Was Produkte des Grundbedarfs in unserem täglichen Leben bedeuten, ist vielen von uns im letzten Jahr erst wieder bewusst geworden. Als Mehl, Nudeln, Reis sowie Reinigungs- und Hygienemittel (allen voran das dadurch berühmt berüchtigte Toilettenpapier) wurden während der ersten Lockdowns regelrecht gehamstert. Supermarktregale waren zwischenzeitlich wie leer gefegt, so dass auch Sie sich vielleicht fragten: „Was ist denn jetzt los?“

Ein Unternehmen, das dafür sorgt, dass wir uns diese Frage für gewöhnlich nicht stellen müssen, ist Unilever. Der weltweit agierende britische Konzern mit Firmensitz London befasst sich in seinen verschiedenen Geschäftsbereichen mit der Produktion von Nahrungsmitteln, Kosmetika, Körperpflege- sowie Haushalts- und Textilpflegeprodukten. Für Unilever arbeiten weltweit mehr als 150.000 Mitarbeiter in über 100 Ländern. Im Jahr 2020 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von rund 45 Mrd. GBP.

Clevere Kombination von Food und Non-Food

Wie wir bereits in unserem Blog-Beitrag vom 26.05.2021 ausführten, kann Unilever mit einer spannenden Unternehmenshistorie aufwarten: 1929 schlossen sich der niederländische Margarinehersteller Unie und der britische Seifenhersteller Lever Brothers zusammen. In den kommenden Jahrzehnten stieg das so entstandene Unternehmen, das seine Herkunft bis heute im Namen trägt, zu einem der größten Player im Konsumgüter-Business auf.



Anders als beispielsweise Procter & Gamble oder Henkel, die rein auf Non-Food-Produkte konzentriert sind, oder der Konzern Nestlé, der quasi ausschließlich im Nahrungsmittelsegment tätig ist, decken die Geschäftsbereiche von Unilever sowohl den Food- als auch den Non-Food-Bereich ab – eine clevere Kombi.

Starke Marken schaffen Kundenbindung

Das Angebotsspektrum vor allem starker Marken des Konzerns ist beachtlich. Das unterstreicht ein kleines Experiment: Wenn Sie heute einmal Ihren Vorratsschrank öffnen, finden Sie höchstwahrscheinlich eine der oben aufgeführten Marken. Oder nicht? Wenn ja, sind Sie vielleicht schon längst „Stammkunde“ von Unilever.

Wenn Kunden erst einmal mit einem hochwertigen Produkt zufrieden sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie dies regelmäßig kaufen. Der Preisaspekt spielt für überzeugte Kunden eine weniger bedeutende Rolle als für Erstkäufer, die zunächst testen möchten. Diese Kundenbindung fördert insbesondere den Absatz neuer Produkte einer Marke. So wird sich ein zufriedener Langnese-Kunde leichter von einer neuen Langnese-Sorte überzeugen lassen. Auf diesem Weg entsteht für Unilever ein großer Vorteil bei den Margen. Denn für bekannte Marken lassen sich höhere Preise durchsetzen als für No-Name-Ware ohne Wiedererkennungswert.

Übernahme der Hautpflegemarke Paula‘s Choice nun abgeschlossen

Im Juni gab Unilever die Übernahme der Hautpflegemarke Paula’s Choice bekannt. Anfang August wurde diese abschlossen. Zwei Aspekte machen den Zukauf interessant: Erstens ist Paula’s Choice sehr stark im Bereich E-Commerce und Direktmarketing. Zweitens spricht Unilever gezielt umweltbewusste und tierliebe Verbraucher an, denn die Produkte sind vollständig frei von Tierversuchen.

Robuste Perspektiven für die Zukunft

Wenn Unternehmen nicht nur durch Übernahmen wachsen, sondern auch aus eigener Kraft, ist das immer ein gutes Zeichen. Getrieben wurde das Wachstum von Unilever im 1. Halbjahr 2021 von einer sehr erfreulichen Absatzentwicklung (5,4 %). Auch kleinere Preiserhöhungen waren drin.

Während die Nachfrage nach Kosmetikartikeln nur leicht anstieg, konnte der britische Konzern vor allem seine Lebensmittelprodukte gut verkaufen. Da die Gastronomie geschlossen hatte, gönnten sich Verbraucher eben mehr Eiscreme zu Hause.



Wie Alan Jope, Chief Executive Officer, erklärt das Ergebnis: „Wir machen gute Fortschritte bei den strategischen Entscheidungen, die wir Anfang des Jahres getroffen haben, einschließlich der Entwicklung unseres Portfolios in Bereichen mit hohem Wachstum. [… ] Wettbewerbsfähiges Wachstum hat für uns Priorität, und wir sind zuversichtlich, dass wir im Jahr 2021 ein zugrunde liegendes Umsatzwachstum von 3 bis 5 % erzielen werden

Auslagerungen geplant

Bei einem großen Konzern wie Unilever ist es vollkommen normal, dass das Produktportfolio regelmäßig überprüft und nachjustiert wird. Aktuell steht das Teegeschäft (Marken wie Brooke Bond, Beseda) zur Disposition. Es machte bisher ca. 2 Mrd. GBP Umsatz aus. Das sind gerade einmal ca. 4 % des Gesamtumsatzes. Für Unilever ist es somit ein Randgeschäft, auf das das Unternehmen ohne Reue verzichten kann. Noch berät das Management, ob es zu einem klassischen Verkauf kommen soll oder zu einer Abspaltung vom Mutterkonzern mit anschließendem Börsengang. Die Chancen, mithilfe eines IPO einen höheren Preis erzielen zu können, sind gegeben.

Auch von einigen Marken im Segment Körperpflege – u. a. Impulse, Timotei und Q-Tips – will sich Unilever möglicherweise trennen. Jedenfalls wird ein Spin-Off in eine eigene Geschäftseinheit mit Namen Elida Beauty vorbereitet. Von einem Verkauf ist zwar noch nicht die Rede, wenn es aber Absicht wäre, die auserkorenen Marken langfristig zu behalten, wären die jetzigen Umstrukturierungen wenig sinnvoll. Schließlich würde dies die Konzernstruktur, die eigentlich verschlankt werden soll, unnötig verkomplizieren. Ein Verkauf „en bloc“ hingegen wäre durch die jetzigen Maßnahmen sogar deutlich einfacher, da das Geschäft dafür bereits separiert ist.

Stabile Dividende

Unilever zahlte am 08. September die Dividende für das zweite Quartal aus. Der Ausschüttungsbetrag beläuft sich auf 0,37 GBP (0,43 EUR). Unilever zahlt seine Dividende vierteljährlich. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet werden aktuell 1,50 GBP (1,71 EUR) bezahlt. Beim derzeitigen Aktienkurs von 39,59 GBP (Börse London; Schlusskurs per 10.09.2021) entspricht dies einer aktuellen Dividendenrendite von 3,8 %. Das ist ordentlich.

Überhaupt macht Unilever als Dividendentitel eine exzellente Figur. Seit 1937 schüttet das Unternehmen eine Dividende aus. Wir haben diese bis ins Jahr 1996 zurückverfolgt. In EUR  ist der Ausschüttungsbetrag während dieser 25 Jahre jedes Jahr gestiegen. Es gibt freilich keine Garantie, dass dies auch in Zukunft jedes Jahr eine Anhebung geben wird, langfristig sollte es für die Dividende aber nur eine Richtung geben: nach oben.

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Ihre Kerstin Franzisi

Chefredakteurin “Der Privatinvestor”

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