Wie etliche Tech-Werte hat auch die Aktie von Bechtle in den Monaten spürbar korrigiert. Auf Sicht der letzten sechs Monate büßte das Unternehmen rund ein Viertel seiner Marktkapitalisierung ein. Für Investoren, die sich langfristig an dem führenden IT-Dienstleister der DACH-Region beteiligen wollen, eröffnet dies Chancen. Operativ könnte es Bechtle im Moment nicht besser gehen. Seinen Umsatz konnte das Unternehmen im vergangenen Jahr um über 5 % auf 5,31 Mrd. EUR steigern. Und die die Nachfragesituation ist mehr als intakt: Der Auftragsbestand liegt mit 1,8 Mrd. EUR auf einem historischen Höchststand (zum 31. Dezember 2021) und damit 80 % über dem Vorjahr.

Der IT-Spezialist Bechtle besetzt mit seiner Kombination aus Direktvertrieb von IT-Produkten mit umfassenden Systemhausdienstleistungen eine clevere Schnittstelle. Die digitale Transformation mit all ihren Hürden und Herausforderungen selbst in die Hand zu nehmen, fällt nämlich vielen Firmen schwer. Das Angebot an Hard- und Softwarestrukturen in Verbindung mit Cloud- oder Hybridlösungen ist gigantisch. Gerade für mittlere und kleinere Unternehmen, die keine IT-Abteilung „inhouse“ haben, ist dies eine große Aufgabe.

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Genau hier hat sich Bechtle als Dienstleister positioniert. Das in Neckarsulm 1983 gegründete Unternehmen bietet Firmen und öffentlichen Einrichtungen die gesamte Palette an IT-Infrastrukturdienstleistungen an, die im heutigen Arbeitsumfeld benötigt werden. Mit mehr als 80 IT-Systemhäusern in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Bechtle der größte Anbieter in der DACH-Region und zählt zu den führenden IT-Unternehmen in Europa. Mit seinen Handelsgesellschaften ist das Unternehmen außerdem auch im Bereich Hard- und Softwarehandel in 14 Ländern Europas präsent. Das Geschäft von Bechtle gliedert sich dabei in zwei Groß-Segmente: IT-Systemhaus & Managed Services und IT-E-Commerce.

Zwei Bereiche aus einer Hand

Das Leistungsangebot von Bechtle im Segment IT-Systemhaus & Managed Services umfasst die gesamte Wertschöpfungskette der IT (Digitalisierung, Cloud, IT-Security, Modern Workplace, IT-as-a-Service, etc.). Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil ist, dass Bechtle seinen über 70.000 Kunden auf diese Weise ein lückenloses und herstellerunabhängiges Angebot rund um IT-Infrastruktur und IT-Betrieb aus einer Hand bieten kann. Durch die individuelle Zusammenstellung eines Angebots – bestehend aus unterschiedlichen, miteinander verknüpften Dienstleistungen und frei wählbaren Servicelevels – ist Bechtle in der Lage, für jeden Kunden eine passgenaue Lösung zu erarbeiten.

Im Bereich IT-E-Commerce bietet Bechtle seinen Kunden mit rund 40.000 Produkten im Onlineshop – von Hardware über Standardsoftware bis zu Peripherieartikeln – ein vollumfängliches Angebot rund um IT-Infrastrukturen. Dabei geht persönliche Beratung Hand in Hand mit effizienten Prozessen und schlanken Abläufen der Bestellabwicklung. Als Schnittstelle zwischen Anbietern von IT-Lösungen und Firmen, die diese benötigen, schafft Bechtle auf diese Weise eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Für Hersteller wie Microsoft oder Cisco wäre es viel zu aufwendig, jedes Kleinunternehmen als Kunde direkt zu beraten und zu betreuen. Für die Kunden wiederum wäre es zu aufwendig, mit jedem Anbieter separat zu verhandeln.

Trend zum „Abo-Modell“

Getrieben durch die digitale Transformation befindet sich der Markt für IT-Lösungen und -Services in einem großen Wandel. Neben den klassischen Geschäftsfeldern gewinnen zunehmend verbrauchsgestützte und cloudbasierte Bezugsmodelle an Bedeutung. Die Möglichkeit, IT-Infrastruktur und Softwarelösungen als Service zu „mieten“, wird immer mehr wahrgenommen. Folgerichtig geht auch bei Bechtle die Reise mehr und mehr in diese Richtung.


Das ist auch für den Cashflow interessant, denn im Gegensatz zum klassischen Projektgeschäft bieten sogenannte Managed Services wiederkehrende Umsätze über die gesamte Vertragslaufzeit, die sich in der Regel auf vier bis sechs Jahre beläuft. Aufgrund der üblicherweise größeren Komplexität der angebotenen Leistungen sind in diesem Geschäftsfeld auch tendenziell etwas höhere Margen zu erzielen als im klassischen Projektgeschäft. Das zeigt sich auch in den aktuellen Unternehmensergebnissen.

Wachstumskurs ungebrochen

Die Mitte März veröffentlichten Zahlen für 2021 können sich sehen lassen: Bechtle hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 5,31 Mrd. EUR erzielt. Das sind 5,1 % mehr als im Vorjahr. Wem diese Umsatzentwicklung etwas „mau“ vorkommt, dafür gibt es eine Erklärung: Im Jahresabschluss 2021 wurde die Bilanzierungsmethode beim Handel mit Standardsoftwarelizenzen umgestellt. Danach wurden erhebliche Teile der auf diese Geschäfte entfallenden Umsätze nicht mehr komplett, sondern nur noch in Höhe der erzielten Bruttomarge ausgewiesen. Das eigentliche Geschäftsvolumen (dieses stieg um 7,3 % auf 6,25 Mrd. EUR), insbesondere aber der Gewinn des Unternehmens, blieb davon unberührt. Die ausgewiesene Marge stieg dadurch spürbar.

Das Vorsteuerergebnis wuchs um 18,4 % auf 320,5 Mio. EUR. Trotz erheblicher Lieferprobleme in der IT-Industrie konnte Bechtle seinen Erfolgskurs damit fortsetzen. Das Segment IT-Systemhaus erweist sich dabei weiterhin als das umsatz- und margenstärkste. Der Geschäftsbereich, der für 64 % der Konzernumsätze verantwortlich ist, generiert gleichzeitig auch zwei Drittel der operativen Gewinne (EBIT). Wachstumstreiber war aber vor allem das E-Commerce-Segment. Der Umsatz kletterte dort um 14,5 %, auf 1,9 Mrd. EUR. Das Wachstum verteilte sich auf alle 14 Ländermärkte von Bechtle mit besonders guten Ergebnissen in Deutschland, Frankreich und Osteuropa.

Zwölfte Dividendenerhöhung in Folge

Vor dem Hintergrund dieser starken Zahlen schlagen Vorstand und Aufsichtsrat eine Erhöhung der Dividende auf 0,55 EUR je Aktie vor. Dies wäre die zwölfte Erhöhung in Folge, entspräche einer Dividendensteigerung von 22,2 % gegenüber dem Vorjahreswert (0,45 EUR je Aktie) und wäre damit die zwölfte Erhöhung in Folge. Die Ausschüttungsquote liegt, gemessen am Konzernergebnis, bei knapp 30 %. Luft nach oben ist also auch in Sachen Dividende noch gegeben – ohne dass, dies den Wachstumskurs des Unternehmens bremsen würde.

Act local, think global

Der IT-Markt in Europa ist weiterhin stark fragmentiert, das Entfaltungspotenzial für Bechtle damit riesig. Der Fokus liegt also nach wie vor in erster Linie auf dem europäischen Markt. Dies ergibt auch absolut Sinn, da die Expansionsmöglichkeiten dort noch mehr als ausreichend sind. Dennoch hat Bechtle auch eine globale Wachstumsdimension in seine Unternehmensstrategie integriert.

Hierzu initiierte Bechtle bereits im Jahr 2013 die globale IT-Allianz GITA, um Kunden bei internationalen Projekten mit einheitlichen Qualitätsstandards zu unterstützen. Bechtle vertritt darin die Region Europa. Bisher gehörten dem Konsortium noch fünf weitere IT-Dienstleister aus den Regionen USA, Mexiko, Australien, China/Hongkong/Singapur sowie Lateinamerika an.

Mit dem kanadischen IT-Dienstleister Compugen, dem Microsoft-Spezialisten Inova Solutions in der Karibik sowie dem indischen Partner Dynacons wächst das von Bechtle mitgegründete internationale Partnernetzwerk nun um drei weitere erfahrene Mitglieder und baut so seine Marktpräsenz in Nord- und Mittelamerika sowie in Indien weiter aus.

Positiver Ausblick trotz Unsicherheiten

Die gesamtwirtschaftliche Lage war zu Jahresbeginn 2022 für Bechtle grundsätzlich positiv. Allerdings prägen zwei Unsicherheitsfaktoren die aktuelle Situation: der Krieg in der Ukraine mit ungewissen Folgen für die gesamte Weltwirtschaft und die globalen IT-Lieferschwierigkeiten, deren Fortdauer nach wie vor nicht verlässlich abschätzbar ist. Der grundsätzliche Trend und die Notwendigkeit, im Zuge der digitalen Transformation in IT zu investieren, halten jedoch unvermindert an.

Bechtle ist jedenfalls auf dem besten Weg, seine Langfristziele zu erreichen, die sich der Konzern alle zehn Jahre neu für die nächsten zwölf Jahre steckt. Die aktuelle „Vision 2030“, die 2018 aufgestellt wurde, sieht bis zum Jahr 2030 einen Jahresumsatz in Höhe von 10 Mrd. EUR vor. Mit Blick auf die jüngsten Zahlen halten wir das für absolut realistisch.

Mit einem Kurs von 43,92 EUR (Stand: 19.04.2022) ist die Aktie aktuell nicht unbedingt ein Schnäppchen. Dennoch zeigen die Unternehmensentwicklung und das Potenzial für die Zukunft von Bechtle, dass es sich lohnt, diese Firma auf dem Zettel zu haben. Qualität hat eben auch ihren Preis. Und wie schon zu Eingang erwähnt, notiert die Aktie derzeit immerhin rund 25 % günstiger als noch vor einem halben Jahr.

Wir berechnen den fairen Wert einer jeden Aktie nach unserer eigenen Methode und wir konzentrieren uns auf die langfristigen Perspektiven der Unternehmen. Auf diese Weise identifizieren wir nicht nur vielversprechende Unternehmen, sondern auch günstige Einstiegspunkte für Sie als Privatanleger.

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US-Milliardär Peter Thiel knöpft sich wegen Bitcoin die Titanen der Wall Street vor. Es fallen deutliche Worte.

