien) genauso machen. Die Umstrukturierungen sollen im dritten Quartal 2023 abgeschlossen sein. Dann kann das Unternehmen wieder auf volle Produktionskapazität hochfahren.

Produktknowhow (z. B. für Beipackzetteln und Etiketten), sondern vor allem auch das Kundenportfolio. Bestandteil dieses Portfolios sind nach Aussage von Mayr-Melnhof nämlich weltweite Top-Pharmafirmen.

Preiserhöhungen? Kein Problem!

Die Umsatz- und Margensteigerung, die Mayr-Melnhof letztes Jahr gelang, ist nicht zuletzt der starken Preismacht des Unternehmens zu verdanken. Auch wenn die Firmengruppe die gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten erst mit etwas Zeitverzögerung an seine Kunden weitergeben konnte, bis Jahresende konnten die höheren Produktionskosten nicht nur gänzlich ausgeglichen, sondern sogar überkompensiert werden.

Den Kunden von Mayr-Melnhof blieb gar nichts anderes übrig, als die höheren Preise zu akzeptieren. Die Umsatzrendite stieg dadurch von 8,8 auf 10,9 %, die Nettomarge erhöhte sich von 6,2 auf 7,4 %.

Chart: Der Privatinvestor

Zudem heben wir die vorbildliche Eigentümerperspektive und das exzellente Gespür des Managements für Krisenmanagement und richtiges Timing von Akquisitionen hervor. Mayr-Melnhof ließ sich auch während der Corona-Zeit nicht von seinen Expansions- und Investitionsplänen abbringen. Im Gegenteil, das Unternehmen verstand diese Krise geschickt als Chance zu nutzen.

Mehr zu Mayr-Melnhof erfahren Sie in unserer Unternehmensdatenbank

Wie viele Punkte Mayr-Melnhof in unserer Königsanalyse© erzielt und bei welchem Kurs ein Einstieg sich noch lohnt, können Sie als Abonnent oder Clubmitglied in unserem geschützten Mitgliederbereich erfahren. Sie erhalten darin einen Einblick in unsere Unternehmensdatenbank, die wir regelmäßig aktualisieren.

Zuletzt haben wir Mayr-Melnhof in der Ausgabe 12/2023 eingehend beleuchtet. Den vollständigen Artikel können Sie als Abonnent oder Clubmitglied in unserem Archiv abrufen.

Falls Sie unseren Börsenbrief zunächst einmal unverbindlich kennenlernen wollen, empfehle ich Ihnen unseren vierwöchigen kostenlosen Testbezug.

Auf gute Investments!

Ihre Kerstin Franzisi

Chefredakteurin Der Privatinvestor

Verkehrswende hin oder her: Das Auto bleibt vieler Deutscher liebstes Kind. Die Diskussionen um E-Fahrzeuge, Wasserstoff-Antrieb und ganz aktuell die Kontroversen um mit E-Fuels betriebene Verbrenner-Motoren liefern Schlagzeilen ohne Ende. Kein Wunder, dass manch Autofahrer den Pkw-Markt verunsichert beäugt. Anbietern von Leihwagen, Car-Sharing und Fahrdienstleistungen spielt dies in die Karten. Bestes Beispiel: Deutschlands Branchenprimus Sixt.

Im Geschäftsjahr 2022 hat sich Sixt so stark entwickelt wie nie zuvor. Der Konzernumsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 34,3 % auf 3,1 Mrd. EUR. Das Nettoergebnis wuchs um 23,3 % und erreichte mit 385,7 Mio. EUR einen neuen Rekordwert.

2021 litt Sixt noch unter den Störungen der Lieferketten und der eingeschränkten Lieferfähigkeit der Fahrzeughersteller aufgrund der Chipkrise. Dagegen konnte der Konzern im Jahr 2022 seine weltweite Fahrzeugflotte in den Ländern mit Kooperationspartnern im Jahresdurchschnitt um mehr als 10 % vergrößern.

Derzeit hat sich die allgemeine Lage entspannt. Experten gehen davon aus, dass sich die Lieferfähigkeit der Erstausrüster stetig verbessert. Für das laufende Jahr plant Sixt mit einer weiteren Vergrößerung seines Fuhrparks.

Stark im Auslandsgeschäft

Im Jahr 2022 trieb Sixt seine internationale Expansion weiter voran. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs der Auslandsanteil am Konzernumsatz von 67,2 % auf 71,4 %. Besonders wichtig ist dabei das US-Geschäft. Dieses macht mittlerweile ein Drittel der Gesamterlöse aus. Tendenz weiter steigend, denn das dortige Potenzial ist noch gewaltig.

Denn bis jetzt hat Sixt in den USA lediglich einen Marktanteil von 3 %. Da kann in den nächsten Jahren noch so einiges gehen. Zudem ist Sixt gerade dabei, in Kanada Fuß zu fassen. Damit erschließt sich der Konzern einen weiteren Milliardenmarkt.

Noch immer etwas Nachholpotenzial

Obwohl der Kurs der Sixt-Vorzugsaktie in der jüngeren Vergangenheit wieder deutlich Boden gut machte, deutet der solide Geschäftsverlauf auf ein vorhandenes Nachholpotenzial. Der aktuelle Kurs (Stand: 27.03.23) von 73,40 EUR befindet sich noch mehr als 25 % unter dem Höchststand mit 92,90 EUR von Anfang November 2021.



Attraktive Sonderdividende

Unternehmen, die ihre Aktionäre nach einem besonders erfolgreichen Geschäftsjahr mit einer Sonderdividende belohnen, sehen wir gerne. Sixt geht diesen Weg, wann immer möglich. Schon in den Jahren 2014 und 2017 konnten sich Aktionäre über Sonderauszahlungen freuen. Dieses Jahr schlägt das Management erneut eine Sonderdividende vor.

Zusätzlich zur regulären Dividende soll es je Stamm- und Vorzugsaktie 2,00 EUR geben. Doch auch die reguläre Dividende will das Management großzügig erhöhen – bei beiden Aktiengattungen um rund 11 %. So stehen auf der diesjährigen Hauptversammlung am 23. Mai je Stammaktie 4,11 EUR und je Vorzugsaktie 4,13 EUR zur Abstimmung. Nehmen die Aktionäre diesen Vorschlag an, wovon man ausgehen kann, wird es je Stammaktie insgesamt 6,11 EUR und je Vorzugsaktie 6,13 EUR geben.

