Bei allem Fokus in den vergangenen zwei Jahren auf die Corona-Pandemie, die Volkskrankheit Nr. 1 ist nach wie vor Diabetes. Im Jahr 2019 litten weltweit 463 Millionen Menschen an Diabetes Typ 1 oder 2. Einer Studie der Internationalen Diabetes Federation zufolge werden es im Jahr 2030 schon fast 600 Millionen sein. Vor allem die Krankheit Diabetes Typ 2 nahm in den letzten Jahren rasant zu. Noch dazu werden die Patienten immer jünger. Kein Wunder, dass sich immer mehr Pharmaunternehmen des Diabetes-Geschäfts annehmen.

Die weltweit unangefochtene Nummer 1 auf dem Markt für Diabetes-Präparate ist Novo Nordisk. Das Geschäft des dänischen Pharmaunternehmens unterteilt sich grundlegend in die zwei Segmente Diabetes/Adipositas und Biopharma. Im Segment Diabetes/Adipositas werden Hormone wie Insulin, GLP-1 und Glucagon sowie Injektionsgeräte produziert und vertrieben. Das Segment Biopharma umfasst Produkte gegen Blutgerinnungsstörungen sowie für Wachstumshormontherapien und Hormonersatztherapien.

Die Vorgängerunternehmen von Novo Nordisk wurden bereits 1923 (Novo Terapeutisk Laboratorium) und 1925 (Nordisk Insulinlaboratorium) gegründet und beschäftigten sich schon damals mit der Erforschung von Diabetesmitteln. Novo Nordisk entstand 1989 durch den Zusammenschluss beider Unternehmen. Weltweit beschäftigt Novo Nordisk aktuell mehr als 45.000 Mitarbeiter in 80 Ländern. Die Medikamente werden in 169 Ländern vertrieben. Die Produktionsstätten sowie Forschungs- und Entwicklungszentren des Konzerns sind mit Standorten in Algerien, Brasilien, China, Dänemark, Frankreich, Indien, Japan, Russland, Vereinigtes Königreich und USA über den gesamten Globus verteilt.

Fitness- und Gesundheits-Trend: Gefahr für das „Geschäftsmodell Diabetes“?

„Gesundheit“ und „gesunde Ernährung“ sind Megatrends in unserer heutigen Gesellschaft. Ist die Volkskrankheit Diabetes dadurch bald Geschichte? Wohl eher nicht – wenngleich ein Zusammenhang sicherlich besteht: 80 bis 90 % der weltweiten Diabetes-Patienten – und damit eine sehr große Zielgruppe für Novo Nordisk – leiden an Typ 2. Durch gesunde Ernährung (wenig leere Kohlenhydrate, zuckerreduziert) in Kombination mit mehr Bewegung, kann einer Erkrankung an Diabetes-Typ 2 vorgebeugt werden. Patienten, die sich noch in einer frühen Phase der Krankheit befinden, können durch eine radikale Umstellung von Ess- und Lebensgewohnheiten unter Umständen sogar völlig ohne Medikamente auskommen.

Für das Geschäftsmodell von Novo Nordisk sehen wir dennoch keine größere Bedrohung. Diabetes-Typ 1 ist bis jetzt nicht heilbar. Diese Patienten sind ihr Leben lang auf Insulinpräparate angewiesen. Die Zahl der Typ-2-Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen, ist ebenfalls hoch. Macht die Bauchspeicheldrüse nicht mehr richtig mit, benötigen auch diese Patienten Insulin-Injektionen. Wir halten damit die langfristigen Treiber des Geschäftsmodells weiterhin für gegeben. Die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken, nimmt nicht nur mit zunehmendem Alter zu. Sie wird auch durch Fehlernährung und Bewegungsmangel begünstigt. Beides ist trotz des Megatrends „Gesundheit und Ernährung“ gerade in Industrieländern weiter ausgeprägt.

Fokus auf Diabetes bei gleichzeitiger Ausweitung des Produktportfolios

Der Markt für Diabetes-Medikamente wächst – schon allein aus rein demografischen Gründen. Aus demselben Grund hat auch die Konkurrenz für Novo Nordisk in den letzten Jahren spürbar zugenommen. Dies war auch an der Geschäftsentwicklung des dänischen Konzerns abzulesen. 2017 und 2018 waren wachstumstechnisch eher „Durchhänger“.