Die Keynote-Rede des deutschstämmigen US-Investors, Milliardärs und PayPal-Mitbegründers Peter Thiel auf der „Bitcoin 2022“-Konferenz am Donnerstag (7.4.2022) in Miami – sie gilt als die größte ihrer Art in der Welt – schlägt nicht nur im Internet hohe Wellen. Sie sorgt für eine so lebhafte Diskussion in Finanzforen, wie wir sie schon lange nicht mehr gesehen haben. Thiel ist in der Branche bekannt für kontroverse Aussagen.

Der Partner des Risikokapital-Unternehmens „Founders Fund“ in San Francisco und Präsident des Hedgefonds „Clarium Capital“ machte in seinem viel beachteten Auftritt die Wall Street-Titanen Warren Buffett, Jamie Dimon und Larry Fink verantwortlich dafür, dass die Kryptowährung Bitcoin noch nicht die Schallmauer von 100.000 Dollar durchbrechen konnte. Diese „Finanz-Gerontokratie“ – eine Art Altherren-Club der Wall Street – habe sich gegen die Digital-Währung verschworen.

Buffett, der gerade wieder mit frühzeitigen und erfolgreichen Investments in Ölfirmen glänzt, wurde von Thiel sogar als „soziopathischer Opa“ niedergemacht. Buffett wiederum hatte vor einigen Jahren Bitcoin als „Rattengift“ tituliert.

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Allen drei, der Investoren-Legende Buffett, dem 66 Jahre alten CEO von JPMorgan Chase & Co, Jamie Dimon, wie auch dem 69jährigen Larry Fink, der BlackRock führt, warf Peter Thiel vor, mit ihren Investment-Vorlieben eine „Hassfabrik“ aufzubauen, die Bitcoin unterminiert.

Auch für die Notenbanker hatte Thiel deutliche Kritik parat, insbesondere für Fed-Chef Jerome Powell: „Herr Powell – und Leute wie er – sollten extrem dankbar für Bitcoin sein, weil es der letzte Warnschuss ist, den sie bekommen“, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg den Milliardär mit den deutlichen Worten. „Sie haben sich entschieden, den Warnschuss zu ignorieren und sie werden in den nächsten Jahren die Konsequenzen zu tragen haben.“

Vor allem auf Twitter schlugen am Donnerstag die Wogen hoch, denn hinter der Attacke von Thiel steckt mehr als nur eine Auseinandersetzung um das Preisschild von Bitcoin und anderen Kryptowährungen.

Es geht letztlich um das, was viele Bitcoin-Fans betonen: Dass sie sich mit digitalen Währungen von der Politik der Notenbanken unabhängig machen und einen Fluchtweg aus dem bisherigen Geldsystem sichern wollen, weil sie es für fragil halten und den Notenbanken keinen Ausweg aus der seit Jahren währenden, ultra-lockeren Geldpolitik zutrauen.

Entsprechend emotional fällt die Diskussion aus. Peter Thiel gehöre „mit seinem 54 Jahre alten Hintern selbst zur Gerontokratie“, bemerkt ein Teilnehmer auf Twitter. Die Finanz-Gerontokratie beherrsche das Land durch moralische Vorgaben, die sie mache und stelle sich damit gegen eine „revolutionäre Jugendbewegung“, kommentiert ein anderer Teilnehmer.

Die Jugend müsse nun die Welt übernehmen. Die Gerontokratie habe den „Krieg gegen Bitcoin“ erklärt, beschwert sich wieder ein anderer Diskussionsteilnehmer. Nicht wenige Kommentare stellen hier auf eine Art Generationenkonflikt ab.

Doch nicht alle Kommentare zu dem Thema sind derart ernst. Man solle Peter Thiel doch für eine Auszeichnung für die beste Krypto-Beleidigung gegen Banken vorschlagen, heißt es an einer Stelle.

Die emotional geführte Diskussion – die in manchen Teilen einem Streit um ein Finanz-Dogma ähnelt – macht deutlich, wie sehr das Vertrauen in die Fähigkeit der Notenbanken leidet, wenn es um eine verträgliche Lösung zwischen hoher Staatsverschuldung, möglicherweise hartnäckiger Inflation sowie der gleichzeitigen Vermeidung einer schweren Rezession geht. Hier hat mit der Zinswende ein Trapezakt begonnen, von dem viele denken, dass die Zentralbanken ihn kaum ohne gravierende Schleifspuren für die Wirtschaft bewältigen können. Nichtsdestotrotz sind wir uns sicher – und das hat auch die Vergangenheit mehrfach bewiesen – dass Sachwerte (wie Aktien oder Edelmetalle) auch schwierigste Phasen der Weltwirtschaft überdauern und als Vermögenssicherung dienen.

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Das Jahr begann für Apple mit einem Paukenschlag. Der Tech-Gigant aus Cupertino, Kalifornien, erreichte als erster Konzern der Welt eine Marktkapitalisierung von drei Billionen USD. Das ist höher als das Bruttoinlandsprodukt einiger G7-Nationen. Dabei zwang der Chipmangel in der Halbleiterindustrie Apple noch im letzten Jahr, die Produktion von iPhones und iPads zu drosseln. Im Oktober musste die Produktion sogar mehrere Tage ganz stillstehen. Das ausgerechnet in einer Zeit, in der Apple wegen des Weihnachtsgeschäfts normalerweise „hochfährt“.

Insgesamt hat die Knappheit von Halbleiterchips und Mikroprozessoren das ursprünglich angepeilte Produktionsziel für das iPhone 13 von 90 Millionen geplanten Geräten etwa um 10 Millionen Stück reduziert. In der Folge hatte die Aktie des iPhone-Herstellers im Dezember dann auch leicht korrigiert. Seit Jahresauftakt ging es wieder steil bergauf, auch einen erneuten Dip, kurz nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs, hat Apple längst wieder hinter sich gelassen. Bei seiner jüngsten Produktpräsentation stellte Apple vor allem Innovationen und Neuheiten in seiner Computer-Sparte vor. Der Konzern scheint sich auf seine Wurzeln und alten Tugenden zurückzubesinnen. Dies kommt an der Börse offensichtlich gut an.

Kleiner Computer, Riesenleistung

Am 8. März 2022 präsentierte der iPhone-Hersteller auf einer virtuellen Konferenz seine Produktneuheiten. Mit dabei ein neuer Desktop-Computer namens „Mac Studio“. Damit könnte Apple eine neue Ära für stationäre Rechner einleiten. Sperrige Tower, die viel Platz unter oder neben dem Schreibtisch wegnehmen, gehören der neuen Produktlinie zufolge der Vergangenheit an.

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Der Mac Studio ist so kompakt, dass er, wie schon der Mac Mini, problemlos auf dem Schreibtisch Platz hat. Dabei hat „der Kleine“ es in sich. Sowohl die CPU- als auch die GPU-Leistung sind deutlich höher als beim Mac Pro, dem bisher leistungsstärksten Rechner von Apple. Der im Mac Studio verbaute neue „Super-Prozessor“ kommt aus eigener Produktion. Es ist die vierte Chip- beziehungsweise Prozessor-Generation, die Apple selbst entwickelt hat.

Apple mischt die Chip-Branche auf

Der Konzern nennt den neuen, hauseigenen Chip für den Mac StudioM1 Ultra“. Es soll der leistungsstärkste Chip auf dem Markt sein und sämtliche 16-Kern-Prozessoren von Intel & Co. in den Schatten stellen. Für den M1 Ultra werden zwei kleinere M1-Max-Chips mit einer ebenfalls bei Apple entwickelten Verbindungstechnologie zusammengeschaltet.

Letzteres ist ein klarer Schlag gegen den Chip-Primus Intel. Dieser ist nämlich besonders stolz auf seine sogenannten „Packaging-Techniken“, mit denen Teile von Prozessoren verbunden werden. Apple stellt seine Mac-Computer gerade von Intel-Prozessoren auf Chips aus eigener Entwicklung um. Damit kann der Konzern von einer gemeinsamen technischen Basis bei seinen Geräten von iPhone über iPad bis hin zum Mac profitieren.

Wenn der M1 Max und der M1 Ultra tatsächlich so leistungsstark sind, wie der Konzern es gerade verspricht, führt er damit nicht nur die alten Hasen der Halbleiterbranche vor. Auch PC-Hersteller wie HP, Lenovo oder Microsoft tun gut daran, ihren Wettbewerber aufmerksam zu beäugen. Jedenfalls scheint Apple an seinem Ursprungsgeschäft, mit dem einst in einer Garage im kalifornischen Los Altos alles begann, wieder richtig Gefallen zu finden. Und die nächste Innovation für diesen Markt kündigt sich bereits an.

Nach „klein“ kommt „weg“

So klein der neue Mac Studio auch bereits ist, eine neue Patentanmeldung deutet darauf hin, dass Apple an einem Rechner tüftelt, der gar keinen Platz mehr auf dem Schreibtisch einnimmt. Den eingereichten Plänen zufolge soll der Rechner vollständig in der Tastatur verbaut sein. Der Tastatur-Mac“ besitzt scheinbar nur einen einzelnen Anschluss, der an den Monitor gesteckt wird. Darüber soll nicht nur die Bildwiedergabe, sondern auch die Stromzufuhr und sämtliche Eingaben der Tastatur laufen.


Das Kabel wird per USB-C mit dem Display verbunden, an dem sich dann wiederum weitere Ports für Zubehör und Eingabegeräte befinden könnten. Ob Apple tatsächlich ein derartiges Produkt auf den Markt bringen wird, steht derzeit noch nicht fest. Das Patent beschreibt lediglich ein Konzept, aber es zeigt, dass Apple sich auf den Innovationen von heute keinesfalls ausruhen will und kontinuierlich weiterdenkt.

Starke Umsätze auf breiter Basis

Trotz der zeitweisen Einschränkung durch die eingangs erwähnten Lieferengpässe stellte der Konzern im Schlussquartal 2021 (für Apple das erste Quartal im neuen Geschäftsjahr 2021/22) neue Rekordergebnisse auf. Erstmals überstieg der Umsatz in einem Quartal die Marke von 100 Mrd. USD.

Mit Ausnahme der iPad-Sparte, die leicht (von 8 % auf 6 %) zurückging, erzielten alle Bereiche neue Höchstumsätze. Am stärksten stiegen die Bruttoerlöse bei Services (+24 %) und Macs (+25 %). Operativer Gewinn, Cashflow und Nettoergebnis schnellten ebenfalls um über 20 % nach oben.

Wer einst dachte, stationäre PCs würden wegen Touchpads und immer leichteren Laptops bald von der Bildfläche verschwinden, den belehrt Apple gerade eines Besseren. Die Mac-Sparte entwickelte sich im letzten Quartal mit am stärksten und ist erstmals seit langem an der iPad-Sparte vorbeigezogen.

Starker Zuwachs in China

Nicht nur im Produktportfolio, auch in der Umsatzentwicklung in den einzelnen Märkten ist Bewegung. Über 40 % der Erlöse generiert Apple weiterhin auf seinem Heimatmarkt, Europa bleibt mit 24 % Umsatzanteil vorerst der zweitgrößte Markt. Bei dem Wachstumstempo, das Apple gerade in China an den Tag legt, könnte sich dies jedoch bald ändern.