Die Dividendenrendite hat es damit in sich. Inklusive Sonderdividende sind es zum jetzigen Kurs von 120,40 EUR bei der Stammaktie immerhin 5%. Die Vorzugsaktie, die zu 73,90 EUR notiert, bietet sogar eine aktuelle Dividendenrendite von rund 8,3 %. (Kurse per 04.03.2023)

Preisdiskrepanz zur Stammaktie

Der um 40 % niedrigerer Preis und die dadurch deutlich höhere Dividendenrendite machen die Vorzugsaktie sehr viel attraktiver als die Stammaktie.

Eigentlich dürfte es einen solch großen Kursunterschied zwischen den beiden Aktiengattungen gar nicht geben, denn der Anteil am Grundkapital ist bei beiden Aktiengattungen identisch. Doch tatsächlich ist diese Bewertungsdiskrepanz bei Sixt seit Jahren ein Dauerphänomen.

Von dieser Marktanomalie können Anleger profitieren. Während die Stammaktie nach unseren Berechnungen bereits über dem fairen Wert notiert, ist die Vorzugsaktie noch leicht unterbewertet und insbesondere für Dividendenjäger interessant. Um die diesjährige Dividende mitnehmen zu können, muss der Erwerb vor dem 24.05.2023 (EX-Dividenden-Tag) erfolgen.

Alles, was einen guten Dividendenwert ausmacht

Auch wenn die Dividende während der Corona-Jahre 2020, 2021 ausgesetzt wurde, bzw. Inhaber der Vorzugsaktie lediglich die zugesicherte Pflichtdividende in Höhe von 0,05 EUR erhielten, ist Sixt ein exzellenter Dividendentitel. Der Ausbruch von Covid hatte das Unternehmen zunächst stark beeinträchtigt. Der Entscheid, eine Ausschüttung vorübergehend zu kürzen, war somit eine verantwortungsbewusste Vorsichtsmaßnahme.

Dafür zeigt sich Sixt jetzt bei der Gewinnausschüttung umso großzügiger und belohnt die Aktionäre, die dem Unternehmen auch während der Krise bis heute die Treue gehalten haben.

Sixt hat alles, was einen wirklich guten Dividendenwert ausmacht: Eine zuverlässige Dividende, die die Substanz jedoch nicht angreift, ein starkes Geschäftsmodell und eine starke Bilanz.

Auf gute Investments

Ihre Kerstin Franzisi

Chefredakteurin Der Privatinvestor

Was ist die Aktie von Sixt wert? Bis zu welchem Kurs kann man einsteigen? Bei welchem Kurs sollte man verkaufen? In unserem Börsenbrief Der Privatinvestor unterziehen wir Sixt regelmäßig einem Bewertungscheck. Wir ermitteln dabei den Inneren Wert sowie auch die Kauf- und Verkaufsschwelle. Profitieren Sie von unseren wöchentlichen Analysen. Jetzt 4 Wochen Kostenlos Testen

Der Siegeszug des US-amerikanischen iPhone-Herstellers Apple scheint nie ins Stocken zu geraten. Dieser Meinung ist wohl auch Warren Buffett, der bislang etwa 40 % des Anlagevermögens seiner Holding Berkshire Hathaway (rund 125 Mrd. USD) in den Tech-Giganten gesteckt hat. Daher wundert es kaum einen Börsianer, dass der Kurs des Hard- und Softwareriesen das Krisenjahr 2022 vergleichsweise gut überstanden hat.

Auf Sicht eines Jahres (Stand: 27.02.2023) zeigt der Chart der Apple-Aktie mit -11,1 % gegenüber der Entwicklung des NASDAQ 100 (rund -16,0 %) eine deutliche Outperformance. Das hat eine Reihe von Ursachen: Schon in der Vergangenheit hat es Apple immer wieder geschafft, mit schlauen Innovationen und der Optimierung des Geschäftsmodells ein überdurchschnittliches Wachstum zu generieren.

Selbst die Apple Watch ist inzwischen neben den Flaggschiff-Produkten iPad und iPhone sowie den wiederkehrenden Gewinnen aus App-Verkäufen ein Verkaufserfolg. Obwohl die Watch bei der Einführung im Jahr 2014 bei den Kunden wenig Begeisterung hervorgerufen hat, erzielt der Konzern mittlerweile 11 % des Umsatzes mit der digitalen Uhr.

Wann sind Aktienrückkäufe sinnvoll?

Aktienrückkäufe sind dann für ein Unternehmen sinnvoll, wenn die Gesellschaft ihre eigenen Aktien für unterbewertet hält und der Rückkauf zu einem höheren Wert führt – besonders dann, wenn die Aktien unterhalb ihres Inneren Wertes notieren. Durch den Rückkauf sind insgesamt weniger Aktien im Umlauf, wodurch der Gewinn pro Aktie automatisch steigt. Daraufhin sollte dann auch der Aktienkurs steigen.

Aktienrückkäufe können allerdings auch zum Verlust von Kapital führen. Etwa, wenn ein Konzern die eigenen Aktien zu einem über dem inneren Wert liegenden Preis zurückkauft. Solche Sachverhalte können Investoren nicht immer direkt erkennen. Denn am Ende beruht die Bewertung auch auf der subjektiven Einschätzung im Hinblick auf das zukünftige Wachstum des Unternehmens.



Weltmeister bei den Aktienrückkäufen

Apple ist nicht nur das wertvollste Unternehmen der Welt, der iPhone-Hersteller ist auch die Nummer Eins in punkto Aktienrückkäufe. Denn Apple hat im vergangenen Jahrzehnt für 550 Mrd. USD eigene Aktien vom Markt genommen (damit mehr als jedes andere Unternehmen) und wird auch nach eigenem Bekunden in Zukunft weiter massiv eigene Aktien zurückkaufen.

Im zurückliegenden, krisenreichen Jahr 2022 kaufte Apple insgesamt für 90 Mrd. USD eigene Anteilscheine zurück, was den Kurs in diesem Zeitraum nicht unmaßgeblich gestützt haben dürfte. Im kommenden April will der Konzern mitteilen, in welchem Umfang er für die nächsten zwölf Monate plant, eigene Aktien zurück zu kaufen. Experten sind der Meinung, dass der entsprechende Betrag gleich bleiben wird oder sogar erhöht werden könnte. Apple hat derzeit mehr als 150 Mrd. USD an flüssigen Mitteln in der Kasse.

Quartalszahlen leicht unter den Erwartungen

Die Zahlen für das abgelaufene erste Quartal des Geschäftsjahres 2022/23 lagen leicht unter den Erwartungen der Marktteilnehmer. Das Geschäftsjahr von Apple beginnt im Oktober, so dass das erste Quartal jeweils Ende Dezember endet. Dabei ging der Umsatz um 7,7 % zurück. Aufgrund zuvor angekündigter Lieferschwierigkeiten ist dieses Ergebnis keine große Überraschung.