Das dänische Pharmaunternehmen verfolgt deshalb seit einiger Zeit – erfolgreich – die Strategie, seine Abhängigkeit von Insulinpräparaten und dem Diabetesgeschäft im Allgemeinen zu reduzieren. Es dürfte klar sein, dass dies nicht „über Nacht“ geschehen kann. Die Entwicklung neuer Medikamente und die Erschließung neuer Behandlungsgebiete beansprucht Zeit und Geld. Die Richtung hat Novo Nordisk dennoch bereits eingeschlagen – und ist auf einem guten Weg.

Diabetes-Medikamente machen nach wie vor rund 80 % der Konzernumsätze aus. Der Umsatzbeitrag von Insulinpräparaten hat sich dabei allerdings reduziert, während sich der Beitrag der neuen GLP-1-Rezeptor-Agonisten sukzessive erhöht. Letzterer macht nun schon ein Drittel des Diabetesgeschäfts aus. Diese neue Generation an Diabetes-Medikamenten ist auch deshalb so interessant, weil gute Chancen bestehen, ihren Anwendungsbereich auf andere Krankheiten, beispielsweise Adipositas, auszuweiten.

Neue Wirkstoff-Generation auf dem Vormarsch

Ein aussichtsreicher Vertreter der neuen GLP-1-Präparate ist der Wirkstoff Semaglutide. In den Dosierungen 7mg und 14 mg zur Behandlung von Übergewicht bei Diabetes-Typ II-Patienten ist der Wirkstoff Semaglutide in den USA, der EU und in Japan bereits zugelassen. Er wird dort unter dem Medikamentennamen Rybelsus vertrieben. Möglicherweise wird auch bald eine Dosierung von 2,4 mg auf den Markt kommen. Nach einer erfolgreich absolvierten Phase-III-Studie wird die Zulassung in den USA und in der EU nun geprüft.

Auch die Verabreichungsform (bisher subkutan, also durch Spritzen unter die Haut) könnte sich in Zukunft ändern. Novo Nordisk startet nun aber eine neue Phase-III-Studie, für eine orale Verabreichungsvariante. In dieser Studie will Novo Nordisk zudem nachweisen, dass Semaglutide auch bei Adipositas im Allgemeinen eingesetzt werden kann (also nicht nur bei Fettleibigkeit, die in Zusammenhang mit Diabetes diagnostiziert wurde). Bei einem Erfolg würde dies den Anwendungsbereich des Wirkstoffs mit einem Mal stark ausweiten. Eine weitere Chance besteht darin, dass Semaglutide auch bei Patienten mit Leberkrankheiten wie Zirrhose, Fettleber und Fettleberhepatitis eingesetzt werden könnte.

Strategische Kooperationen mit Weitblick

Im Januar 2021 kündigte Novo Nordisk eine Zusammenarbeit mit der Online-Apotheke Zur Rose an. Gemeinsam bauen die Unternehmen eine digitale Plattform für Adipositas-Patienten auf. Ziel ist es zum einen, über die Krankheit aufzuklären. Gleichzeitig soll Betroffenen der Zugang zu Diagnose- und Therapiemöglichkeiten erleichtert werden. Selbstverständlich stecken auch Vertriebsziele dahinter. So wird das Shop-System von Zur Rose angebunden werden, über das die Medikamente von Novo Nordisk direkt online bestellt werden können – eine Win-Win-Situation also für beide Unternehmen und Patienten.

Ein weiterer neuer Kooperationspartner ist Heartseed. Das japanische Unternehmen hat sich auf Therapien zur Stärkung der Herzmuskulatur spezialisiert. Novo Nordisk wird Heartseed ab sofort bei der Forschung und Entwicklung unterstützen. Zudem sicherte sich der dänische Konzern die exklusiven und weltweiten Lizenzrechte, um die stammzellen-basierte Therapie mit Namen HS-001 zu vertreiben. Zunächst leistet Novo Nordisk eine Einmalzahlung in Höhe von 55 Mio. USD. Meilensteinzahlungen können den Gesamtbetrag auf 598 Mio. USD erhöhen. Wenn es zur Markteinführung kommt, fallen zudem Lizenzkosten an. Mit seiner Entscheidung zeigt das Management von Novo Nordisk deutlich, wie ernst die Absicht ist, die Abhängigkeit vom Diabetesgeschäft abzubauen.