Während Apple den Umsatz in Europa um 9 % und in der Region Amerika um 11 % steigern konnte, wuchs das Geschäft in der Volksrepublik im ersten Quartal 2021/2022 um 21 %. Dieser Markt wird für Apple immer wichtiger. Vor einem Jahr lag der Umsatzanteil in China bei 19 %, jetzt sind es bereits 21 %. 

Unaufgeregte Zuversicht für die Zukunft

Beim Ausblick auf das Gesamtjahr hält sich die Führungsriege um Apple-CEO Tim Cook aktuell noch mit konkreten Wachstumszielen zurück. Die noch nicht überwundenen Lieferengpässe, der fortbestehende Chipmangel sowie die global steigenden Rohstoffpreise erzeugen eine kaum seriös prognostizierbare Marktsituation. Dennoch: mit einem „soliden Wachstum“ rechnet sowohl das Konzernmanagement als auch wir.

Apple zeigt immer wieder, dass dem Unternehmen die Ideen nicht ausgehen. Mit seinem neuen, leistungsstarken Prozessor fordert der Konzern nun den Chip-Riesen Intel heraus, mit seiner neuen, kompakten Desktop-Lösung Mac Studio tritt Apple gegen die etablierten Desktop-PC-Hersteller an. Wir sind gespannt, wie sich diese „Rennen“ an der Börse entwickeln werden. Wachstumspotenzial ist jedenfalls vorhanden.

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Alternativlos“ ist ein Modewort und manche Zeitgenossen bemühen das Adjektiv nicht immer an den wirklich passenden Stellen. Dagegen gibt es einen kausalen Zusammenhang, zu dem der Begriff zwangsläufig gehört: nämlich zu Aktieninvestments. Selbst jetzt, da die Zinswende Gestalt annimmt und womöglich bald wieder mehr oder weniger erkleckliche Anleiherenditen winken.

Erstmals seit 2018 hat die US-Notenbank Fed diesen März ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,25 bis 0,5 % angehoben. Angesichts der derzeit stark steigenden Inflation (in den USA liegt diese schon bei 7,9 %, in Deutschland bei 7,3 %) wird es dabei nicht bleiben. Fed-Chef Jerome Powell kündigte letzten Monat bereits an, dass in diesem Jahr noch mehrere weitere Zinsschritte folgen sollen.

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http://leitzinsen.info/

Renaissance der Anleihen?

Wie die Entwicklung der großen Indizes zeigte, hat die erste, kleinere Leitzinserhöhung an den Aktienmärkten eine Signalwirkung. Der Dow Jones verlor zwischen Mitte Februar und Mitte März 2022 etwa 6 %, der NASDAQ sogar rund 13 % und auch der DAX sank im gleichen Zeitraum um ca. 10 %.

Kommt es aufgrund steigender Zinsen nun zu einer Renaissance der Anleiheinvestments? Eher nicht, jedenfalls nicht auf absehbare Zeit. Bei dem jetzigen Zinsniveau sind Anleihen noch weit davon entfernt, attraktiv zu sein. Vor dem Hintergrund der aktuellen Inflationsraten bietet die Anlageform Anleiheinvestments weiterhin nur eines: die Vernichtung von Vermögen.

Die Krux liegt zudem im Prozess der Leitzinserhöhungen. Die US-Leitzinsen werden scheibchenweise angehoben. Und das bedeutet auch, dass die Emittenten von Staats- und Unternehmensanleihen immer wieder neue, höher verzinste Wertpapiere ausgeben werden.

Dadurch werden Investoren immer wieder gezwungen sein, „alte“ (schlechter verzinste und daher im Kurs gefallene) Papiere auszutauschen. Dabei müssen – egal, ob Institutionelle oder Privatinvestoren – gewisse Verluste in Kauf nehmen. Dadurch können sich Anleger weder bei Einzelanleihen noch bei Anleihefonds an der zu dem entsprechenden Zeitpunkt üblichen Umlaufrendite orientieren, sondern sollten eher mit 1, 2 oder gar 3 % weniger Ertrag rechnen. Somit bedeuten steigende Anleihezinsen nicht automatisch auch steigende Zinserträge für Investoren.

Zinserhöhung in kritischen Zeiten

Die Fed startet in eine riskante Mission. Einerseits zwingt die steigende Inflation die Notenbank zum Handeln, andererseits hat sich das Umfeld für Zinsschritte zuletzt stark eingetrübt. Die Fed geht für dieses Jahr nun nur noch von einem Wirtschaftswachstum in den USA von 2,8 % aus. Dies ist eine deutliche Anpassung. Im Dezember 2021 lautete die Prognose für das BIP-Wachstum 2022 noch auf 4,0 %.


Das Wachstum hat sich weltweit verlangsamt. Das Institut für Weltwirtschaft hat seine Wachstumsprognose für Deutschland, den Euroraum und die globale Wirtschaft am 17. März ebenfalls deutlich gesenkt. Die BIP-Prognose für Deutschland für das laufende Jahr wurde sogar fast halbiert. Chinas Nationaler Volkskongress hat vor zwei Wochen die niedrigste Wachstumsprognose seit Jahrzehnten gestellt.

Mit ihrer Zinsstrategie bewegt sich die Fed damit auf dünnem Eis. Mit anderen Worten: Sie muss äußerst behutsam vorgehen. Das gleiche gilt für die Notenbanken anderer Länder. Damit wird es auch noch sehr lange dauern, bis die Verzinsung von Anleihen annährend an die Renditen, die Aktien bieten können, herankommt.

Alleine schon die Dividendenrenditen sind bei vielen Aktien deutlich höher. Etwa erwirtschafteten Investoren bei der Chevron-Aktie im Jahr 2021 eine Dividendenrendite von rund 4,5 %. Auch andere Ölkonzerne oder auch Konsumgüterunternehmen bieten aktuelle Dividendenrenditen zwischen 3,5 und 5 %.

Hinzu kommt: Anleihen sind Geldvermögen. Die Geldentwertungseffekte der Inflation treffen Anleihen damit ungebremst. Aktien sind hingegen Sachvermögen und bieten schon deshalb einen gewissen Inflationsschutz. Bei Anleihen sind Sie Gläubiger. Sie haben dem Emittenten Geld geliehen, bekommen dafür während der Laufzeit der Anleihe Zinsen und bei Laufzeitende (hoffentlich) ihren ursprünglichen Einsatz zurück. Ist Geld dann wertlos, ist auch Ihr Investment „futsch“. Bei Aktien sind Sie hingegen Mitinhaber eines Unternehmens – wenn auch nur zu einem Bruchteil. Solange das Unternehmen existiert mit seinen Fabriken, Maschinen etc. und seinem Geschäft nachgeht, wird Ihr Investment immer einen Wert haben.

Aktien noch längst nicht passé

Aktien bleiben im aktuellen Marktumfeld weiterhin die beste Form der Kapitalanlage. In einem inflationären Umfeld schlägt Sachwert immer Geldwert. Haben die Unternehmen zudem Marktmacht, können sie steigende Preise auf der Einkaufsseite bis zu einem gewissen Grad an ihre Kunden weitergeben – indem sie die Verkaufspreise anheben. Dies erleben wir gerade an allen Ecken. Lebensmittel, Energiepreise, Rohstoffe – alles wird teurer.

Mineralölkonzerne gelingt die Preisanpassung besonders gut – vor allem an ihren Tankstellennetzwerken. Vor diesem Hintergrund erscheinen Aktien von Erdöl- und Erdgasförderern im Moment aussichtsreich. Dieser Ansicht ist auch Starinvestor Warren Buffett, wie seine jüngsten Investmentaktivitäten zeigen. Wie das „Orakel von Omaha“ gerade sein Portfolio umbaut, haben wir uns vor kurzem bereits angeschaut.

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In Zeiten wie diesen erreichen uns immer wieder Fragen nach krisenfesten und konjunkturunabhängigen Anlagemöglichkeiten. Vor allem, wenn Welt, Wirtschaft und Börsen in Ausnahmezuständen sind, ist die Suche nach sicheren Investitionszielen besonders im Fokus. Dabei geht es dann meistens nicht mehr um die großen Gewinnmöglichkeiten, sondern vielmehr um Stabilität. Die eine garantierte Lösung gibt es dafür natürlich nicht, aber es gibt Branchen und Bereiche, die weniger anfällig für Irritationen jeglicher Art sind als andere. Eine davon ist tatsächlich die Tabakbranche.

Dies liegt an der kontinuierlich stabilen Absatzrate der Produkte. Diese verkaufen sich völlig unabhängig von der aktuellen Konjunkturlage. In der Folge ist das Geschäft der Tabakkonzerne kaum Schwankungen ausgesetzt. Wer regelmäßig Nikotin beziehungsweise Tabak konsumiert, hört in der Regel nicht einfach so damit auf. Die Tabakindustrie wird deshalb oft kritisiert und ist umstritten, doch für das Geschäftsmodell kommt dies einer Absatzgarantie gleich. Durch neue Antiraucher-Kampagnen und den Bemühungen einiger Regierungen, das Rauchen gleich ganz aus der Gesellschaft zu verbannen (Beispiel Neuseeland), bekommen die Tabakkonzerne neuen Gegenwind. Doch mit neuen rauchfreien Produkten haben diese längst eine Antwort darauf.

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Die Raucherzahlen sinken kontinuierlich

Das klassische Produkt der Tabakindustrie – die Zigarette – könnte bald Geschichte sein. Die Zahl der Raucher und damit auch der weltweite Zigarettenkonsum sinkt seit langem. Einer Studie des medizinischen Fachmagazins „The Lancet“ aus dem Jahr 2017 zufolge ging der Raucheranteil an der Weltbevölkerung zwischen 1990 und 2015 um fast ein Drittel zurück.

In Deutschland wurden 2016 mit 75 Milliarden Zigaretten nur noch halb so viele verkauft wie im Jahr 2000. Im Schnitt kann man in Deutschland derzeit von einem Rückgang des Zigarettenverkaufs von 1 bis 2 % je Jahr ausgehen. Zum einen können die Tabakkonzerne dies durch regelmäßige Preissteigerungen gut wett machen. (Wie die nachfolgende Grafik zeigt, steigen die Umsätze der Tabakkonzerne weiterhin Jahr für Jahr.)

Zum anderen haben sie mit E-Zigaretten, Verdampfersystemen und Co. längst „Zigarettenersatzprodukte“ auf den Markt gebracht. Und kontinuierlich entwickelt die Tabakindustrie neue rauchfreie Alternativen für den Tabak- und Nikotinkonsum.

