Die Touristikbranche lebt langsam wieder auf. Nach größtenteils katastrophalen Einbrüchen in 2020 durch die pandemiebedingten Einreisebeschränkungen, flächendeckenden Lockdowns und Abstandsregelungen kommt das Geschäft langsam wieder in Bewegung. Kein Wunder, nach so viel Klausur und Social Distancing sind die Menschen hungrig nach Reisen und Ausflügen. Die fortschreitende Durchimpfung der Bevölkerung und die damit einhergehenden schrittweisen Öffnungen geben der Branche Hoffnung.

So wie Reiseveranstalter, Hotels, Gastronomie und viele andere Bereiche der Touristikbranche von den Einbußen betroffen waren und sind, ergeht es auch den angeschlossenen Transportunternehmen – speziell in Gebieten, die nahezu ausschließlich zu touristischen Zwecken besucht werden. Ein besonders anschauliches Beispiel ist die Jungfraubahn in der Schweiz.

Höchster Halt: „Top of Europe“

3.454 Meter über dem Meeresspiegel. Auf dieser Höhe befindet sich der höchstgelegene Bahnhof Europas. Top of Europe ist daher sein passender Name. Bereits seit dem 1. August 1912 wird die Station einzig und allein von der Jungfraubahn angefahren, die Touristen und Einheimische zur berühmten Aussichtsplattform auf das Jungfraujoch transportiert.

Einmal dort stehen und den berühmten Aletschgletscher und die atemberaubende Bergwelt (Eiger, Mönch, Jungfrau) bewundern – das ist ein Traum, den sich jährlich rund eine Million Besucher erfüllen. So zumindest in nicht-pandemischen Zeiten. Die Bahnfahrt selbst, zum Beispiel ab Interlaken Ost bis hinauf zum höchstgelegenen Bahnhof der Welt, ist ein traumhaftes Naturerlebnis, das als Publikumsmagnet internationale Besucherströme anzieht. Dem Betreiber der Bergbahnen und der angeschlossenen Erlebniswelt am Top of Europe lässt dies ordentlich die Kasse klingeln.

Die Betreiber der Berge

Die Jungfraubahn Holding AG, das bedeutendste Bergbahnunternehmen in der Schweiz, umfasst acht Tochtergesellschaften, die ganzjährig Bergbahnen und Wintersportanlagen in der Jungfrau-Region südlich des Thunersees und des Brienzersees betreiben. Das Bergbahnnetz umfasst die Berge Jungfrau (inklusive Jungfraujoch) Eiger und Mönch. Das Jungfraujoch, der tiefste Punkt im Verbindungsgrat zwischen dem Mönch und der Jungfrau, ist das ganze Jahr über eine der beliebtesten Touristenattraktionen der Schweiz.

Um sich möglichst breit aufzustellen, hat sich das Unternehmen so einiges einfallen lassen. Neben dem Betrieb von Bergbahnen unterhält die Jungfraubahn Holding AG auch ein eigenes Wasserkraftwerk, vermietet in der Umgebung der Bergbahnstationen Räumlichkeiten an die Gastronomie und betreibt Souvenir-Shops. In Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen werden zudem vollständig zusammengestellte Pauschalreiseangebote zur Jungfrau-Region angeboten.

Ganzjähriger Besuchermagnet

Ein wesentlicher Vorteil der Jungfraubahn Holding AG ist, dass keine Abhängigkeit von der Wintersaison besteht. Dies ist bei den meisten Bergbahnen der Fall, sie machen den entscheidenden Umsatz während der Ski-Saison. Bei Jungfraubahn wird der größte Umsatz hingegen nicht während der Winter-, sondern während der Sommersaison generiert. Dies liegt daran, dass das Jungfraujoch ein sehr beliebtes Ganzjahresreiseziel ist. Der Aletschgletscher, der von dort aus zu sehen ist, geht im Zuge der Klimaerwärmung natürlich zurück.

Irgendwann einmal wird dieser Gletscher – wie alle anderen auf der Erde – verschwunden sein. Diese „Attraktion“ würde dann freilich wegfallen, aber die Erlebniswelt insgesamt, ein einmaliger Blick auf viele Viertausender der Berner Alpen, bleibt auch dann. Und noch sind hier viele Jahre Zeit (wenn rund 80 Jahre auch für die Geschichte der Erde sehr kurz sind). Nach Hochrechnung von Experten soll der Gletscher bis Ende 2100 bis auf kleinere Teile in hohen Lagen verschwunden sein.

