Philip Morris plant milliardenschwere Übernahme von Swedish Match

Die Zahl der aktiven Raucher sinkt von Jahr zu Jahr. Die Tabakindustrie befindet sich deshalb schon seit Jahren in einem grundlegenden Wandel. Immer mehr Verbraucher wollen von sich aus gesundheitsbewusster leben. Aber auch so manche Regierung schiebt klassischen Zigaretten bald einen endgültigen Riegel vor (siehe z.B. Neuseeland und Großbritannien).

Auf Genuss muss und soll laut Tabakindustrie trotzdem nicht verzichtet werden. Ein riesiger Markt verlangt nach rauchfreien Alternativen. Bei den Unternehmen, die hier immer wieder mit innovativen Ideen und Produkten auf sich aufmerksam machen, stechen zwei heraus. Der skandinavische Tabakkonzern Swedish Match sowie der Marlboro- und IQOS-Erfinder Philip Morris International.

Phillip Morris arbeitet seit 2016 an der Geschäftsumwandlung, weg von der klassischen Zigarette, hin zu Erhitzern und Verdampfern. Mit seinem Verdampfersystem IQOS startet der Konzern in Europa seit Jahren durch. 2021 machte der Tabakkonzern rund 9,1 Mrd. USD Umsatz mit den Alternativprodukten zur herkömmlichen Zigarette. Insgesamt hat der Anteil der rauchfreien Produkte am Gesamtumsatz von Philip Morris International im vierten Quartal 2021 die Marke von 30 % überschritten. Der Konzern will nach eigenen Angaben bis 2025 mindestens die Hälfte des Konzernumsatzes mit rauchfreien Produkten erreichen.

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Swedish Match beging diesen Weg als erster Vertreter seiner Branche und verbannte die klassische Zigarette bereits 1999 aus seinem Portfolio. Nur noch ein kleines Zigarrensegment wird seitdem fortgeführt. Seitdem konzentriert sich der schwedische Konzern vor allem auf Kautabak und damit verwandte Produkte. Neuester Verkaufsschlager sind die Nikotin-Pouches des Unternehmens. Dabei handelt es sich um Nikotinbeutel, die ebenfalls im Mund gekaut werden können.

Nun bahnt sich eine Mega-Übernahme an. Philip Morris International will seine rauchfreie Zukunft scheinbar mittels Abkürzung gehen. Gerade brachte der US-Konzern ebenfalls kaubare Nikotintäschchen auf den Markt. Doch noch viel schneller könnte Philip Morris ans Ziel kommen, würde man sich den Marktführer dieser neuartigen Zigarettenalternative ganz einfach einverleiben…

Übernahmeangebot seit letzter Woche offiziell

Gedacht, geplant: Am 10. Mai gab es bereits Gerüchte. Seit dem 11.05.2022 steht ein offizielles Übernahmeangebot im Raum: Philip Morris bietet je Swedish-Match-Aktie 106,00 SEK. Umgerechnet bewertet der Marlboro-Erfinder seinen schwedischen Wettbewerber damit mit rund 16 Mrd. USD. Legt man den Aktienkurs vom 9. Mai – also dem letzten Handelstag, bevor die ersten Übernahmegerüchte in Umlauf kamen – zugrunde, liegt das Angebot von Philip Morris 40 % darüber. Auf den gemittelten Kurs der letzten 90 Handelstage sind es sogar 46 %.

Der Kurs von Swedish Match hat sich dem Kaufangebot längst ein gutes Stück angenähert. Am Tag des Übernahmeangebots sprang der Kurs der Swedish-Match-Aktie auf bis zu 103,64 SEK. Seitdem ist der Kurs wieder leicht gesunken. Im Moment scheint er sich um die 101 SEK eingependelt zu haben (Kurs am 19.05.2022: 101,41 SEK). Zu dem kleinen Rücksetzer kam es, weil sich so mancher Investor nach dem steilen Kursanstieg (+ 35 % innerhalb weniger Tage) lieber schon jetzt am offenen Markt von der Aktie trennte. Ganz nach dem Motto: „Lieber der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“. Schließlich weiß man mit Abgabe eines Übernahmegebot noch nicht, ob es am Ende tatsächlich dazu kommt.