Tabakindustrie weltweit im Wandel

Ob Altria, British American Tobacco, Philip Morris International oder Swedish Match – alle großen Tabakkonzerne bauen ihr Angebot rauchfreier Produkte aus. Ein Unternehmen, das dabei schon recht weit ist, ist Philip Morris International. Mit seinem Verdampfersystem namens IQOS startet der Konzern in Europa seit Jahren durch. Im Jahr 2021 machte der Tabakkonzern rund 9,1 Mrd. USD Umsatz mit den Alternativprodukten zur herkömmlichen Zigarette. Insgesamt hat der Anteil der rauchfreien Produkte am Gesamtumsatz von Philip Morris International im vierten Quartal 2021 die Marke von 30 % überschritten.

Mittlerweile ist der Konzern selbst proaktiv dabei, den eigenen Kunden das Rauchen abzubringen. Natürlich mit dem Ziel, diese auf ein neues, rauchfreies Produkt der eigenen Angebots umzustellen. Bis 2025 sollen es 40 Millionen Kunden sein, die diesen Wechsel vollzogen haben. Laut Schätzungen des Unternehmens nutzen weltweit bereits 15 Millionen Menschen die Erhitzer. Zwei Drittel von ihnen sollen nach Unternehmensangaben Umsteiger sein.

Swedish Match setzt seit Jahren sogar (fast) ausschließlich auf eine rauchfreie Strategie. Diesen Weg hat auch Philip Morris International für sich vor Augen. In Großbritannien will das Unternehmen ab 2030 keine Marlboro-Zigaretten mehr verkaufen. Mit dem Marlboro-Ende bewegt sich Philip Morris International in Einklang mit dem Wunsch der britischen Regierung.

Das Land selbst will in acht Jahren eine rauchfreie Gesellschaft. Andere Regierungen vollziehen den Wandel noch viel schneller. Neuseeland will bereits bis 2025 rauchfrei sein. Dies mit rigorosen Maßnahmen. Seit diesem Jahr gilt dort ein striktes Verkaufsverbot von Zigaretten an Personen ab Jahrgang 2005. Die heutige Jugend Neuseelands wird damit bereits rauchfrei aufwachsen. Auch in anderen Ländern zeichnen sich ähnliche Tendenzen ab. Früher oder später kann dies auch die USA erreichen. Auf diesen Umbruch in der Tabakindustrie muss deshalb auch Altria reagieren. Das erfolgreiche Verdampfersystem IQOS war diesbezüglich ein großer Hoffnungsträger.

IQOS – noch ist nicht aller Tage Abend

In Europa ist IQOS ein riesiger Erfolg. Philip Morris International, der Erfinder dieses Verdampfersystems, schafft es damit nicht nur, sich allmählich vom klassischen Zigarettengeschäft zu lösen, sondern kann dadurch gleichzeitig auch noch seine Margen steigern. Genau dies hatte Altria in den USA vor. In der ersten Jahreshälfte 2021 eröffnete der Konzern deshalb auch neue IQOS-Stores. Doch nun ist dieses Geschäft ausgebremst. Zu verdanken hat Altria dies seinem Konkurrenten British American Tobacco. Der Wettbewerber klagte gegen den Import und bekam prompt Recht.

In Europa versuchte British American Tobacco die gleiche Masche. Dort blitzte der Konzern aber bei sämtlichen Gerichten ab. Dass es in den USA anders ausging, ist eigentlich verblüffend, aber wir müssen dies akzeptieren. Für Altria ist es im Grunde gut, dass dies in einer Phase geschah, in der das Geschäft noch am Anfang stand. Der Umsatzanteil war noch sehr klein, sodass es dadurch nicht zu einem schmerzlichen Einbruch kam. Jedoch ist die Wachstumschance erst einmal passé.

Es gibt einen Ausweg, wie Altria mit IQOS doch noch am US-Markt durchstarten könnte: mit dem Aufbau einer eigenen Produktion auf US-amerikanischem Boden. Schließlich gilt das Verbot nicht für den Verkauf – nur für die Einfuhr. Eine solche Entscheidung kann aber erstens nicht über Nacht getroffen werden und zweitens braucht die Errichtung einer Fabrik Zeit. Einen Trumpf für die Vermarktung hat Altria bereits in der Hand: ein Siegel der US-Gesundheitsbehörde. Die FDA stuft IQOS seit Mitte 2020 als „weniger gesundheitsschädlich“ ein als klassische Zigaretten. Derweil baut Altria auch zumindest eigene rauchfreie Produkte auf. Wir verfolgen mit Spannung, wie sich dies entwickelt.

Next Level: rauchfrei ohne Tabak

Neben Verdampfer- und Erhitzersystemen gibt es noch weitere rauchfreie Alternativen, beispielsweise Kautabakvarianten wie die von Swedish Match. Gerade in den USA, wo Kautabak schon seit jeher beliebt ist, bieten sich dem Unternehmen interessante Wachstumschancen – auch komplett ohne den Einsatz von Tabak. Während in Europa Snus (teebeutelähnliche Täschchen, welche mit Tabak gefüllt sind und durch das Einlegen in den Mund sowie leichtes Kauen langsam konsumiert werden) das Hauptprodukt ist, finden vor allem in den USA die neuartigen „Nikotin-Pouches“ großen Anklang. Diese sind deshalb besonders, weil sie gar keinen Tabak mehr enthalten.

In Europa ist nun Philip Morris International ebenfalls mit Nikotin-Pouches auf dem Vormarsch. In Norwegen, Schweden, Dänemark und Island sind die Nikotinbeutelchen der Marke Shiro bereits erhältlich. Nun will Philip Morris International sein neuestes Alternativprodukt zu Zigaretten auf dem europäischen Markt noch weiter ausbreiten. Gerade führt der Tabakkonzern Shiro in Österreich ein. Es wird sicherlich nicht mehr lange dauern, bis die Nikotin-Pouches auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern erhältlich sein werden.

Damit tritt der Konzern auch wieder stärker mit Swedish Match in Wettbewerb. Das Tabakunternehmen aus Stockholm ist schon länger in Europa mit solchen Nikotinbeuteln auf dem Markt und weitet dieses Geschäft gerade in Übersee aus. Die Pouches von Swedish Match wurden als erste tabakfreie Nikotinprodukte von der FDA zugelassen. Noch dazu erhielten die Produkte die Einstufung als „weniger gesundheitsschädlich“. Dies kann Swedish Match seitdem geschickt in seine Werbung verpacken. Im Segment Pouches verfügt Swedish Match in den USA über einen Marktanteil von 75 %. Dies könnte auch für Altria eine neue Option sein, entweder, wenn der Konzern eigene Pouches entwickelt oder wie schon bei IQOS eine Lizenzvereinbarung mit seinem Schwesterkonzern Philip Morris International schließt.


Evolution mit Erfolg

Verdampfer, Nikotin-Pouches mit oder ohne Tabak sowie der nicht zu unterschätzende verbleibende Restmarkt für die klassische Zigarette – Markt und Unternehmensergebnisse sind branchenweit intakt: Bei Swedish Match kletterte der Umsatz im Geschäftsjahr 2021 um 11 % auf 18,4 Mrd. SEK (ca. 1,7 Mrd. EUR).

Auch bei Philip Morris International läuft es gut: Der Nettoumsatz legte in 2021 um rund 10 % auf 31,4 Mrd. USD zu. Altria hat in 2021 mit einem Jahresumsatz von 21,1 Mrd. USD einen neuen Rekord aufgestellt. Und auch die Anleger dürfen sich freuen, denn Altria ist für seine jährlichen Dividendensteigerungen – in den letzten 52 Jahren 56-mal – bekannt.

Marktanpassung bei großer Kontinuität

Die Tabakindustrie ist inmitten des wohl größten Transformationsprozesses seit Beginn ihrer Existenz. Dabei ersetzen die neuen rauch- und teilweise sogar tabaklosen Produkte mehr und mehr das klassische Zigarettengeschäft. Allerdings nicht ruckartig mit einem großen Knall, sondern langsam und kontinuierlich. Immer noch werden satte Gewinne mit dem Verkauf von Zigaretten erwirtschaftet. Zeitgleich wird branchenweit ein neuer Markt für alternative Tabak- beziehungsweise Nikotinprodukte aufgebaut.

Das Geschäftsmodell der Branchenakteure bleibt somit stabil und zukunftsfähig – trotz so maßgeblicher weltweiter Umwälzungen wie dem Ende der Raucherära. Auch von dem Ukraine-Krieg dürfte das Geschäft relativ unbeeinflusst sein. Aus Anlegersicht sind nicht zuletzt auch die Dividendenzahlungen der Tabakkonzerne interessant. Altria bietet aktuell eine Dividendenrendite von fast 7 % auf den aktuellen Kurs. Bei Philip Morris International sind es 5,3 % und bei Swedish Match 2,5 %.

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So profitieren Sie vom Kurswechsel der Notenbanken

Es ist passiert. Die US-Notenbank (Fed) hat zum ersten Mal seit über drei Jahren wieder den Leitzins angehoben. Der Offenmarktausschuss der Fed entschied am 16. März 2022, den Zielbereich für den Zins am Interbankenmarkt um 25 Basispunkte auf 0,25 bis 0,5 Prozent anzuheben. An den Kapitalmärkten werden im laufenden Jahr bis zu sieben Zinsschritte mit jeweils einem Viertelprozentpunkt erwartet.

Doch das Umfeld für so viele Zinsschritte hat sich zuletzt eingetrübt.

Das Institut für Weltwirtschaft hat am 17. März seine Wachstumsprognose für das deutsche BIP im laufenden Jahr auf 2,1 % fast halbiert. Chinas Nationaler Volkskongress hat vor einer Woche die niedrigste Wachstumsprognose seit Jahrzehnten gestellt.

Und die Fed hat die Wachstumsvorhersage für 2022 bei der Verkündung ihrer Zinswende deutlich von 4,2 % auf 2,8 % gestutzt.

Ganz klar: Die Weltkonjunktur ist angeschlagen. Die Fed geht bei ihrer geldpolitischen Kehrtwende sprichwörtlich auf Eierschalen und muss enorm vorsichtig sein.

Noch nie waren die Rahmenbedingungen eine solche Herausforderung:

  • Die Inflation in Nordamerika und Westeuropa hat den höchsten Stand seit vier Jahrzehnten erreicht
  • Der Krieg in der Ukraine schüttelt die Aktienkurse durch, Angst vor einem möglichen Atomkrieg geht um
  • Unterbrochene globale Lieferketten und Sanktionen gegen Russland verschärfen den politisch brisanten und für die Sparer zerstörerischen Preisauftrieb

Das ist der Druck, der auf den Zentralbanken für einen Kurswechsel lastet. Doch können sie wirklich die geldpolitischen Zügel so straffen, wie es die Lage erfordert? Die Antwort lautet NEIN.

Denn die Staatsschulden haben überall astronomische Höchststände erreicht. In den USA sind es 30 Billionen Dollar, eine fast unvorstellbare Zahl. Jeder Anstieg um nur einen Prozentpunkt erhöht die Zinslast des Landes um 300 Milliarden Dollar.