Auch die Enttäuschung von „Mr. Market“ hielt nicht lange an. Nachdem der Kurs nach der Veröffentlichung der Daten am 2. Februar zunächst leicht nachgab, zog er kurz darauf wieder an. Während der Umsatz mit iPhones, Macs und Wearables rückläufig war, wurde der Erlös mit iPads um 29 % gesteigert. Am Gesamtumsatz macht die iPad-Sparte jedoch lediglich 8 % aus.

Im erheblich wichtigeren Service-Geschäft, das mittlerweile für immerhin 18 % der Umsätze steht, ging es 6,5 % nach oben. Am 16. Februar zahlte Apple die aktuelle Quartalsdividende in Höhe von 0,23 USD je Aktie aus (Ex-Dividenden-Tag dafür war der 10. Februar). Auf das Gesamtjahr hochgerechnet gibt es im Moment 0,92 USD je Anteilsschein. Dies entspricht beim aktuellen Kurs einer Dividendenrendite von 0,6 %.

Einige Innovationen in der Pipeline

Apple könnte kurz- bis mittelfristig mit einer Reihe von Innovationen aufwarten. Das Unternehmen arbeitet seit 2010 mit Hochdruck am Projekt E5: einer nicht-invasiven und kontinuierlichen Blutzuckermessung. Unlängst konnte Apple einige Meilensteine bei diesem Projekt vermelden. Ohne dass für die Blutentnahme in die Haut gestochen werden muss, soll sich dabei mit Lasertechnologie der Glukoseanteil im Körper eines Menschen verlässlich messen lassen. Apple geht nun davon aus, dass das Unternehmen diese Technologie tatsächlich auf den Markt bringen kann.

Darüber hinaus könnte ein faltbares iPhone auf den Markt kommen, das nach Meinung von Experten mehr Android-User zum Umstieg auf das Apple-Betriebssystem bewegen könnte. Ebenfalls ist bei der Bildschirmtechnologie der Umstieg auf sogenannte Micro-LED-Displays in der Pipeline. Im Vergleich zu den bisherigen Technologien haben diese Displays bessere Farben, einen höheren Kontrast und eine stärkere Leuchtkraft.  Außerdem ist Apple beim Thema künstliche Intelligenz noch immer im Rennen, selbst wenn zuletzt wenig dazu kommuniziert wurde. Nach Ansicht von Experten besitzt der Konzern die notwenigen Voraussetzungen, um einen eigenen generativen KI-Chatbot zu bauen.

In unserer Unternehmensdatenbank finden Sie neben Apple noch viele weitere spannende Titel. Die Entwicklung können Sie in unseren drei Musterdepots (Wachstums-, Dividenden- und Langfristdepots) sowie dem wöchentlichen Börsenbrief nachvollziehen. Sichern Sie sich jetzt Ihr Abonnement für diese exklusiven Informationen.

Auf gute Investments!

Ihre

Ihr Kerstin Franzisi
Chefredakteurin Der Privatinvestor

Sehr geehrte Privatanleger,

natürlich bin ich Kunde bei den Unternehmen, die wir im Portfolio haben, wenn ich in dem entsprechenden Bereich einen Bedarf habe. Zugegeben: Wenn ich mal (selten) Champagner trinke, ist es nicht immer Dom Pérignon (LVMH), sondern auch mal was anderes. Ich nutze (manchmal zähneknirschend) MS Office und das Apple Smartphone. Und ich miete natürlich bei Sixt (WKN: 723133).

Im letzten Sommer war ich mit meinem älteren Sohn in den USA. In allen Städten, in denen wir ankamen oder abflogen, gab es Sixt-Stationen: Boston, Charlotte, Phoenix und Denver. Sixt ist damit etwas geglückt, was in jüngster Zeit kaum einem deutschen Unternehmen glückt, das Produkte oder Dienstleistungen für Endverbraucher anbietet: Der Markteintritt in die USA. Und das passierte in einer Zeit, in der der US-Mietwagenpionier Hertz Insolvenz anmelden musste.

Die Covid-Pandemie war für die ganze Reisebranche extrem schwer. Gute Unternehmen schaffen es eben in schwierigen Zeiten, zu wachsen und Marktanteile zu gewinnen, während andere Unternehmen untergehen. Die Sixt-Aktie ist volatil. Auch nach dem Jahr 2000 und in der Finanzkrise 2008 brach der Kurs ein, nur um sich dann massiv und nachhaltig zu erholen und neue Höchststände zu erreichen.

Zu Weihnachten erreichte mich ein nettes Schreiben der Brüder Alexander und Konstantin Sixt, in dem sie sich für meine Treue bedanken – auch wenn ich nun kein ganz großer und wichtiger Kunde bin und weniger als 10x p. a. einen Mietwagen benötige. Das zeigt auch die besondere Rolle, die Kundenbeziehungen bei Sixt haben und die Sorgfalt, mit der Familienunternehmen arbeiten.

Die Sixt-Aktie befindet sich im PI Vermögensbildungsfonds und im PI Global Value Fund. Sie hat ein Potenzial von über 25 % zum Inneren Wert.

In den ersten neun Monaten des letzten Jahres steigerte Sixt seinen Umsatz um 42 %. Der Vorsteuergewinn stieg um fast 60 %.

Ich bleibe Sixt nicht nur als Kunde, sondern auch als Aktionär treu.

Auf gute Investments!

Ihr

Prof. Dr. Max Otte

Herausgeber Der Privatinvestor

Das hinter uns liegende Jahr war kein einfaches Börsenjahr und die Herausforderungen, denen wir uns 2022 stellen mussten, werden wahrscheinlich noch eine Weile anhalten. Als Investoren mit langfristigem Anlagehorizont wissen Sie und ich jedoch: Jede Krise bietet auch Chancen, denn genau in einer solchen Phase klaffen bei so manchem Qualitätstitel Preis und Wert auseinander.

Aus unserer Sicht ist dies im Moment unter anderem bei Big Tech der Fall. Wir alle können uns ein Leben ohne Microsoft (WKN: 870747), Amazon (WKN: 906866) oder Alphabet (WKN: A14Y6F) im Grunde gar nicht mehr vorstellen. Die zunehmende Digitalisierung spielt diesen Konzernen langfristig weiter in die Karten. Dennoch sind die Aktien von Amazon & Co. derzeit alles andere als beliebt. Auf Jahressicht steht Amazon derzeit fast 50 % im Minus. Bei Alphabet sind es minus 38 % und bei Microsoft minus 28 %.