Im Fall von Swedish Match stehen die Chancen dafür nicht so schlecht. Laut einer Pressemitteilung von Swedish Match empfiehlt das Management seinen Aktionären, das Angebot anzunehmen. Die Konzernspitze berücksichtige dabei die langfristigen Wachstumsaussichten des Konzerns wie auch die Risiken, die mit der Übernahme verbunden seien. Aktionäre werden zwischen Ende Juni und Ende September die Möglichkeit haben, zum Übernahmeangebot Stellung zu nehmen. Nach schwedischem Recht müssen mindestens 90 % der Aktionäre dem Deal zustimmen, damit er vollzogen werden kann.

Nach dem Kaufangebot von Philip Morris schnellte der Kurs von Swedish Match in die Höhe.

Neue Märkte durch schwedische Innovation

Swedish Match wurde 1917 gegründet. Zunächst stellte das Unternehmen hauptsächlich Streichhölzer her. Später kamen Tabakprodukte und Feuerzeuge hinzu. Seit geraumer Zeit hat sich Swedish Match auf die Produktion von Nikotinbeuteln spezialisiert, die unter dem Namen „Snus“ vermarktet werden. Das sind kleine, in Dosen verpackte Tabakportionen, die zwischen Oberlippe und Gaumen gesteckt werden und Nikotin abgeben. Beliebt sind diese seit Jahrzehnten in Schweden und Norwegen.

Innerhalb der EU sind die Beutel aktuell nur in Schweden zugelassen. Mehrere Versuche, Snus auch in anderen EU-Ländern genehmigen zu lassen, sind bislang gescheitert. In den USA hingegen ist Snus Seit 2019 zugelassen. Gerade die USA, wo Kautabak schon seit jeher beliebt ist, ist daher ein sehr interessanter Markt für die Nikotinbeutel – mittlerweile sogar auch komplett ohne den Einsatz von Tabak. Hier ist Swedish Match als innovativer „First Mover“ ganz vorne. Denn während in Europa noch das klassische Snus Hauptprodukt ist, finden vor allem in den USA die neuartigen tabakfreien Nikotin-Pouches großen Anklang.

Die wichtigste Marke in diesem neuen Geschäftsfeld ist ZYN. Insbesondere in den USA verschaffte sich das Unternehmen damit einen großen Vorsprung. Die Pouches von Swedish Match wurden als erste tabakfreie Nikotinprodukte von der FDA zugelassen. Noch dazu erhielten die Produkte die Einstufung als „weniger gesundheitsschädlich“. Im Segment Pouches verfügt Swedish Match in den USA bereits über einen Marktanteil von 75 %. Auch bei klassischem Kautabak sind die Schweden in den USA mit einem Marktanteil von 42 % führend.

Ein strategischer „Match“

Die Übernahme von Swedish Match passt zur Entwicklungsstrategie des US-Konzerns und würde für Philip Morris International auf einen Schlag neue Wachstumspotenziale auf dem US-Markt für rauchfreie und risikoreduzierte Nikotinprodukte eröffnen. Auf diese Weise könnte der Marlboro-Erfinder bei seiner Transformation in eine rauchfreie Zukunft einiges an Boden gutmachen.

Kritische Stimmen sehen in der möglichen Übernahme des schwedischen Konzerns eine erneute Annäherung an die umstrittene Tabakindustrie, anstatt wie erst 2021 angekündigt, stärker im Bereich Wellness und Gesundheit zu expandieren. Genau vor diesem Hintergrund hatte Philip Morris International noch im vergangenen Jahr das Unternehmen Fertin Pharma und die Vectura Group übernommen, die in den Bereichen Raucherentwöhnung und Asthmamedikation tätig sind.

Die Verhandlungen laufen

Mit dem Kauf von Swedish Match winkt eine verlockende Abkürzung im Transformationsprozess von Philip Morris International. Vor allem die neuen tabakfreien Nikotin-Pouches gehen klar einher mit der strategischen Neuausrichtung des US-Konzerns. Für das generelle Thema „rauchfreie Zukunft“ wäre Swedish Match wohl trotz kritischer Einwände in jedem Fall eine klare Bereicherung für Philip Morris. Viele Experten glauben daher daran, dass die Übernahme stattfinden wird. In einigen Monaten werden wir Gewissheit haben. Ein strategischer „Match“ wäre es in jedem Fall.

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Kerstin Franzisi

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