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Zwischen dem Kampf gegen die Inflation und dem Risiko, eine schwere Rezession auszulösen, müssen die Notenbanken also eine delikate Gratwanderung machen.

So schwierig war die Geldpolitik noch nie! Ein Fehltritt könnte die Kapitalmärkte aus der Fassung bringen. Denn das Umfeld ist äußerst fragil. Die Weltwirtschaft verliert Schub, und das in Corona- und Kriegszeiten!

Dreht die Fed zu aggressiv an der Zinsschraube und wirft ihren Anleihebestand zu schnell zurück auf den Markt, kann ihr – und damit uns allen – dieses Pulverfass um die Ohren fliegen. Das wissen die Notenbanker natürlich auch selbst!

Und sie spüren die Politik im Nacken: In den USA finden im Herbst Zwischenwahlen zum Kongress statt. Die Regierung Biden will nicht, dass die Fed es übertreibt und die US-Konjunktur abwürgt. Das Letzte, was Joe Biden bei seinen miserablen Umfragewerten braucht, ist, dass dem Inflationsschock auch noch Einkommensverluste der Wähler im Zuge einer Rezession folgen.

US-Notenbankchef Jerome Powell hat persönlich zu Protokoll gegeben, dass die Fed keine Eile hat. Sie fahre nicht auf „Autopilot.“ So klingt niemand, der es furchtbar eilig hat.

Die Aussicht auf eine eher gemächliche Zinskehrtwende wird auch dadurch untermauert, dass die Zinsen an den Märkten längst wieder steigen. Die Märkte haben die Wende vorweggenommen. Die Fed läuft also dem Markt hinterher. Das hat ihr auch viel Kritik eingetragen!

Sowohl die 10-jährige Bundesanleihe als auch die Zinskurve der 10-jährigen US-Staatsanleihe zeigen deutlich, dass die Wende schon vor mehr als einem Jahr eingesetzt hat.

Sollten die Sanktionen gegen Russland und die gestörten Lieferketten mehr Bremsspuren in der Weltkonjunktur hinterlassen, als derzeit erwartet – und dabei erste Kredit- oder Liquiditätsprobleme an den Finanzmärkten auslösen – könnte es schnell zu einer Kehrtwende von der Kehrtwende kommen. Die Fed würde dann wieder stützend eingreifen.

Diese Sondersituation ist auch für unsere Fonds herausfordernd. Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir von steigenden Zinsen profitieren können.

Grundsätzlich sind es ein paar wichtige Punkte, die wir für Sie in der folgenden GRAFIK aufgelistet haben.

Mehr dazu in unserem Spezialreport Zinswende

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Die Preisspirale dreht sich. In den USA liegt die Inflation mittlerweile bei 7,9 %, in Deutschland bei 7,3 %. 5 %– das war die durchschnittliche Inflationsrate der von Stagflation geplagten 70er Jahre. Nur dreimal wurde diese Zahl in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland übertroffen oder erreicht: 1973, während des ersten Ölpreisschocks. Die Inflation stieg damals kurzzeitig auf 7 %. Dann 1979, während des zweiten Ölpreisschocks (Inflation bei 6 %) und noch einmal nach der Wiedervereinigung. Damals stand die Inflation ebenfalls kurz bei 5 %.

Diesmal ist Inflation keine Kurzgeschichte. Wir sind in eine längere Periode massiver Inflation eingetaucht. Was Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vor wenigen Monaten noch „Panikmache“ nannte, und EZB-Direktorin Isabel Schnabel herunterspielte, ist Realität geworden.

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Wie werden unsere Regierungen mit dieser Entwicklung umgehen? Die amerikanische Fed hat einen zaghaften Zinsschritt eingeleitet. Da die Amerikaner und Briten – anders als die Kontinentaleuropäer – die Bilanzen der Geschäftsbanken weitgehend saniert haben und in Kriegs- und Krisenzeiten Kapital in die USA als sicheren Hafen fließt, kann man sich das bis zu einem gewissen Grad leisten.

Ich teile die Ansicht von Hans-Werner Sinn: Inflation ist immer auch ein soziales Problem. Die Mittelschicht wird um ihre Ersparnisse gebracht, die oft in Form von Geldvermögen und Pensionsansprüchen vorliegen, die einkommensschwächeren Schichten müssen den Gürtel enger schnallen, denn sie geben einen großen Teil ihres Einkommens für den Grundbedarf aus.

In etlichen Ländern ist das erkannt worden: Polen hat zum Beispiel schon vor einiger Zeit mit einer massiven Senkung der direkten Steuern auf Verbrauchsgüter reagiert. Deutschland laboriert mit einer halbgaren und komplexen Lösung bei Rabatten auf Benzin und Diesel herum.

Die Frage geht aber weiter: Wie gehen die Staaten mit den Schulden um?

Die Société Générale sieht dafür vier Möglichkeiten:

  1. Inflation.
  2. Schuldenschnitt, Insolvenz, Währungsreform.
  3. Wachstum, Innovation, Reform.
  4. Sparen, Steuererhöhungen.

Eine Möglichkeit ist Inflation. Die haben wir jetzt. Sicher werden wir auch den Gürtel enger schnallen müssen (Sparen, Steuererhöhungen). Steuererhöhungen sind dabei auch ein erzwungener Vermögenstransfer. Zudem wird es in irgendeiner Form Schuldenschnitte, Insolvenzen und Währungsreformen oder Manipulationen geben müssen. Auch der von Daniel Stelter vorgeschlagene Schuldentilgungsfonds gehört dazu: Man packt einfach Staatsschulden in Höhe von zum Beispiel 60 % des BIP in einen Fonds und stellt diesen für 20, 30 oder mehr Jahre tilgungsfrei. Auch das ist ein Vermögenstransfer zu Lasten der Gläubiger und zu Gunsten der Schuldner.

Fakt ist, dass wir im Zuge der Kriegsstimmung weitere Ausgabenerhöhungen bekommen werden. Ob diese in Form einer Erhöhung des Verteidigungsetats oder des „Green New Deals“ sinnvoll sind, lasse ich dahingestellt. Fakt ist auch, dass wir Steuererhöhungen bekommen werden und dass wir weiter in die Kriegs- und Zwangswirtschaft hineinrutschen. Auch Schuldenschnitte und währungsreformähnliche Aktionen sind denkbar. Ein Hinweis darauf ist für mich, dass man nun auch in Europa die privaten Kryptowährungen angeht (wie in China) und sie durch staatliche Kryptos zu ersetzen versucht. Zwar scheiterte das Verbot der Kryptowährungen Anfang März am Europäischen Parlament, aber das Thema ist auf der Tagesordnung.

Aktien werden damit immer unabdingbarer. Egal, wie es kommen wird: Mit den richtigen Aktien stehen Sie auf der richtigen Seite.

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Warren Buffett ist bei seinen Investments nicht gerade für spontane oder vorschnelle Entscheidungen bekannt. Manche Investoren betrachten ihn sogar eher als Zauderer. Anders ist die häufig geäußerte Kritik an den immensen Barbeständen (mehr als 145 Mrd. USD) von Berkshire Hathaway nicht zu erklären. Doch nun ist Bewegung in Buffetts Geldspeicher gekommen, wie immer: etwas anders als erwartet.

Auch im zurückliegenden Jahr hat die Aktie der Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway hervorragend performt. Daran konnten auch die Folgen der Pandemie, das Ende der ultralockeren Geldpolitik sowie Putins militärischer Übergriff auf die Ukraine nichts ändern. Warren Buffetts Investmentstrategie hat sich mit einem Anstieg von mehr als 45 % der Berkshire Hathaway-Aktie B auf Sicht von zwölf Monaten als überragend erwiesen.

Und er bewegt sich doch

Das „Orakel von Omaha“ gibt alle drei Monate Einblicke in das Portfolio seiner Holding Berkshire Hathaway. Wie alle anderen großen institutionellen Investoren ist diese verpflichtet, der US-Börsenaufsicht (SEC) am Ende eines jeden Quartals über sämtliche Beteiligungen Informationen abzustatten. Am 31.12. des vergangenen Jahres war es wieder einmal soweit und der Bericht ist nun öffentlich verfügbar.

Erdöl-Investments stehen im Vordergrund

Im vierten Quartal 2021 hat der Star-Investor seine Investitionen im Hinblick auf steigende Erdöl-Preise ausgeweitet. Wie aus Pflichtangaben an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, hat Buffett im entsprechenden Zeitraum seinen Anteil am Energiekonzern Chevron um über 30 % erhöht. Der Öl-Multi ist damit die neuntgrößte Position von Berkshire Hathaway.

Wie zahlreiche andere Investments von Warren Buffet gilt Chevron als klassische Dividenden-Aktie. Der Konzernzahlt derzeit eine Dividende von 4,2 %. Dies war aber nicht der einzige Grund für Buffett, einzusteigen. Buffett schnappte sich eine erste Position in Chevron bereits im dritten Quartal 2020. Er war davon überzeugt, dass sich die internationale Wirtschaft nach der Corona-Krise wieder relativ schnell erholt. Und damit lag Buffett zumindest im Jahr 2021 schon mal nicht daneben. Der Chevron-Kurs kletterte im vergangenen Jahr um 39 % und performte seit Jahresanfang 2022 bereits um mehr als 45 %. Infolge der Ukraine-Krise stieg der Preis für Erdöl zuletzt deutlich.

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Wie eben bekannt wurde, hat Buffet darüber hinaus vor wenigen Tagen seinen Anteil bei Occidental Petroleum um fast 1 Mrd. USD erhöht. Damit befinden sich inzwischen 136,4 Mio. Aktien der US-Ölgesellschaft im Gesamtwert von knapp 7,2 Mrd. USD im Bestand von Berkshire Hathaway. Dies entspricht einem Anteil von 14,6 % an Occidental Petroleum. Bereits Anfang März hatte der Investor 91,2 Mio. Anteilscheine des Unternehmens erworben. Es gibt bereits Spekulationen, Buffett könne an einer kompletten Übernahme von Occidental interessiert sein.

Weitere Zukäufe

Zusätzlich zu den Erdöl-Engagements stockte Warren Buffett zwischen Oktober und Dezember 2021 seine Investitionen in das auf hochwertige Einrichtungen spezialisierte Unternehmen RH, den Hartbodenhändler Floor & Decor Holdings und den Mediengiganten Liberty Sirius XM auf. Daneben tätigte Berkshire Hathaway neue Investitionen in das Medienkonglomerat Liberty Media Formula One, den Entwickler von Computerspielen Activision Blizzard und die brasilianische Bank Nu Holdings.

Activision Blizzard besonders interessant

Die Investition in den Spieleentwickler Activision Blizzard erscheint besonders interessant. Denn sie wurde durchgeführt, bevor die Übernahme von Activision durch Microsoft im Januar veröffentlicht wurde. Buffett hat von dem daraus resultierenden Anstieg der Activision Blizzard-Aktie erheblich profitiert hat. Der Kurssprung der Aktie nach der Veröffentlichung betrug etwa 20 %.