Bei allen drei Unternehmen machen wir derzeit Unterbewertungen aus. Wenn Sie wie wir der Meinung sind, dass die Digitalisierung nicht aufzuhalten ist, und wenn Sie in Ihrem Portfolio auf Geschäftsmodelle setzen möchten, die davon mit hoher Wahrscheinlichkeit dauerhaft profitieren werden, sollten Sie über (Nach)käufe nachdenken.

Warten auf die Erholung

Warum verkennt „Mr. Market“ das langfristige Potenzial von Amazon & Co. weiterhin? Dies hat folgende Gründe: Zum einen fehlt „Mr. Market“, also der Mehrheit der Marktteilnehmer, die langfristige Sicht auf Investments. Sie handeln kurzfristig orientiert und emotionsgetrieben. Zum anderen kennen die wenigsten den Unterschied zwischen Preis und Wert.

Warren Buffett brachte es einst auf den Punkt: „Price ist what you pay. Value ist what you get.“ Der Preis ist das, was Sie bezahlen. Wert ist das, was Sie bekommen. Führen Sie sich diesen Unterschied immer wieder vor Augen. Ich bin überzeugt, dies wird Ihnen helfen Investmentchancen wahrzunehmen, wenn sich diese bieten.

Insbesondere in schwierigen Börsenzeiten lohnt es sich, dort hinzuschauen, wo die meisten Anleger weglaufen. Mit Big Tech im Portfolio sollten Sie für die nächsten Jahre gut aufgestellt sein.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie es mit Big Tech weitergeht, abonnieren Sie heute noch unseren Börsenbrief. Um uns unverbindlich kennenzulernen, empfehle ich Ihnen unseren kostenlosen Testbezug über vier Ausgaben.

In diesem Sinne auf gute Investments!

Ihre

Kerstin Franzisi

Chefredakteurin Der Privatinvestor

Am 24. Januar 2023 veröffentlichte Microsoft seine Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 22/23. Dabei gab es für die Anleger des Hard- und Software-Konzerns positive und negative Überraschungen. Während der Umsatz des Unternehmens nur ein relativ schwaches Wachstum aufwies, fiel der bereinigte Quartalsgewinn zur Freude der Investoren höher aus als von vielen erwartet.

Da das Geschäftsjahr von Microsoft jeweils am 1. Juli beginnt, werden die Zahlen für das zweite Quartal immer Ende Januar publiziert. Bei der diesjährigen Veröffentlichung der Daten für das zweite Quartal des Microsoft-Geschäftsjahres fiel besonders auf, dass sich der Umsatzanstieg nur um rund zwei % auf 52,7 Mrd. USD belaufen hat. Das ist das geringste Wachstum seit Jahren. Am Markt wurde durchschnittlich mit etwa 52,9 Mrd. USD gerechnet.

Der weltweite Absatz von Desktop-PCs und Laptops, der während der Covid-Pandemie neue Rekorde gebrochen hatte, ging zum Jahresende 2022 um rund 29 % zurück. Dieser Rückgang führte bei Microsoft in der Sparte Personal Computing, zu der auch das Betriebssystem Windows gehört, zu einem Umsatzminus von 19 % auf 14,2 Mrd. USD.

Für Microsoft war das Jahr 2021 – wie für viele Tech-Konzerne – wegen Corona ein Ausnahmejahr. Viele Menschen weltweit arbeiteten über Monate von zuhause aus. Auch Schule und Studium fand lange Zeit nur online statt. Entsprechend hoch war in dieser Zeit die Nachfrage nach entsprechender Hardware und Microsoft-Lizenzen. Dieses Rekordwachstum ist jetzt vorüber. Es ist davon auszugehen, dass das PC-Geschäft von Microsoft in Wahrheit nicht eingebrochen ist, es hat sich vielmehr normalisiert.



Cloud- und KI-Geschäft als Hoffnungsträger

Die Umsatzdaten im Cloud-Geschäft und in der KI-Sparte fielen dagegen deutlich positiver aus. Die Cloud-Sparte von Microsoft wuchs um 31 %, was sich allerdings als den geringsten Zuwachs seit 2015 darstellt. Andererseits fiel auf, dass Microsofts „Azure“ dem Konkurrenten Amazon Web Services (AWS) Marktanteile abjagen konnte.

Gleiches gilt auch für die Konzernsparte Künstliche Intelligenz (KI). Microsoft hat gerade erst angekündigt, das Engagement bei OpenAI, dem Anbieter der KI-Software ChatGPT, auszubauen. Schenkt man früheren Medienberichten Glauben, lässt sich das Unternehmen dieses Vorhaben bis zehn Mrd. USD kosten.

Was die Anleger allerdings weiterhin optimistisch stimmte, war der Umstand, dass der bereinigte Gewinn je Aktie mit 2,32 USD je Aktie drei US-Cent höher als erwartet ausfiel.

Anlegervertrauen ungebrochen

Insgesamt konnten die durchwachsenen Unternehmensdaten der Microsoft-Aktie wenig anhaben. Nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen am Mittwoch, den 24.01.23, verbuchte der Titel am Wochenende ein Plus von etwas mehr als 4 % auf Sicht von sieben Tagen. Insgesamt sieht es für die Kursentwicklung der Microsoft-Aktie im neuen Jahr 2023 noch nicht so gut aus.

Während der NASDAQ 100 und auch die Aktie von Konkurrent Apple seit Jahresbeginn jeweils um die zehn Prozent zulegen konnten, bringt es das Microsoft-Papier nur auf ein schmales Plus von knapp über 1 %. Vor allem die Kursentwicklung der vergangenen Tage verspricht einiges an Nachholpotenzial.

Das Rennen geht weiter

Microsoft ist wieder das zweitwertvollste Unternehmen der Welt. Noch im Jahr 2021 belegte der Konzern mit einer Marktkapitalisierung von 1,78 Billionen US-Dollar den dritten Platz in der Rangliste. Ein Jahr später beläuft sich der Marktwert des Hard- und Softwareanbieters auf 2,31 Billionen USD.

Vor zwölf Monaten summierte sich die Marktkapitalisierung von Saudi Aramco auf 1,92 Billionen USD. Im Jahr 2022 liegt der Marktwert des Saudi-arabischen Ölkonzerns bei 2,3 Billionen USD.