Starkes erstes Halbjahr lässt die Erwartungen wachsen

Mit seinen Ergebnissen zum Geschäftsjahr 2020 hatte Novo Nordisk bereits sämtliche Erwartungen übertroffen. Der Umsatz war um 4 % und der Gewinn um 8 % gestiegen. Die schon zuvor exzellente Nettomarge konnte dadurch nochmals von zuvor 31,9 auf jetzt 33,2 % gesteigert werden. Wachstumstreiber waren in erster Linie die neueren GLP-1-Produkte. Ihr Umsatz kletterte um 26 %.

Dieser Trend setzt sich in 2021 fort: Der Nettogewinn stieg im zweiten Quartal von 10,6 auf 12,1 Mrd. DKK. Der Konzernumsatz kletterte um 10 % auf 33,0 Mrd. DKK. Für das erste Halbjahr meldete Novo Nordisk ein Umsatzplus von 5 % auf 66,8 Mrd. DKK. Beim Nettogewinn gab es ein Wachstum von 10 % auf 24,74 Mrd. DKK. Der Umsatz im Bereich Diabetes/Adipositas stieg um 5 % auf 56,9 Mrd. DKK.

Das Wachstum sei von allen geografischen Regionen sowie von allen Therapiebereichen getragen worden, insbesondere aber von dem Portfolio an GLP-1-Behandlungen (bei Diabetes). Mit der US-Zulassung des Adipositas-Medikaments Wegovy wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht. Für 2021 wird nun insgesamt ein Umsatzwachstum von 10 bis 13 % (vorher: 6 bis 10 %) zu konstanten Wechselkursen erwartet. Der Betriebsgewinn soll zwischen 9 und 12 % wachsen (vorherige Annahme 5 bis 9 %).

Regelmäßige Dividendensteigerung seit fast einem Viertaljahrhundert

Aktionäre konnten sich erneut über die Anhebung der Dividende freuen. Es ist das 23. Jahr in Folge, in dem Novo Nordisk seine Ausschüttung steigert. Von zuvor 8,35 DKK wurde auf 9,10 DKK erhöht. Eine Zwischendividende (3,25 DKK) wurde bereits im August 2020 gezahlt. Die Zahlung der Schlussdividende in Höhe von 5,85 DKK erfolgte im März 2021. Die Ausschüttungsquote lag dabei bei 50 %.

Seit Novo Nordisk eine Dividende zahlt, wurde diese noch nie gekürzt. Damit ist für das Geschäftsjahr 2021 ebenfalls mit einer Auszahlung von mindestens 9,10 DKK zu rechnen. Beim aktuellen Kurs entspräche dies einer Dividendenrendite von 2 %. Die letzte Zwischendividende (ausgeschüttet am 16.08.2021) lag – übrigens erneut gesteigert – bei 3,50 DKK.

Auf dem Weg zum ganzheitlichen Diabetes-Konzern

Novo Nordisk stellt sich einerseits breiter auf. Anderseits verzichtet der Konzern dabei nicht auf seine Spezialisierung und bisherige Komfortzone. Die Krankheitsfelder, auf die Novo Nordisk verstärkt setzt, sind teilweise eng mit Diabetes verknüpft. Übergewicht kann Diabetes auslösen oder auch eine Folgeerscheinung davon sein, wenn insulinresistente Zellen den Zucker nicht mehr verarbeiten können und dieser stattdessen als Fett im Körper eingelagert wird.

Mit seinen Medikamenten kann Novo Nordisk gleichzeitig Patienten erreichen, die an Adipositas aus anderen Gründen leiden. Ebenso sind Nierenleiden oft eine Folgeerkrankung bei Diabetes-Patienten. Daneben gibt es sehr viele weit verbreitete chronische Nierenleiden, die andere Ursachen haben. Novo Nordisk ist auf dem Weg, das komplexe Thema Diabetes immer ganzheitlicher zu begreifen und gleichzeitig neue Zielgruppen zu erschließen. Die Pipeline für neue Produkte bei Novo Nordisk ist jedenfalls gut gefüllt.

Alles in allem überzeugt uns Novo Nordisk mit seiner Strategie. Das Unternehmen bietet Ihnen als Investment (fast) alles, was wir uns wünschen: Eine starke Marktposition, Wachstumsperspektiven, eine hervorragende Bilanz – und starke Dividenden. Der Kurs des Titels ist mit 88,65 EUR (Stand 26.08.2021) zwar klar Nähe Allzeithoch, ein Einstieg kann sich aber perspektivisch und auf lange Frist dennoch auszahlen.

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Prof. Dr. Max Otte


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