Inflation: Wie gehen unsere Regierungen damit um?

Die Preisspirale dreht sich. In den USA liegt die Inflation mittlerweile bei 7,9 %, in Deutschland bei 7,3 %. 5 %– das war die durchschnittliche Inflationsrate der von Stagflation geplagten 70er Jahre. Nur dreimal wurde diese Zahl in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland übertroffen oder erreicht: 1973, während des ersten Ölpreisschocks. Die Inflation stieg damals kurzzeitig auf 7 %. Dann 1979, während des zweiten Ölpreisschocks (Inflation bei 6 %) und noch einmal nach der Wiedervereinigung. Damals stand die Inflation ebenfalls kurz bei 5 %.

Diesmal ist Inflation keine Kurzgeschichte. Wir sind in eine längere Periode massiver Inflation eingetaucht. Was Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vor wenigen Monaten noch „Panikmache“ nannte, und EZB-Direktorin Isabel Schnabel herunterspielte, ist Realität geworden.

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Wie werden unsere Regierungen mit dieser Entwicklung umgehen? Die amerikanische Fed hat einen zaghaften Zinsschritt eingeleitet. Da die Amerikaner und Briten – anders als die Kontinentaleuropäer – die Bilanzen der Geschäftsbanken weitgehend saniert haben und in Kriegs- und Krisenzeiten Kapital in die USA als sicheren Hafen fließt, kann man sich das bis zu einem gewissen Grad leisten.

Ich teile die Ansicht von Hans-Werner Sinn: Inflation ist immer auch ein soziales Problem. Die Mittelschicht wird um ihre Ersparnisse gebracht, die oft in Form von Geldvermögen und Pensionsansprüchen vorliegen, die einkommensschwächeren Schichten müssen den Gürtel enger schnallen, denn sie geben einen großen Teil ihres Einkommens für den Grundbedarf aus.

In etlichen Ländern ist das erkannt worden: Polen hat zum Beispiel schon vor einiger Zeit mit einer massiven Senkung der direkten Steuern auf Verbrauchsgüter reagiert. Deutschland laboriert mit einer halbgaren und komplexen Lösung bei Rabatten auf Benzin und Diesel herum.

Die Frage geht aber weiter: Wie gehen die Staaten mit den Schulden um?

Die Société Générale sieht dafür vier Möglichkeiten:

  1. Inflation.
  2. Schuldenschnitt, Insolvenz, Währungsreform.
  3. Wachstum, Innovation, Reform.
  4. Sparen, Steuererhöhungen.

Eine Möglichkeit ist Inflation. Die haben wir jetzt. Sicher werden wir auch den Gürtel enger schnallen müssen (Sparen, Steuererhöhungen). Steuererhöhungen sind dabei auch ein erzwungener Vermögenstransfer. Zudem wird es in irgendeiner Form Schuldenschnitte, Insolvenzen und Währungsreformen oder Manipulationen geben müssen. Auch der von Daniel Stelter vorgeschlagene Schuldentilgungsfonds gehört dazu: Man packt einfach Staatsschulden in Höhe von zum Beispiel 60 % des BIP in einen Fonds und stellt diesen für 20, 30 oder mehr Jahre tilgungsfrei. Auch das ist ein Vermögenstransfer zu Lasten der Gläubiger und zu Gunsten der Schuldner.

Fakt ist, dass wir im Zuge der Kriegsstimmung weitere Ausgabenerhöhungen bekommen werden. Ob diese in Form einer Erhöhung des Verteidigungsetats oder des „Green New Deals“ sinnvoll sind, lasse ich dahingestellt. Fakt ist auch, dass wir Steuererhöhungen bekommen werden und dass wir weiter in die Kriegs- und Zwangswirtschaft hineinrutschen. Auch Schuldenschnitte und währungsreformähnliche Aktionen sind denkbar. Ein Hinweis darauf ist für mich, dass man nun auch in Europa die privaten Kryptowährungen angeht (wie in China) und sie durch staatliche Kryptos zu ersetzen versucht. Zwar scheiterte das Verbot der Kryptowährungen Anfang März am Europäischen Parlament, aber das Thema ist auf der Tagesordnung.

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Prof. Dr. Max Otte

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