Natürliches Monopol als Burggraben

Wie auch andere Bergbahnbetreiber verfügt die Jungfraubahn Holding AG über ein natürliches Monopol an ihrem Standort. Kein anderes Unternehmen könnte hier eine Konkurrenzbahn eröffnen. Selbst wenn dies von der geografischen Beschaffenheit möglich wäre, würde es an unüberwindbaren Infrastrukturkosten scheitern. Hinzukommt, dass die Jungfraubahn Holding AG unter normalen Bedingungen (die Corona-Krise ist eine Ausnahmesituation, die von außen kommt) nicht nur mit dem Verkauf der Bahntickets horrende Summen einnimmt. Eine wichtige Einnahmequelle sind auch die Gastronomie und Souvenirs der Top-of-Europe-Erlebniswelt.

Kein Wunder also, dass die Margen in der Historie enorm hoch waren. Die EBIT-Marge lag im Schnitt der letzten zehn Jahre vor Corona bei beeindruckenden 26 %. Die Nettomarge kann mit einem Durchschnittswert von 20 % aufwarten. Ohne Corona wäre das Wachstum absolut intakt und nach der Krise wird sich das Unternehmen dem früheren Wachstum gewiss wieder annähern können.

Lichtblicke im ersten Semester 2021

Im ersten Halbjahr 2021 strömten vor allem Schweizer Gäste in Scharen auf das Top of Europe. Dabei schwankten die täglichen Zahlen der Besucherinnen und Besucher des Jungfraujochs stark. Das lag am oftmals schlechten Wetter und den unsicheren Wetterprognosen. Insgesamt wurden in diesen ersten sechs Monaten 137.400 Besucher auf das Jungfraujoch befördert. Dies entspricht einer Zunahme von 36,6 % im Vergleich zum Vorjahr, in dem es einen historischen Einbruch gab – der Ausflugsverkehr war durch den verordneten Lockdown ab Mitte März 2020 für 83 Tage zum Erliegen gekommen.

Das Geschäft wurde im ersten Halbjahr durch Spezialangebote und Promotionen im Heimatmarkt stark belebt. Die höhere Nachfrage aus dem Inland hat aber den pandemiebedingten Wegfall der vorwiegend aus Asien stammenden internationalen Touristen nicht kompensieren können. Rund 70 % der Reisenden kommen nach wie vor aus dem Fernen Osten. Die starke Nachfrage aus Asien stellt also ein gewisses „Klumpenrisiko“ dar.

Außerdem hat sich gerade diese Besuchergruppe in der Vergangenheit als sensibel in Bezug auf politische Unsicherheiten oder Terrorängste gezeigt. Corona hat diese Reisesensibilität – neben faktischen Ein- und Ausreiseverboten – auf ein ganz neues Level gehoben. Es ist dennoch davon auszugehen, dass sich auch diese große Besuchergruppe nach der Pandemie wieder sukzessive stabilisieren und steigern wird.

Die Wintersaison stimmt zuversichtlich

Nach einem schwachen Start im Januar mit schlechtem Wetter und der Absage der Lauberhornrennen folgte ab Februar ein Aufschwung. Dank der guten Schnee- und Wetterverhältnisse konnte die Wintersportsaison 2020/2021 teils bis zum 25. April 2021 verlängert werden. Vor allem dank der Eröffnung der V-Bahn hat das Unternehmen im Vergleich mit anderen Regionen der Schweiz gut abgeschnitten.

Die Zahl der Wintersportbesuche (das Unternehmen spricht hier von „Skier Visits“) in der gesamten Jungfrau-Ski-Region sank im Vergleich zum Vorjahr zwar um 5,2 % auf 706.000. Im Kerngebiet Kleine Scheidegg-Männlichen lagen die Skier Visits jedoch dank der neuen V-Bahn bei 457.900. Dies entspricht einer Zunahme um 5,2 %. Der anteilige Verkehrsertrag blieb in der Berichtsperiode in diesem Gebiet mit CHF 11,9 Mio. CHF praktisch gleich wie im selben Zeitraum 2020 (11,7 Mio. CHF). Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Restaurants geschlossen waren, ist dies sicher ein erfreuliches Ergebnis.

