Seit Jahren liefern sich Apple und Microsoft einen heißen Kampf um den Titel „wertvollstes Unternehmen der Welt“. Meistens hatte Apple die Nase vorn, doch vor Kurzem konnte Microsoft wieder einmal den Platz an der Sonne erobern. Mit einer Marktkapitalisierung von 2,49 Billionen USD gelang es dem von Bill Gates gegründeten Konzern es das erste Mal seit 16 Monaten, Apple (Marktwert 2,46 Billionen) hinter sich zu lassen.

Das Geschäftsmodell von Microsoft ist vielschichtig. Der Konzern bietet Anwendungsprogramme und Betriebssysteme sowie Hardware (z.B. Laptops, Tastaturen, Joysticks, Mäuse etc.). Daneben vertreibt der Konzern sogenannte ERP-Software. Zudem ist Microsoft mit seiner Spielekonsole Xbox in der Gaming-Sparte aktiv.

Es ist das dritte Mal, dass Microsoft Apple als „wertvollste Unternehmen der Welt“ vom Thron stößt. Dies gelang dem Software-Riesen schon einmal 2018 und auch im Juli 2020. Die erneute Ablösung kommt nicht von ungefähr. Der iPhone-Hersteller bekommt den aktuellen Chipmangel und die Lieferengpässe offensichtlich viel stärker zu spüren, als Microsoft. Apple musste deshalb auch seine ursprünglich geplante Produktionsmenge für das iPhone 13 erheblich drosseln.

Deutliche Unterschiede beim Umsatz

Wenn wir das Umsatzvolumen beider Unternehmen vergleichen, hat Apple weiterhin die Nase vorn. Während der iPhone-Hersteller zuletzt einen Jahresumsatz von fast 366 Mrd. USD erwirtschaftete, sind es bei Microsoft 168 Mrd. USD. Unter diesem Aspekt ist Apple mehr als doppelt so groß wie Microsoft.

Bei der Bilanzsumme ist die Differenz wiederum weniger evident – Apple rund 351 Mrd. USD, Microsoft knapp 334 Mrd. USD (jeweils Geschäftsjahr 2020/21). Bei der Eigenkapitalquote geht der Punkt eindeutig an Microsoft. Während der Konzern eine Eigenkapitalquote von über 40 % aufweist, liegt sie bei Apple nur bei rund 18 %.

Magische Grenze überschritten

Erst im Sommer 2021 gelang es Microsoft nach Apple als zweites Unternehmen der Welt, mit seiner Marktkapitalisierung die magische Grenze von 2 Billionen USD zu überschreiten. Der Konzern betrachtet das starke, auch durch Corona induzierte Wachstum als dauerhaften Trend. Klassische Felder wie Windows, Computer und auch Xbox sinken im Umsatz, die sehr margenstarken Geschäftsmodelle um Cloud und Services wachsen dafür rasant.

Die Umsätze mit dem Cloud-Dienst Azure stiegen im vierten Quartal 2020/21 (endete am 30.09.2021) um 51 %. Seit dem letzten Jahr ist Azure zudem eine größere Einnahmequelle als das Windows-Betriebssystem. Als sehr lukrativ entpuppt sich mittlerweile auch das soziale Netzwerk LinkedIn. Das Umsatzwachstum lag hier im Schlussquartal bei 46 % und der Bereich LinkedIn Marketing Solutions steigerte die Erlöse um 97 %.

Einkaufstour á la Microsoft

Auch in diesem Jahr war Microsoft fleißig auf Einkaufstour. Gerade erst kam Chipchamp dazu. Das Startup aus Australien, das ein Programm zur Bearbeitung von Videos im Browser entwickelt hat, ergänzt das Angebot von Microsoft clever, denn da das Programm quasi von jedem (auch ohne große Vorkenntnisse) bedient werden können soll, ist die Zielgruppe groß. Da Chipchamp bereits als Webapplikation entwickelt wurde, ist es für Microsoft ein Klacks, damit seine Cloud-basierten Produktivitätsangebote in Microsoft 365 zu ergänzen.

Chipchamp hat ein Programm zur Erstellung und Bearbeitung von Videos im Browser entwickelt. Zielgruppen sind Kleinunternehmer, Vermarkter, Influencer, Studenten, Pädagogen, Familien und Informationsarbeiter aller Art. Der technische Ansatz von Chipchamp besteht darin, die Einfachheit einer Web-App mit der Fähigkeit zu kombinieren, Videos mit der vollen Rechenleistung eines PCs mit Grafikprozessor-Beschleunigung zu verarbeiten, etwas, das bisher auf traditionelle Videoanwendungen beschränkt war.

Im Juni übernahm Microsoft für eine nicht veröffentlichte Summe das Unternehmen ReFirm Labs. Dabei handelt es sich um einen Spezialisten für Firmware-Analyse. Nur einen Monat später kam der Cyber-Security- Spezialist RiskIQ dazu. Der Kaufpreis lag bei 500 Mio. USD. Zu den Kunden zählen unter anderem Facebook, BMW und American Express. Dass sich Microsoft im Bereich der Cyber-Sicherheit verstärkt, ist nachvollziehbar. Die Produkte des Softwareriesen gehören zu den beliebtesten Zielen von Cyberangriffen weltweit. Erst vor wenigen Wochen wurden ein Angriff auf die Microsoft Exchange Server bekannt.

Jüngste Microsoft-Quartalszahlen übertreffen Erwartungen

Bei den Zahlen für das erste Quartal 2021/22 (Zeitraum 01.07. – 30.09.2021) konnte Microsoft die Erwartungen der Branche mit einem Umsatzzuwachs von 22 % im Hinblick auf das Vorjahr übertreffen. Insgesamt belief sich die Summe der Umsätze in Q1 2021/22 auf 45,3 Mrd. USD. Zu diesem Wachstum trug vor allen Dingen erneut der Cloud-Service Azure bei. Hier stieg der Umsatz um satte 50 % im Jahresvergleich.

Auf zu neuen Ufern

Microsoft kontert Mark Zuckerbergs Metaverse. Nur wenige Tage nach der Metaverse-Präsentation von Apple zeigte Microsoft auf seiner eigenen Entwicklerkonferenz Ignite einen eigenen, relativ konkreten Gegenentwurf zu den Plänen von Facebook. Microsoft nennt seinen neuen Dienst Mesh. Mesh ist im Prinzip eine Weiterentwicklung des Dienstes Teams, durch die Konferenzen auch in einen komplett virtuellen Raum verlagert werden können. Notwendig ist dafür eine VR-Brille wie etwa die HoloLens von Microsoft. Die Teilnehmer erscheinen dadurch im virtuellen Konferenzraum als Avatar.

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