Krisenfeste Zusammensetzung des Berkshire-Portfolios

Warren Buffett hat zuletzt den Anteil seiner Erdöl-Investments massiv aufgestockt. Das dürfte sich im Zusammenhang mit den steigenden Ölpreisen als kluger Schachzug erweisen. Im Umfeld steigender Zinsen sollten sich auch seine defensiven Dividenden-Titel wie Verizon, Coca-Cola und Kraft Heinz relativ gut behaupten. Darüber hinaus dürfte auch das Engagement in der Versicherungssparte bei Berkshire Hathaway nach wie vor für wachsende Cashflows sorgen.

Die starke Konzentration auf Unternehmen in den USA ist ein wichtiges Argument, dass für Berkshire Hathawayspricht. Buffett, der nur wenige Investments außerhalb der Vereinigten Staaten eingegangen ist, engagiert sich dementsprechend wenig bis kaum in Russland, China oder Europa, die vor allem von der aktuellen geopolitischen Krise betroffen sind.

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Die Rohstoffpreise haben in den letzten Wochen und Monaten weiter angezogen und ein Ende der Preisspirale scheint nicht in Sicht. Dies spielt Rohstoffaktien im Moment in die Karten. Glencore + 15, Anglo American Palatinum + 15, Vale +17%, Pan American Silver + 18%– gerade in den letzten vier Wochen erhielten viele Rohstoffaktien noch einmal einen deutlichen Schub. Auf Sicht der letzten drei Monaten stehen etliche Titel nun zwischen 30- und 40% im Plus. Beim peruanischen Minenunternehmen CIA de Minus de Buenaventura sind es sogar 46 %.

Dies trifft auch auf Ölkonzerne zu. Weil die Saudis nun ihre Fördermengen wieder hochfahren, gab der Ölpreis zwar wieder etwas nach und in der Folge verloren auch die Aktien von Exxon Mobil, Chevron und Co. ein paar Prozentpunkte, doch die Performance seit Jahresanfang kann sich weiterhin sehen lassen. Exxon Mobil beispielsweise steht auf Drei-Monats-Sicht 34% im Plus. Chevron sogar 44 % (Stand 20.03.2022).

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In der aktuellen Situation können Öl-Titel eine Option sein. Vieles spricht dafür, dass die Ölpreise (wie auch andere Rohstoffpreise) noch länger auf hohem Niveau bleiben werden.

Des Weiteren bieten viele Ölkonzerne attraktive Dividendenrenditen. Bei Exxon Mobil beträgt die aktuelle Dividendenrendite zum jetzigen 4,5 % (brutto). Bei TotalEnergies gibt es derzeit 5,8 % und bei Shell und Chevronsind es rund 3,5 %. Mit derartigen Dividenden lässt sich die Inflation abfedern.

Rohstoffaktien sind Zykliker

 Rohstoffunternehmen sind Zykliker. Ihre Geschäftsentwicklung Ihre Geschäftsentwicklung hängt stark von der Entwicklung der für sie relevanten Rohstoffpreise ab – bei Mineralölkonzerne ist folglich der Ölpreis ein entscheidender Faktor.

Bei dem jetzigen Preisniveau von 107 USD je Barrel (Brent) hingegen alle Ölkonzerne profitabel arbeiten. Selbst diejenigen, die relativ hohe Förderkosten aufweisen.

Vor zwei Jahren sah dies anders aus. Sinkende Ölpreise setzten die Margen unter Druck. Als der Ölpreis (Brent) im April 2020 bei 21,50 USD je Barrel stand, rechnete sich ihr Geschäft gar nicht mehr. Weil die Förderkosten über dem Rohölverkaufspreis lagen, schrieben die Konzerne Verluste.

Preisspirale wird weiter angetrieben

Im Moment spricht vieles dafür, dass der Rohölpreis auf hohem Niveau bleiben wird. Die Weltlage ist seit Ausbruch des Ukraine-Krieges extrem angespannt. Dies treibt die Preisspirale an. Der Ölpreis hat in den letzten vier Wochen noch einmal um 10 % zugelegt. Seit August 2021 ist der Ölpreis um rund 40 % gestiegen. Auf Sicht der letzten zwölf Monate ging es 52 % nach oben.

Im Webinar „Zur aktuellen Lage“ vom 09.03.2022, erläuterten Prof. Max Otte und sein Analystenteam der PI Privatinvestor Kapitalanlage GmbH , warum in ihren Fonds derzeit Rohstoffunternehmen eine der vier Säulen sind:

In der Vergangenheit haben sich Rohstoffunternehmen bei inflationären Tendenzen bewährt. Vieles spricht dafür, dass Rohstoffaktien auch jetzt zu den Inflationsgewinnern gehören werden.

Ölpreise werden länger oben bleiben

Durch den Krieg in der Ukraine ist die Welt nun eine andere. Selbst wenn der Krieg bald beendet würde, was wir hoffen, wird das Verhältnis der westlichen Industriestaaten zu Putin und damit zu Russland als möglicher Handelspartner über viele Jahre schwierig bleiben.

In den letzten Jahrzehnten hatte sich Europa – insbesondere Deutschland – sehr abhängig von Energie „made in Russia“ gemacht. Wenn die EU wie die USA ein Embargo gegen russisches Öl verhängen würden (wogegen sich die Bundesregierung noch derzeit weiter wehrt) würde dies das Angebot über längere Zeit verknappen. Alternativen zu russischem Öl und Gas, beispielsweise Flüssiggas (LNG) aus den USA ist zudem teurer.

Hinzukommt, dass Deutschland die dafür erforderliche Infrastruktur erst mal noch hinstellen muss. Dies kostet Zeit und Geld.

Die Kosten für das nun in Stade geplante Flüssiggas-Terminal werden sich auf mindestens 800 Mio. EUR belaufen. Bundeskanzler Scholz hat sich im Februar zwar für eine schnelle Fertigstellung stark gemacht, aber alleine das Genehmigungsverfahren dürfte mindestens ein Jahr dauern. Erst dann kann es mit dem Bau losgehen. Bis die Anlage einsatzbereit ist, werden wohl noch Jahre vergehen. Bis dahin muss Deutschland für die Anlieferung von Flüssiggas weiterhin die LNG-Terminals von Frankreich, den Niederlanden und Belgien nutzen.

All dies hält die Preise oben.

Downstream-Geschäft attraktiver als Upstream 

In der Ölbranche unterscheidet man zwischen drei Bereichen: Upstream, Midstream und Downstream.  Das Downstream-Geschäft ist dabei wesentlich attraktiver. Unternehmen, die in diesem Bereich stark aktiv sind, sind zudem im Vorteil – sie können steigende Preise sofort an Verbraucher weitergeben und umgekehrt, können sie im Falle sinkender Preise kleinere Anpassungsschritte wählen.

Unter Downstream versteht man die Weiterverarbeitung des Rohöls zu spezifischen Produkten. Das gesamte daran angeschlossene Distributionsgeschäft, zum Beispiel der Betrieb eines Tankstellennetzwerks, gehört dazu. Gerade das Tankstellengeschäft ist sehr interessant. Die unmittelbare Weitergabe steigender Preise bekommen wir derzeit alle an der Zapfsäule schmerzhaft zu spüren.

Unter „Upstream“ versteht man das Explorationsgeschäft, also die reine Förderung von Öl und Gas. Dazu betriebene Offshore-Anlagen sind Bohrinseln im Meer. Die auf dem Festland betriebenen Bohranlagen werden als Onshore-Anlagen bezeichnet. „Midstream“ ist die Lagerung und der Weitertransport zu Kunden.

Niedrige Förderkosten von Vorteil

Von der Höhe der Förderkosten, die ein Unternehmen aufbringen muss, um Öl zu fördern, hängt die Höhe der Margen ab. Je niedriger die Förderkosten, desto mehr bleibt bei den Konzernen hängen. Besonders ordentlich dürfte derzeit die Kasse bei Chevron und TotalEnergies klingeln. Beide Unternehmen geben ihre Förderkosten mit rund 18 USD an (Chevron sogar mit 16 bis 18 USD). Ihre Förderkosten sind damit deutlich niedriger als bei ihren Konkurrenten. Exxon Mobil beispielsweise weist derzeit Förderkosten von knapp über 40 USD je Barrel aus. Der Konzern hat sich jedoch zum Ziel gesetzt die Kosten bis 2027 auf rund 30 USD zu senken.

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Der Krieg in der Ukraine hat zu heftigen Kapriolen an den Rohstoffmärkten geführt. So stieg der Nickelpreis vorletzte Woche binnen zwei Handelstagen um 250 %. Die Benzinpreise haben ein Rekordhoch erreicht, ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht.

Wenn wir über Energie sprechen, meinen wir in der westlichen Industriewelt vor allem Gas und Öl. In beidem sind wir in Europa und noch einmal im besonderen Maße in Deutschland abhängig von Russland. Allein bei Erdgas bezieht Deutschland über 60 % seiner Bedarfsmenge aus russischen Quellen. Auch russische Kohle wird in Deutschland noch zu einem großen Teil für die Stromerzeugung eingesetzt. 2020 kamen 45 % der importierten Kohle und Kohleprodukte wie Briketts oder Koks aus Russland. 2021 stieg dieser Anteil nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamts sogar auf 57 %. Ein kurzfristiger Ersatz gilt als schwierig. Der Kohlepreis steht derzeit bei 310 USD je Tonne (Stand 21.03.2022), zweitweise waren es sogar 440 USD.

Beim Öl sieht es nicht besser aus: Russland ist der zweitgrößte Erdölproduzent der Welt und steht für mehr als ein Zehntel der weltweiten Produktion. Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge exportiert Russland täglich etwa 5 Mio. Barrel Rohöl. Selbst eine Reduktion dieser Menge wäre nur schwer aufzufangen, da die internationalen Märkte schon seit Monaten vom Öl-Kartell OPEC eher knapp versorgt werden. Das haben die Verbraucher in der jüngeren Vergangenheit vor allem an den Zapfsäulen zu spüren bekommen.

 

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat zur Entspannung der Versorgungslage in der zweiten Märzhälfte ein Energieabkommen mit dem Emirat Katar über die Lieferung von Gas abgeschlossen. Was daraus wird, muss man abwarten.

Die Bundesregierung gab zudem 435.000 Tonnen Öl frei, was laut Wirtschaftsministerium rund 3 % der deutschen Erdölreserve entspricht. Die Entscheidung Deutschlands folgt auf den Beschluss der Mitgliedstaaten der IEA vom 1. März 2022. Das Gremium hatte in einer Sondersitzung beschlossen, dass aufgrund der angespannten Lage wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine international insgesamt Ölreserven im Umfang von 60 Mio. Barrel freigegeben werden sollen.