Auch gegen Ende des Jahres 2022 geht die Spitzenposition an den US-amerikanischen Hard- und Softwareentwickler Apple. Ein Jahr zuvor konnte Apple mit einer Markkapitalisierung von 2,05 Billionen USD den ersten Platz erobern. Inzwischen hat der iPhone-Entwickler mit einem Marktwert von 2,85 Billionen USD einen deutlichen Abstand zum Zweitplatzierten generiert.

Microsoft vertieft Kooperation

Microsoft und Cloudflare wollen das Home-Office sicherer machen. Mehr und mehr Unternehmen wollen sich effektiver gegen Hacker-Angriffe schützen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Home-Office. Der hohen Nachfrage wollen Microsoft und Cloudflare begegnen und intensivieren ihre Kooperation.

Erst Mitte Januar hatte Cloudflare bekannt gegeben, dass das Unternehmen die bereits seit 2018 bestehende Zusammenarbeit mit Microsoft vertiefen wird. Beide Gesellschaften wollen auf diese Weise neue Synergien schaffen und die eigenen Fähigkeiten bündeln. Joy Chik, Präsident der Microsoft-Abteilung Identity and Network Access, erklärte: „Ein Cloud-natives Zero-Trust-Sicherheitsmodell ist heute eine absolute Notwendigkeit, wenn Unternehmen sich weiterhin einer Cloud-orientierten Strategie zuwenden.“

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Ihr Kerstin Franzisi

Chefredakteurin Der Privatinvestor

„Wer gut schmiert, der gut fährt“. Dieser Spruch klingt für die meisten Unternehmen zwar etwas despektierlich, passt allerdings als Motto sehr gut zu dem Mannheimer MDAX-Konzern Fuchs Petrolub. Denn der Produzent und Anbieter für Schmierstoffe aller Art hat mit diesem Segment eine äußerst lukrative Nische besetzt. Damit hat sich das Unternehmen eine solide Finanzbasis erarbeitet. Fuchs Petrolub ist der weltweit größte unabhängige Anbieter von innovativen Schmierstofflösungen für nahezu alle Industrien und Anwendungsbereiche.

Im Portfolio sind mehrere tausend verschiedene Schmierstoffe vertreten. Beliefert werden Kunden aus dem Haushaltsbereich, dem Bergbau, der Landwirtschaft sowie der Stahl- und der Fahrzeugindustrie. Die jüngsten Entwicklungen – besonders im Hinblick auf die wirtschaftlichen Daten und den Kursverlauf der Aktie – geben Anlass zum Optimismus.

Aktuelle Quartalszahlen überzeugen

Im aktuellen Quartalsbericht findet sich für die ersten neun Monate 2022 ein Umsatz von 2.542 Mio. EUR (2.129), der 19 % über dem starken Vorjahreszeitraum mit 2.129 Mio. EUR lag. Das EBIT lag mit 280 Mio. EUR gegenüber 279 Mio. EUR leicht über dem Niveau des Vorjahres. Der freie Cashflow vor Akquisitionen lag hingegen deutlich unter dem des Vorjahreszeitraums, nämlich bei -31 Mio. EUR gegenüber 44 Mio. EUR.

Die Unternehmensführung begründet den negativen Effekt auf den freien Cashflow mit den weiterhin hohen Rohstoffpreisen und der starken Nachfrage. Dies habe zu einer erhöhten Mittelbindung im Nettoumlaufvermögen geführt. Alle Regionen hatten dabei überwiegend preisgetriebene Steigerungen gegenüber den ersten neun Monaten des Vorjahres verzeichnet. Dagegen befindet sich der chinesische Market im laufenden Jahr in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Vor allem die beharrlich durchgesetzte Null-Covid-Strategie macht der Wirtschaft noch immer zu schaffen. Auch Fuchs Petrolub musste in diesem Bereich spürbare Geschäftsrückgänge verzeichnen.

Stefan Fuchs, Vorstandsvorsitzender bei Fuchs Petrolub, stellt die positiven Entwicklung heraus: Das letzte Quartal „lag dank eines sehr guten dritten Quartals auf dem Niveau des sehr guten Vorjahres, welches von Nachholeffekten aus der Pandemiezeit sowie Rückenwind bei den Rohstoffpreisen profitiert hatte. Zum guten Ergebnis trug neben der Währungsentwicklung insbesondere die Region Nord- und Südamerika bei.“

Aktienkurs stark beflügelt

Der Kurs der Fuchs Petrolub-Aktie hat in der jüngeren Vergangenheit stark zugelegt – seit Anfang Oktober sogar einen neuen Aufwärtstrend ausgebildet. Unter den Einflüssen des Ukraine-Krieges und der Wende bei den Leitzinsen war der Aktienkurs des Schmierstoffherstellers in den ersten neun Monaten des Jahres 2022 stark unter Druck geraten.

Quelle: finanzen.net (Fuchs Petrolub-Chart)

Sinkender Ölpreis wirkt unterstützend

Natürlich ist der Ölpreis für einen Produzenten von Schmierstoffen ein entscheidender Kostenfaktor. Und weil der Preis für das schwarze Gold zu Beginn des Jahres infolge des Wegfalls des Öllieferanten Russland geradezu explodiert ist, hatte dies auch gravierende Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Bedingungen und Kurs der Fuchs Petrolub-Aktie. Zur Erinnerung: Anfang März des Jahres 2022 kostete der Barrel Rohöl knapp 125 USD, aktuell (Stand: 02.12.22) nur noch rund 86 USD.

Quelle: finanzen.net (Ölpreisentwicklung (WTI))

Angesichts immer höherer Preise für Verbrauchsgüter und nach wie vor kaum sinkender Inflationszahlen ist dieser Umstand bislang allerdings noch längst nicht im Bewusstsein vieler Verbraucher und vor allem von Privatinvestoren angekommen. Da es sich bei der Inflationsrate um eine nachlaufende Kennzahl handelt wird es wohl auch noch einige Zeit dauern, bis diese Umstände für alle sichtbar werden.

Ein niedrigerer Ölpreis und damit sinkende Inflationsdaten werden selbstverständlich auch anderen Unternehmen helfen und mit einiger Sicherheit auch den Zentralbanken die Möglichkeit eröffnen, die Leitzinsen weniger stark steigen zu lassen. Der Performance der Fuchs Petrolub-Aktie hat diese Entwicklung jedenfalls zunächst einmal nicht geschadet.