Mammutprojekt „V-Bahn“ fast abgeschlossen

Am 05. Dezember 2021 wurde die neue V-Bahn eröffnet. Die neue und hochmoderne Gondelbahn – das Herzstück eines fast eine halbe Milliarde schweren Investitionsprojekts – weitet die Transportkapazität deutlich aus und verkürzt darüber hinaus die Fahrtzeit zum Jungfraujoch um bis zu 47 Minuten.

Das Großinvestitionsprojekt V-Bahn umfasste neben dem Ausbau der bereits bestehenden Bergbahninfrastruktur (Kapazitätsausbau, Modernisierung etc.) den Bau einer neuen Verbindungsbahn, dem Eiger-Express, die nun eine direkte Verbindung zwischen Grindenwald Grund und dem Eigergletscher ermöglicht. Die Fertigstellungs- und Rückbauarbeiten der V-Bahn werden voraussichtlich im Herbst 2021 abgeschlossen sein.

Bereits jetzt hat sich bestätigt, dass die V-Bahn für den Wintersport in der Jungfrau-Ski-Region klar eine Attraktivitätssteigerung bedeutet. Als Ergänzung zur V-Bahn wird der Wengen-Shuttle 2023 in Betrieb genommen. Mit dieser Investition in die Zukunft wird die Anfahrt mit dem Zug ins autofreie Wengen nochmals optimiert. 

Noch nüchterne Ergebnisse, hoffnungsvoller Blick nach vorne

Allen Positivmeldungen zum Trotz: die Pandemie belastet nach wie vor das Unternehmensergebnis. Der Verlust in der ersten Jahreshälfte beläuft sich auf 9,8 Mio. CHF (zum Vergleich: im Vorjahreszeitraum waren es 11,5 Mio. CHF). Dabei gelang es der Jungfraubahn Holding AG, inmitten der Herausforderungen der Corona-Pandemie ein positives EBITDA in Höhe von 10,5 Mio. CHF zu erwirtschaften. Das entspricht einer Steigerung von 77 % zum Vorjahr. Aus heutiger Sicht geht das Unternehmen davon aus, dass auch für das Gesamtjahr 2021 mit einem positiven EBITDA gerechnet werden kann.

Mit Blick auf die gesunde Unternehmenserholung bleibt die Dividende dennoch weiterhin ausgesetzt. Davor hatte die Jungfraubahn Holding AG seit 2003 ohne Unterbrechung ausgeschüttet. Und wenn auch nicht jedes Jahr erhöht wurde, so gab es noch nie eine Kürzung mit langfristig klarer Tendenz nach oben. Seit 2019 wurde dann ergebnisbedingt auf die Ausschüttung einer Dividende verzichtet. Aufgrund der Dividendenhistorie, der finanziellen Aufstellung des Unternehmens sowie seines stabilen Geschäftsmodells ist jedoch davon auszugehen, dass sich auch der Anleger mit Wiedererstarken der Unternehmensperformance wieder über künftige Erträge freuen darf.

Perspektivisch nach der Pandemie: on Top again

Das Geschäftsmodell der Jungfraubahn Holding AG ist leicht verständlich. Den überwiegenden Teil ihres Umsatzes erzielt sie mit der Beför­derung von Touristen in beliebte Urlaubs­regionen der Schweiz. Hierbei stellt die Beförderung zur Touristenattraktion Jung­fraujoch das wichtigste und umsatzstärkste Segment dar. Die Tatsache, dass es sich beim Jungfraujoch um eine der beliebtesten Tou­ristenattraktionen in der Schweiz handelt, die vor allem im Sommer stark besucht wird, garantiert der Jungfraubahn Holding AG einen immensen Standort- und damit Wettbe­werbsvorteil.

Aufgrund der Alleinstellungsmerkmale der Region, die zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört, und aufgrund der tiefen Veran­kerung der Jungfraubahn Holding AG in die Infrastruktur der Region, handelt es sich um ein Unternehmen mit tiefem Burggraben und Langfristcharakter.

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Prof. Dr. Max Otte

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