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Am 8. März, haben die USA einen Importstopp für russisches Öl verhängt. Eine gangbare Sanktion, da die USA im Vergleich zu Europa deutlich weniger von russischem Öl abhängig sind. Gerade einmal 100.000 Barrel pro Tag flossen vor dem Importstopp von Russland in die Vereinigten Staaten. Das sind lediglich 8 % der importierten Mengen. Ganz anders die Situation in Deutschland. Ein Öl- und Gasembargo seitens der EU würde Russland sehr viel härter treffen. Wohl aus Angst vor einem gewaltigen Versorgungsleck spricht sich die Bundesregierung bislang noch gegen einen Importstopp russischer Energieträger aus. Es war von Anfang an falsch, sich so abhängig von einem Lieferanten zu machen.

Ohne Edelmetalle steht die Industrie still

Die kriegsbedingte Verschärfung der Inflation betrifft unterdessen nicht nur die Energieversorgung. Nach den pandemiebedingten Logistik-Staus der vergangenen zwei Jahre treibt die neue Gefahr von Lieferengpässen auch die Preise anderer Industrierohstoffen in die Höhe. Vor allem Metalle sind betroffen. Ohne Metalle und Metallverbindungen ist die Herstellung von Industriegütern quasi unmöglich. Aluminium-Komponenten beispielsweise sind für den Bau von Autos, Flugzeugen, Gebäuden, Konsumgütern oder Verpackungen unabdingbar.

Nickel und Eisen sind Bestandteile verschiedener Stahlsorten, Kupfer befindet sich in nahezu sämtlichen elektrischen Produkten. Neben Aluminium und Kupfer ist vor allem Nickel erheblich teurer geworden. Russland ist nach China, Australien und Brasilien der viertwichtigste Produzent der Welt für Industriemetalle. Die beiden russischen Unternehmen Rusal und Norilsk Nickel sind sogar Weltmarktführer für Aluminium und Nickel.

Sanktionen westlicher Staaten haben die größten Container-Reedereien der Welt dazu veranlasst, Frachtlieferungen von und nach Russland auszusetzen. Die Preise an den Metallbörsen steigen in der Folge rapide an. Aluminium hatte am 7. März kurzfristig die Marke von 4.000 USD je Tonne erstmalig überschritten. Der Nickelpreis ist bis knapp unter 50.000 USD je Tonne gestiegen. Wir reden hier über eine Preissteigerung seit Anfang März von grob 65 %.

Die größte Metall-Importabhängigkeit von Russland besteht bei Palladium. Das Edelmetall wird unter anderem für die Herstellung von Katalysatoren für Autos und industrielle Anlagen verwendet. Hier hat Russland mit einem weltweiten Förderanteil von über 40 % eine besonders wichtige Rolle. Der Rohstoffpreis von Palladium je Feinunze (31,1 Gramm) übertraf sogar das Allzeithoch vom Februar 2020.

Ungewisse Zukunft im internationalen Rohstoffhandel

Bislang fließen Öl und Gas weiter nach Europa und auch andere wichtige Rohstoffe werden noch gehandelt. Allen Bereichen ist jedoch eins gemein: Die Angst vor Lieferengpässen lässt die Preise explodieren. Neben den genannten Energieträgern und den Industriemetallen sind auch Rohstoffe wie Stahl, Holz, Uran und Agrarrohstoffe wie zum Beispiel Weizen stark betroffen.

Die Politik ist hin- und hergerissen: Einerseits wollen die Regierungen Europas Druck durch wirtschaftliche Sanktionen auf Russland ausüben, um dem Krieg in der Ukraine Einhalt zu gebieten. Andererseits bestehen große Abhängigkeiten und handelspolitische Verflechtungen, deren Abbruch die eigenen Volkswirtschaften und damit letztlich auch die nationalen Bevölkerungen belasten wird.

Letztlich bedeuten die Erhöhungen der Weltrohstoffpreise auch einen weiteren Inflationsschub. Geldvermögen und Sparguthaben sind also immer noch keine gute Idee.

Ruhe bewahren in Kriegs- wie Krisenzeiten

Wie sich der Krieg in der Ukraine weiterentwickeln wird, kann ebenso wenig vorhergesagt werden, wie die Kursentwicklung der Aktien. Sicher ist nur: es gibt Branchen und Bereiche, die stärker betroffen sind als andere. Öl- und Energietitel sowie Minen- und Rohstofftitel werden sehr wahrscheinlich Inflationsgewinner sein.

Auch die großen Tech-Konzerne halten sich bislang gut, Wachstumsaussichten sind weiter da. Allerdings trennt sich hier die Spreu vom Weizen, wie zum Beispiel der Absturz von Meta zeigt. Daneben gibt es viele Unternehmen und Werte mit Kursverlusten, die langfristig wieder auf Erholung und Wachstum hoffen dürfen.

Als Menschen können wir uns nur wünschen, dass der Krieg möglichst schnell endet. Als Anleger natürlich ebenso. Hier gilt jedoch einmal umso mehr, Ruhe zu bewahren, gerade mit Blick auf wertbasierte Langfristinvestments.

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Zurzeit sind die Märkte mehr denn je in Bewegung, an der Börse geht es rauf und runter. Und doch gibt es globale Entwicklungen, die in ihrer Grundtendenz über jede Krise erhaben sind. Eine davon ist die demografische Entwicklung. Immer mehr Menschen werden immer älter. Die steigende Lebenserwartung und gleichzeitige Alterung der Gesellschaft ist eine Tatsache und lässt die Nachfrage nach Betreuungs- und Pflegedienstleistungen steigen.

Die letzten beiden Pandemiejahre haben dabei gezeigt: wir agieren hierzulande schon jetzt am beziehungsweise nicht selten sogar unterm Limit. In Deutschland, aber auch anderswo in Europa herrscht Pflegenotstand. Personalmangel und die dafür verantwortlichen Strukturen sind wichtige Agendapunkte unserer Regierung.

18.300 Kilometer von uns entfernt, in Neuseeland, gibt es ein Unternehmen, von dem wir uns vieles abschauen könnten. Seit den 80er Jahren im Pflegesektor aktiv, macht das Unternehmen vieles anders und noch mehr richtig. Es geht um Ryman Healthcare. Das Unternehmen betreibt Wohnparks für Senioren, sowohl am Heimatmarkt Neuseeland als auch in Australien.

Was macht Ryman Healthcare anders als der Rest?

Hierzulande werden Seniorenresidenzen, in denen ältere Menschen ein selbständiges Leben führen können, und Pflege- und Betreuungseinrichtungen oftmals vollständig getrennt geführt. In Insellösungen werden bei Bedarf weitere Dienstleister, beispielsweise für Pflege oder medizinische Betreuung, hinzugezogen. Das ist aber kostspielig, ineffizient und für die Bewohner mit vielen Unsicherheiten (wechselnde Zuständigkeiten, eingeschränkte Flexibilität, nicht garantierte Kontinuität, etc.) verbunden.

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Ryman Healthcare hingegen versteht das gesamte Spektrum von Alterswohnsitz und Betreuungsangebot als ganzheitliches Geschäftsmodell. Es unterscheidet sich noch dazu in Größe und Service-Angebot sehr von unseren in Europa bekannten Senioren- und Pflegeeinrichtungen. Vor allem das Freizeitangebot für die Bewohner ist viel breiter. Es wird von Schwimmbädern, Wellness, Tanz- und Fitnesskursen, Kinos, bis hin zum Golfplatz je nach verfügbarer Fläche alles geboten. Auch die Leistungsbereiche von Teil-Betreuung bis Intensivpflege sind nahtlos in das Gesamtpaket integriert.

Bei den von Ryman Healthcare betriebenen „Retirement Villages“ sind die unterschiedlichsten Wohnsituationen auf einer Fläche vereint. Für die Bewohner bedeutet dies den Vorteil, dass sie ihre vertraute Umgebung nicht verlassen müssen, wenn sich ihre Lebenssituation und ihr Pflegebedarf ändert. Die Bewohner der Häuser und Apartments erhalten so die Gewissheit, dass für sie gesorgt wird und sie nicht wieder umziehen müssen, weil das Fürsorgekonzept alle Pflegestufen abdeckt.

Umfassendes System aus Infrastruktur und Dienstleistung

Auch in Sachen Infrastruktur agiert Ryman Healthcare ganzheitlich. Das Unternehmen plant, baut und managt all seine Seniorenzentren selbst. Sowohl das Land als auch die kompletten Immobilien auf den Arealen sind im Besitz des Unternehmens. Seine Einnahmen generiert Ryman Healthcare zum einen durch die laufenden Gebühren für Pflegedienstleistungen – was sehr gut kalkulierbare und wiederkehrende Cashflows generiert. Der Löwenanteil der Einnahmen aber liegt im Verkauf von sogenannten Wohnrechten.

Die Bewohner erkaufen sich bei Vertragsaufnahme ein Wohnrecht auf Lebenszeit in einer von Ryman Healthcaregeführten Wohnparkanlage. Sie zahlen dabei eine hohe Summe auf einmal und im Voraus, ähnlich wie bei einem Immobilienerwerb. Allerdings liegen die Preise dabei unterhalb der normalen Durchschnittspreise für Wohnimmobilien. So kann der Erwerb des Wohnrechts auf Lebenszeit eine gute Alternative zum klassischen Eigenheim sein. Das Wohnrecht auf Lebenszeit in einer Anlage von Ryman Healthcare ist für viele Pensionäre aber noch aus einem anderen Grund attraktiv: Indem sie sich dort „einkaufen“, haben sie automatisch auch die Garantie auf einen späteren Pflegeplatz, sollten sie diesen irgendwann benötigen.

Starkes Geschäftsmodell, schwächelnder Kurs

Nach dem Börsentief im März 2020 lief es bis August letzten Jahres recht gut für die Aktie von Ryman Healthcare. Die Aktie legte in diesem Zeitraum 72 % zu. Seitdem hat das Papier aber wieder spürbar korrigiert. Mit derzeit 9,52 NZD (entspricht etwa 5,90 EUR, Stand: 17.03.2022) steht die Aktie nur noch knapp über ihrem Kurstief während des Corona-Crashs. Die Pandemie hat das Unternehmen zwar gut überstanden, dennoch ging diese nicht spurlos an dem Unternehmen vorbei.

Höhere Schutzmaßnahmen, wie beispielsweise die Errichtung von Keimschleusen, der höhere Bedarf an Desinfektionsmitteln, medizinischen Masken und höherer Personalaufwand drückten in den letzten beiden Jahren auf die Gewinne. Ein zusätzlicher Faktor, der den Kurs der Aktie beeinflusst haben könnte, liegt im Immobilienmarkt des Geschäftsgebiets von Ryman Healthcare. Die Immobilienpreise in Neuseeland und Australien haben um 7 bis 8 % korrigiert.

Nichtsdestotrotz sprechen die demographischen Entwicklungen in dieser Region auch weiterhin für das Geschäftsmodell von Ryman Healthcare.