Aktienrückkaufprogramm: Fuchs Petrolub betreibt Kurspflege 

Das Aktienrückkaufprogramm ließ sich der Konzern bereits im Mai auf der diesjährigen Hauptversammlung genehmigen. Seitdem machte das Management von dieser Möglichkeit fleißig Gebrauch. Im Zeitraum 14. bis 18. November kaufte Fuchs Petrolub knapp 54.300 Stammaktien und 26.200 Vorzugsaktien zurück. Seit dem Start des Programms am 27. Juni 2022 nahm das Unternehmen nun bereits über 1 Million Stammaktien und 853.100 Vorzugsaktien vom Markt. Insgesamt ist Fuchs Petrolub zu einem Rückkauf von jeweils bis zu 3 Millionen Stammaktien und 3 Millionen Vorzugsaktien berechtigt.

Einer der großen Trümpfe für Anteilseigner der Fuchs Petrolub-Aktie ist allerdings die konstant steigende Dividende. Für das Jahr 2022 dürfen die Aktionäre eine Ausschüttung von 1,05 EUR erwarten, was einer aktuellen Dividendenrendite von 3,66 % entspricht. Bemerkenswert ist auch die Prognose des Managements. Diese lautet: „Unsere globale Aufstellung und solide Finanzbasis sind unverändert robust, und Fuchs fokussiert sich weiterhin auf profitables Wachstum sowie die konsequente Umsetzung der Fuchs 2025-Strategie.“ 

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Chefredakteurin Kerstin Franzisi | Der Privatinvestor

Ob kleine oder große Investoren, alle haben sie in diesen schwierigen Zeiten erfahren müssen, dass es mit den einst so erfolgreichen Wachstumswerten gar nicht mehr so reibungslos aufwärts geht. Auch die jüngste Kurserholung etwa an der NASDAQ kann darüber nicht hinwegtäuschen. Allerdings gibt es inzwischen auch bei kleineren Softwareanbietern – besonders bei jenen, die eine Nische besetzen – berechtigten Grund zu Optimismus: wie bei Atoss Software.

Atoss Software ist führender Anbieter im Hinblick auf Personalmanagement-Software in Europa. Damit hat das Unternehmen die perfekte Nische für sich gefunden und ist das Paradebeispiel eines exzellenten, inhabergeführten Hidden Champions. Atoss ist seit über 30 Jahren der Spezialist für Personalmanagement-Software. Nicht ohne Grund ist das Unternehmen in der DACH-Region in diesem Bereich die Nr. 1. Vielen größeren Softwarehäusern schien diese Sparte zu speziell zu sein. Sie haben diesen Bereich deshalb lange Zeit vernachlässigt.

Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre spricht Bände. Mittlerweile präsentierte Atoss Software 16 Rekordjahre in Folge und auch der Jahresauftakt 2022 war beeindruckend.#

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Kursentwicklung hinkt Geschäftsentwicklung hinterher

Während die Geschäftszahlen von Atoss Software wie von der Unternehmensführung kommuniziert von einem Rekord zum nächsten eilen, hinkt die Entwicklung des Aktienkurses dem deutlich hinterher. Auf Sicht von 12 Monaten müssen die Aktionäre einen (Buch-)Verlust von rund 32 % hinnehmen. Allerdings deutet der Chart an, dass sich etwa seit Anfang Oktober ein neuer Aufwärtstrend etabliert hat.

Die Diskrepanz zwischen der Entwicklung der wirtschaftlichen Zahlen und der Performance des Kurses könnte auch ein Indiz für eine starke Zurückhaltung der Börsianer in einem noch immer sehr schwierigen Marktumfeld sein. Das lässt wiederum auf ein recht hohes Nachholpotential schließen.

Atoss-Vorstand sehr zuversichtlich

Nach den erfreulichen Quartalszahlen ist der Vorstand nunmehr der Meinung, dass er seine zu Jahresbeginn angehobene Prognose für das Gesamtjahr 2022 von 110 Mio. EUR Gesamtumsatz und einer EBIT-Marge von über 25 % leicht zu übertreffen. Die zunehmende Cloud Fokussierung sowie eine verstärkte internationale Ausrichtung des Konzerns wird der Gesellschaft auch darüber hinaus langfristig nachhaltige Wachstumsperspektiven sichern. Dabei soll die EBIT-Marge bis 2025 auf 30 % ansteigen.

Der Anteil der wiederkehrenden Erlöse an den gesamten Umsatzerlösen – und damit das zentrale Schlüsselelement des künftigen Wachstums des Atoss Konzerns – erhöhte sich in der Folge weiter deutlich und beläuft sich nun auf insgesamt 58 % (Vorjahr 51 %). Die Umsätze mit Beratungsleistungen konnten auf 20,4 Mio. EUR (Vorjahr 18,0 Mio. EUR) ausgebaut werden.

Sollte sich die Erfolgsstory von Atoss Software im bisherigen Tempo fortsetzen, können auch Privatinvestoren relativ sicher sein, dass bald wieder schwarze Zahlen auf ihrem Kurszettel erscheinen.

Verkaufsgerüchte beeinflussen die Kursentwicklung

Zu achten ist dabei nicht zuletzt auf die Eigentümerperspektive.  Der Gründer Andreas Obereder führt das Unternehmen seit 1987. Als zu Beginn dieser Woche Gerüchte aufkamen, dass Obereder seine Unternehmensanteile verkaufen will, sprang der Kurs um über 12 Prozent nach oben. Allerdings konkretisierte sich dies nicht, der Kurs korrigierte wieder. Sollte es aus Altersgründen zu einem Verkauf oder Wechsel kommen, bleibt zu beobachten, an wen die Anteile übergehen.

In der Ausgabe 23/2022 unseres Börsenbriefs haben wir Atoss einer gründlichen Prüfung nach der Königsanalyse® unterzogen. Wenn Sie Ihr Depot mit Qualitätstiteln nach der wertorientierten Kapitalanlage erfolgreich pflegen wollen, empfehlen wir Ihnen eines unserer Abonnements. Als Vollabonnent oder Clubmitglied haben Sie Zugriff auf unser Archiv.

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Kerstin Franzisi

Chefredaktion | Der Privatinvestor

Sehr geehrte Privatanleger,

einmal angenommen, Sie könnten nur eine Aktie kaufen, welche wäre es? Ich habe mir diese Frage in den letzten Wochen intensiv gestellt. Für mich lautet die Antwort: Nestlé (WKN: A0Q4DC). Seit Jahrzehnten setzen wertorientierte Investoren langfristig auf den Schweizer Lebensmittelriesen. Sie holten sich damit einen Garanten für Stabilität ins Haus. Dies sowohl in Bezug auf die Geschäfts-, Kurs- und Dividendenentwicklung.