Weitere Objekte in der Pipeline

Deshalb setzt das Unternehmen seinen erfolgreichen Expansionskurs der letzten Jahre uneingeschränkt fort. Im Nordwesten von Melbourne entsteht gerade ein neues Seniorendorf für 155 Mio. NZD (entspricht rund 96,17 Mio. EUR). Auf dem sechs Hektar großem Grundstück sollen schöne Villen für unabhängiges Wohnen und ein komplettes Altenpflegezentrum, einschließlich spezialisierter Demenzpflege, entstehen. Damit baut Ryman Healthcare seine Stellung in Melbourne aus und ergänzt die fünf bereits in Betrieb befindlichen Dörfer. Acht weitere sind zudem in Planung.

Auch auf dem Heimatmarkt Neuseeland ist der Bauplan gut gefüllt. Weitere 15 Seniorendörfer werden dort entwickelt. Damit werden in den nächsten drei bis vier Jahren die bestehenden 43 Seniorendörfer nochmal stark ausgeweitet. Zusätzlich sind bereits Landkäufe für elf zukünftige Standorte getätigt. Insgesamt hat das Unternehmen im letzten Geschäftshalbjahr (dieses endete am 30. September 2021) 406,4 Mio. NZD (entspricht etwa 252,17 Mio. EUR) für Neu- und Ausbauten sowie Landkäufe investiert.

Zukunftsaussichten bleiben optimistisch

Das mittelfristige Ziel ist die Verdoppelung des bereinigten Gewinns alle fünf Jahre. Dies entspricht einem jährlichen Wachstum von 15 %. An dieser Zielsetzung wird auch weiter festgehalten, obwohl der Gewinn letztes Jahr aufgrund von pandemiebedingten Mehrkosten, wie zusätzliches Personal und Sicherheit sowie die zeitweise Stilllegung von Baustellen, rückläufig war.

Aufgrund der kontinuierlichen Entwicklungsstrategie der Vergangenheit, der hohen Reputation von Ryman Healthcare und der zunehmend älter werdenden Bevölkerung in Australien und Neuseeland halten wir dieses Vorhaben für ambitioniert, aber realistisch.

Dividende leicht reguliert für Wachstumspielraum

An oberster Stelle steht für Ryman Healthcare derzeit der Ausbau der Kapazitäten. Zur Verwirklichung dieser langfristigen Wachstumspläne wurde deshalb auch etwas an der Dividendenpolitik geschraubt. Bislang sah diese eine Ausschüttung von 50 % des bereinigten Gewinns vor. Diese wird nun auf eine Spanne von 30 bis 50 % angepasst, um größere finanzielle Spielräume für zukünftige Landkäufe zu erschließen.

An der halbjährlichen Ausschüttung wird sich nichts ändern. Die Zwischendividende im Dezember für das Geschäftsjahr 2021 blieb mit 0,88 NZD je Anteilsschein gegenüber dem Vorjahr unverändert. Die Höhe der Schlussdividende (voraussichtlich im Juni) steht noch nicht fest. Auf Basis der Dividendenzahlungen der letzten zwölf Monate bietet die Aktie von Ryman Healthcare eine aktuelle Dividendenrendite von 2,2 %.

Starkes Geschäftsmodell mit langfristig stabiler Perspektive

Trotz der Ergebnisdelle im letzten Jahr ist das Geschäftsmodell von Ryman Healthcare aus unserer Sicht intakt. Auch wenn die Immobilienpreise zuletzt etwas korrigierten, den Preisabschlägen, die Ryman Healthcare dem gegenüberstellen kann, kann dies noch lange nicht gefährlich werden. Denn obwohl die Preise am „normalen“ Immobilienmarkt nachgaben, konnte Ryman Healthcare die Wiederverkaufspreise für seine Appartements weiter steigern. Dies unterstreicht die unangefochtene Marktstellung des Unternehmens ebenso wie die Langlebigkeit und Qualität seiner Objekte.

An der demografischen Entwicklung in Australien und Neuseeland hat sich nichts geändert. Die Nachfrage nach Pflegedienstleistungen wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Aufgrund des exzellenten Rufs als Pflegedienstleister und Arbeitgeber ist Ryman Healthcare für viele Neuseeländer und Australier die absolute Nummer 1, wenn es um Wohnen und Pflege im Alter geht. Die Langfristperspektiven des Unternehmens bleiben daher aus unserer Sicht von den aktuellen Gewinnrücksetzern komplett unbeeinflusst.

Auch eine Immobilienkrise kann Ryman Healthcare überstehen, weil die Schulden nur 24,7 % des gesamten Immobiliarvermögens entsprechen und hier ausreichend Puffer für eine Krise vorhanden ist. Wir halten dieses spannende und krisenfeste Unternehmen jedenfalls im Blick und identifizieren für Sie günstige Handlungsoptionen auf Basis unserer wertbasierten Analysekriterien.

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Deutschland dürfte im laufenden Quartal in eine Rezession zurückfallen. Panik ist aber an den Börsen kein guter Ratgeber, Geduld ist nun gefragt.

Wer seit der vergangenen Woche auf den Autobahnen unterwegs war, konnte es regelrecht sehen: Der Verkehr auf Deutschlands Straßen, auch auf Bundes- und Landesstraßen, beruhigt sich zusehends. Jetzt wird fast jede Fahrt, die nicht ins Büro oder zurück angetreten werden muss, vorher noch einmal auf ihre Notwendigkeit überprüft. Und ein Tempolimit ist bei 2,20 Euro je Liter Super E10 nicht mehr nötig, wer 140km/h fährt, wird auf der Autobahn nicht mehr so oft überholt. Die galoppierenden Energiepreise bremsen die Deutschen aus. Und mit ihnen ihre Wirtschaft.

Noch wird es in den Medien ganz verschämt erwähnt, das “R“-Wort, die drohende Rezession. Wenn niemand zuschaut, wird es jedoch schon kräftig “gegoogelt.“ Das legt eine Grafik auf Basis der Angaben in “Google Trends“ nahe. Mit dieser Funktion lässt sich wunderbar beobachten, wie häufig ein Begriff oder Suchwort von den Teilnehmern derzeit im Internet abgerufen wird. Die Kurve für das Suchwort “Rezession“ steigt richtig steil an.

Auch bei den Ökonomen macht sich Unruhe breit. Die Meinungen sind geteilt, doch das Pendel neigt sich zunehmend in Richtung Rezession. Denn schon im 4. Quartal 2021 legte die Wirtschaft den Rückwärtsgang ein. Und jetzt ziehen die Energiepreise so scharf an, dass sie die Mobilität der Deutschen beeinträchtigen und den Konsum zügeln. Hinzu kommen erneut unterbrochene Zulieferketten, von der Autobranche über die Stahlindustrie bis hin zur Bautätigkeit und der Halbleiterproduktion. In der Logistikbranche wird zudem wegen der hohen Dieselpreise vor einem Kollaps vieler kleiner Unternehmen gewarnt – und in der Folge vor möglichen Versorgungsengpässen, die wirtschaftliche Tätigkeit zusätzlich drosseln werden.

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Führende Wirtschaftsforscher sprechen bereits offen über einen Rückfall in die Rezession, auch weil die Wirtschaft noch nicht die Folgen der Corona-Pandemie verkraftet hat. “Mit dem Ausbruch des Krieges zwischen Russland und der Ukraine ist ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts und eine technische Rezession sehr wahrscheinlich geworden“, sagt Stefan Kooths, der Vizepräsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. DIW-Präsident Marcel Fratzscher erwartet als Folge des Ukraine-Krieges nicht nur eine Rezession, sondern hält auch eine Inflation bis zu zehn Prozent für denkbar.

Im Essener RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung veranschlagt Konjunkturchef Torsten Schmidt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession auf 90 Prozent. Der ehemalige Chef des Rentenfondsmanagers “Pimco“ und Professor an der Wharton School der University of Pennsylvania, Mohamed El-Erian, sagt Europa ein Abrutschen in die Rezession vorher. Er rät den Regierungen im Westen, Konjunkturprogramme aufzusetzen.

Die größte Gefahr geht dabei nicht von den vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Volkswirtschaften in Russland und der Ukraine aus, obgleich deren wirtschaftliche Tätigkeit jeweils um etwa ein Drittel schrumpfen soll – die Ukraine vor allem wegen der Kriegszerstörungen, Russland wegen der Sanktionen, dem teilweisen Ausschluss von SWIFT und dem Einfrieren der Guthaben der Zentralbank.

Den größten Bremseffekt haben dafür die eskalierenden Energiepreise, die gestörten Lieferketten und die Inflation. Als zusätzlichen Preistreiber fürchtet man unter den Ökonomen auch die Nahrungsmittel bzw. deren Grundlagen (die Ukraine hat einen Anteil von 8,5% am weltweiten Weizenexport, Russland sogar 19,7%; Quelle: Statista).

Die Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft wurden bereits gestutzt. Treffen die Voraussagen für eine Rezession mit einem erneuten BIP-Rückgang im ersten Quartal 2022, das Ende März ausläuft, zu, dann hätte das weitreichende Folgen nicht nur für Investitionen, die die Unternehmen zurückstellen, sondern auch für den Arbeitsmarkt und für das Steueraufkommen des Staates, dem es immer schwerer fällt, die nötigen Mittel für wichtige Ausgaben aufzutreiben.

An den Börsen geht das ganze Drama nicht spurlos vorüber. Dort sorgen die anziehende Inflation, die gestörten Lieferketten und die anstehende Zinswende seit Jahresbeginn für Konsternierung und für Kurskapriolen. Der DAX ist bereits auf den tiefsten Stand seit November 2020 gefallen. An den US-Börsen haben auf Monatsbasis zyklische Konsumwerte knapp 16 Prozent, Finanztitel rund 11 Prozent und Technologie-Werte knapp 14 Prozent verloren.

Für die Notenbanken, vor allem die Fed, die mit der anstehenden Zinswende – bei der Fed dürfte der Startschuss am 16. März fallen – den Preisauftrieb eindämmen wollen, wird die Gratwanderung zwischen dem Bremsen der Inflation und einem Abwürgen der angeschlagenen Konjunktur jetzt noch viel kniffliger. Sie könnten wegen der Rezessionsaussichten die avisierten Zinsschritte behutsamer einleiten und damit beim Kampf gegen die Inflation schwach dastehen, was die sozialen Spannungen erhöhen könnte. Oder sie könnten bei ihrem Versuch, im Kampf gegen die Inflation ihre Glaubwürdigkeit zu bewahren, die Börsen noch weiter auf Talfahrt schicken.

Für Anleger gilt daher: Keine Panik, aber genaues Beobachten, Geduld und Vertrauen auf bewährte Investment-Profis, vor allem Value-Investoren, die Aktien mit Substanz und Widerstandskraft herauspicken, um das Depot zu festigen.

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