Doch gilt das auch künftig? Aktuell scheinen die steigende Inflation sowie weitere Faktoren das Bild zu trüben. Ende Juli titelte die FAZ: „Stabile Nestlé-Aktie? Das war mal.“ In der Tat gleicht die kurzfristige Kursentwicklung mehr einer Achterbahn als einer Rolltreppe. Statt kontinuierlich und gemütlich nach oben, ging es zwischendurch rauf und runter. Auf Sicht der letzten sechs Monate steht die Aktie im Moment 3,5 % im Minus. Journalisten und Anleger fürchten nicht nur, dass die Gewinne in Folge der Inflation und den damit verbundenen, für Nestlé gestiegenen, Produktionskosten zurückgehen. Sie haben auch Sorge, dass die Umsätze sinken werden. Auch dies als Folge der Inflation – weil Konsumenten infolge der gestiegenen Preise seltener zu Nestlé-Produkten greifen werden, was zu einer Absatzschwäche führen würde.

Kurzfristig könnte dies eintreten. Wer deshalb aber in Bezug auf Nestlé in Panik gerät, übersieht das große Ganze.

Krisen kommen und gehen – Nestlé bleibt.

Selbstbewusst reagierte CEO Marc Schneider bereits zu Beginn des Jahres mit Preiserhöhungen. Durchschnittlich um 6,5 % hob Nestlé die Verkaufspreise seiner Produkte im ersten Quartal 2022 an. Dies ist die stärkste Preiserhöhung des Konzerns seit mehr als einem Jahrzehnt. Von einer Absatz- und Umsatzschwäche ist bislang jedoch nichts zu spüren. Das Umsatzwachstum soll dieses Jahr 8 % betragen. Der Konzern hat seine Prognose damit sogar erhöht. Zuvor ging die Führungsetage nur von einem Umsatzplus von rund 5 % aus. Dies zeigt: Das Geschäftsmodell von Nestlé ist krisenresistent. Das hat das Unternehmen in über 150 Jahren Firmengeschichte immer wieder bewiesen. Immer wieder ist Nestlé auch Kritik ausgesetzt. Die Vorwürfe: Nestlé verstoße gegen Umwelt- und Sozialstandards. So veröffentlichte der YouTuber „Rezo“ vor etwa drei Monaten einen Rundumschlag gegen Nestlé der mittlerweile fast 2 Millionen Mal angesehen wurde. Nestlé hatte gerade das Gewürz-Startup Ankerkraut übernommen.

Der Trend zu „nachhaltigen“ Geldanlagen könnte Nestlé durchaus noch beschäftigen, da gerade große Vermögensverwalter ihre Entscheidungen zunehmend „ESG-konform“ ausrichten. Doch ich bin überzeugt, die Endverbraucher werden weiter Nestlé-Produkte kaufen. Im Handel wartet das Unternehmen mit derart vielen bekannten und beliebten Marken auf, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass beim Einkauf irgendwelche Produkte von Nestlé dabei sind. Nicht bei allen Marken ist es sofort ersichtlich, dass sie zu Nestlé gehören, dies auch, weil Nestlé sein Portfolio stetig erweitert und Zukäufe tätigt. So wird es sicherlich manchem Konsumenten bisher gar nicht bewusst sein, dass er, wenn er im Supermarkt-Regal zu Starbucks-Kaffee greift, ebenfalls Kunde von Nestlé ist. Vor einigen Jahren erwarb der Konzern die globalen Vermarktungsrechte für das gesamte Einzelhandelsgeschäft dieser Marke. Und jetzt gehört eben auch Ankerkraut dazu. Das Management strengt sich an, ein ESG-positives Image zu verankern. Im Jahr 2021 war Nestlé laut Dow-Jones-Nachhaltigkeitsindex der „weltweit nachhaltigste“ Lebensmittelkonzern. Medienwirksame Kritik wie sie unter anderem von Rezo vorgebracht wird, läuft somit weitgehend ins Leere.

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Die Fundamentaldaten zeigen, weshalb Nestlé nach wie vor eine Königsaktie ist

Nestlé ist nicht nur den aktuellen Herausforderungen mehr als gewachsen, sondern auch langfristig ein attraktives Investment. Dafür sprechen neben dem krisenresistenten Geschäftsmodell auch die langfristige Kursentwicklung und die Dividendenpolitik. In den vergangenen 20 Jahren ist die Aktie von 31 CHF auf nun knapp 116 CHF gestiegen.

Kursentwicklung der Nestlé-Aktie, Quelle: wallstreet-online.de

Wenn Sie 2002 eingestiegen sind und bis heute durchgehalten haben, wurden Sie mit einer Wertsteigerung um über 270 % belohnt. Ihr ursprünglicher Einsatz hätte sich fast vervierfacht. Hinzu kommen die Dividenden, die Sie seitdem jährlich erhalten haben. Im Moment zahlt Nestlé jährlich 2,80 CHF je Aktie aus. Auf Ihren damaligen Einstiegskurs bedeutet dies eine jährliche Dividendenrendite von 9 %.

Nestlé erweist sich bisher als echter Dividendenaristokrat. Der Konzern steigert seine Dividende bereits seit 26 Jahren in ununterbrochener Folge. Natürlich sind für Ihre Anlageentscheidungen nicht vorrangig historische, sondern zukünftige Entwicklungen relevant. Auch diesbezüglich sieht es gut aus. Nestlé investiert unter Mark Schneider kontinuierlich in vielversprechende Wachstumssegmente – z. B. vegane Milch- und Fleischersatzprodukte, Kaffee und Tiernahrung. Nicht zuletzt wächst der globale Markt für Lebensmittel vor dem Hintergrund der steigenden Weltbevölkerung sowie des steigenden Lebensstandards in Ländern wie China weiter. An diesen Fakten und Trends wird sich auch auf absehbare Zeit nichts ändern.

Erstklassige Qualität zu einem akzeptablen Preis.

Wie sieht es mit der Bewertung aus? Ist Nestlé jetzt ein Kauf? Wir finden den Preis im Moment moderat. Das aktuelle KGV steht bei 20. Das ist für ein Unternehmen dieses Kalibers nicht schlecht. Zudem ist auch die historische Entwicklung des KGVs sehr aufschlussreich:

Trotz steigenden Kursen sinkt das KGV, Quelle: finanzen.net

Während in den vergangenen Jahren die Aktienkurse deutlich anstiegen, sank gleichzeitig das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Dies kann nur bedeuten, dass die Gewinne überproportional gestiegen sind. Wenn Sie nach „der einen“ Qualitätsaktie für Ihr Depot suchen, sollten Sie über Nestlé nachdenken. In unseren Fonds jedenfalls ist Nestlé mittlerweile wieder eine Position.

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Ihre Kerstin Franzisi

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Chefredakteurin Der Privatinvestor

Die Meldungen rund um den Technologieriesen Amazon reißen nicht ab. Erst kürzlich berichteten wir von anhaltenden Wachstumsinvestitionen des Konzerns – den aktuellen Herausforderungen der Weltwirtschaft und an den Finanzmärkten zum Trotz. Jetzt betritt der Internetgigant die nächste Bühne: Haushaltsroboter. Der Internetriese gab vor knapp zwei Wochen bekannt, das Unternehmen iRobot zu übernehmen.

Wir sehen darin den nächsten cleveren Coup von Amazon. Mit der Akquisition schlägt der Online-Gigant gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn mit der Integration der Wisch- und Saugroboter à la iRobot in das Amazon-Universum erweitert der größte Online-Händler der Welt nicht nur seine Produktpalette sondern auch sein Datenvolumen.


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Für 1,7 Mrd. USD in 40 Mio. Haushalte

Amazon hat für die Übernahme von iRobot ein Kaufangebot von 1,7 Mrd. USD ausgerufen. iRobot ist weltweit die Nr. 1 am Markt für Heim- und Haushaltsroboter. Die Saug- und Wischroboter mit Namen Roomba und Brava putzen bereits in über 40 Millionen Haushalten. Tendenz steigend. Um ihrem Zweck möglichst optimal nachkommen zu können, machen die smarten Geräte neben ihrer Arbeit vor allem eins: Daten sammeln.

Die Roboter verfügen über Lasersensoren und Kameras, um sogenannte Smart Maps der zu reinigenden Räume zu erstellen. Die Geräte wissen also nach einiger Zeit der Nutzung viel über das Zuhause ihrer Besitzer. Wie groß ist die Wohnung oder das Haus? Wo stehen welche Möbel? Wie viele Bewohner gibt es und wann sind sie daheim, wann nicht? Sogar der Besitz von Haustieren wird aufgrund der zu beseitigenden Tierhaare erfasst.

All diese Daten werden nicht etwa auf den Geräten von iRobot selbst gespeichert, sondern an die angeschlossenen Server übertragen. Amazon als einer der größten Datensammler der Welt würde auf diese Weise – sollte die Übernahme gelingen – eine erhebliche Menge an neuen Informationen über die Lebensgewohnheiten seiner Kunden und Zielgruppen erhalten. Die Auswertung und Analyse dieser gesammelten Daten sind für Amazon von unschätzbarem Wert, wenn es darum geht seine Kunden mit immer passgenaueren Angeboten zu adressieren. 

Der Schlüssel zum Smart Home

Das Segment Heimroboter ist schon für sich interessant, weil die Gesellschaft immer älter wird und Haushaltsroboter perspektivisch einen attraktiven Zukunftsmarkt darstellen. Ein mindestens ebenso wichtiger Kaufgrund liegt für Amazon aber möglicherweise noch woanders: Die smarten Heimroboter von iRobot könnten zukünftig einer der wichtigsten Bausteine im Wettbewerb um den heiß umkämpften Smart-Home-Markt sein.

Die datentechnische „Invasion“ durch Amazon läuft schon seit vielen Jahren und nährt sich aus immer mehr Quellen: Nach welchen Produkten suchen wir im Netz, was kaufen wir, was schauen wir uns an? Welche Musik hören wir bei Amazon Music Unlimited? Welche Fragen stellen wir Alexa? Die Liste ist schier endlos. Die Ergänzung durch das Datenpotenzial via iRobot ist der logische nächste Schritt für den Big-Tech-Konzern auf dem Weg ins smarte Heim seiner Kunden.

Guter Zeitpunkt

Amazon hat keinen schlechten Zeitpunkt für sein Übernahmeangebot gewählt. Der Aktienkurs von iRobot geriet in den letzten zwölf Monaten ordentlich ins Straucheln. Die Aktie stand am 05.08.2022, also vor Bekanntgabe der Übernahmepläne auf Jahressicht über 40 % im Minus.

Für Amazon hingegen läuft es bestens und der ausgerufene Übernahmepreis von 1,7 Mrd. USD ist für den Konzern lediglich „Peanuts“. Amazon generierte im letzten Jahr einen Umsatz von knapp 470 Mrd. USD. Mit einem Umsatzwachstum von 7 % auf 121 Mrd. USD im zweiten Quartal 2022 übertraf Amazon zudem die vorherigen Schätzungen von Analysten.

Die Cloud-Sparte AWS generierte einen Umsatz in Höhe von 19,7 Mrd. USD – die Erlöse wuchsen hier um 33,2 %. Mittlerweile stehen die Cloud-Einnahmen für 16,3 % des Konzernumsatzes. Unterm Strich fuhr der Konzern zwar einen Nettoverlust in Höhe von 2 Mrd. USD ein, dies ist jedoch vor allem auf die starke Wertminderung der Rivian-Beteiligung zurückzuführen. Die Aktie des E-Autobauers musste seit Jahresbeginn Kurseinbußen von rund 67 % hinnehmen. Für das dritte Quartal erwartet Amazon einen Umsatz zwischen 125 und 130 Mrd. USD. Das würde einem Wachstum von 13 bis 17 % entsprechen.

Letzte Hürde: US-Kartellamt

Per Express ins Smart Home – die Übernahme von iRobot durch Amazon könnte ein mehr als cleverer Schachzug für den Technologiegiganten sein. Noch ist der Deal aber nicht in trockenen Tüchern. Die US-Kartellbehörden könnten einen Strich durch die Rechnung machen. Es geht dabei um potenzielle Wettbewerbsverzerrung.

Man möchte verhindern, dass Amazon in der Folge seine nun eigenen Roboter (dann ehemals iRobot) im hauseigenen Marketplace bevorzugt anbieten könnte. In der Vergangenheit wurde dies Amazon schon in mehreren Fällen bei anderen Produkten vorgeworfen.

Dies gilt es noch in einem Prüfverfahren zu klären, bevor die Übernahme unter Dach und Fach gehen kann.

Strategisches Match mit Zukunftspotenzial Der geplante Zukauf des Roboterherstellers passt sehr gut in die grundsätzliche strategische Entwicklungsrichtung des Technologiegiganten. Sowohl auf Hardware- als auch Datenerfassungsebene ist das Thema Haushaltsroboter im Smart Home ein sinnvolles weiteres Puzzleteilchen für den „Verbraucher-Profiler“ Amazon.

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Ihre Kerstin Franzisi

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