Online-Apotheken werden immer populärer. Gleichzeitig schreitet das Aussterben der Vor-Ort-Apotheken fort. Der Branchenverband ABDA bestätigt eine Verlagerung des Geschäfts ins Internet und meldet In Deutschland für das Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang bei den Niederlassungen um 322 auf nur noch 18.753 stationäre Verkaufsstätten.

Zur Rose: Nicht nur wegen der Pandemie immer stärker

Einer der großen Profiteure der Verlagerung auf den Online-Sektor ist der Schweizer Zur Rose-Konzern mit Firmensitz in Frauenfeld im Kanton Thurgau. Das Unternehmen ist in erster Linie im Bereich des Arzneimittelvertriebs mit starken Marken wie DocMorris, Medpex und Apotal in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich tätig. Darüber hinaus betreibt Zur Rose einen Marktplatz für Gesundheits- und Kosmetikprodukte (BPC) in Spanien, Frankreich und Italien. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben europaweit führend im Arzneimittelversand. Ursprünglich 1993 als Medikamentengroßhändler für Arztpraxen gegründet, stieg das Unternehmen 2001 in das B2C-Geschäft ein.

Das spannende bei Zur Rose ist, dass das Unternehmen sein Geschäftsmodell als Versandapotheke geschickt um weitere Dienstleistungen ergänzt. Über seine Tochter eHealthTec bietet die Unternehmensgruppe nämlich auch Softwarelösungen für das Gesundheitswesen an. Dazu gehört unter anderem Abrechnungs- und Verwaltungssoftware für Arztpraxen. Zudem entwickelte Zur Rose eine softwareübergreifende Schnittstelle, die es allen Arztpraxen, Apotheken und Kliniken ermöglicht, sich dem neuen E-Rezept-Prozess anzuschließen, egal welche Software sie bisher verwenden und ohne, dass sie diese wechseln müssen. Auch anderweitig gestaltete die Zur-Rose-Tochter den Prozess zur Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland aktiv mit. Des Weiteren ist auch der Telemedizinanbieter TeleClinic Teil der Zur-Rose-Gruppe.

Steile Umsatzentwicklung

Der Konzern wies 2020 einen Umsatz in Höhe von knapp 1,5 Mrd. CHF aus. Inklusive Medpex und Apotal waren es fast 1,8 Mio. CHF. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Plus von 9 %. Im ersten Halbjahr 2021 hat sich das Umsatzwachstum deutlich beschleunigt. Die Erlöse stiegen um mehr als 20 %.

Und auch die Zur Rose-Aktie befindet sich, wenn auch unter Schwankungen, in einem Aufwärtstrend. Schon im Mai stellten wir das Unternehmen als Gewinner der Pandemie und der dadurch beschleunigten Digitalisierung vor. Der Aktienkurs ist seitdem weiter gestiegen. Damals notierte die Aktie bei rund 308 CHF. Jetzt, nur fünf Monate später, steht der Kurs bei 340 CHF (Schlusskurs 25.10.21).

Wachstum hat Priorität

Noch hat Zur Rose sie Gewinnschwelle nicht erreicht. Zur Rose weist beim Nettoergebnis im ersten Halbjahr 2021 einen Verlust in Höhe von 77 Mio. CHF aus. Statt dies zu verringern, erhöhte sich der Fehlbetrag um rund 25 Mio. CHF. Auch das operative Ergebnis (EBIT) bleibt vorerst defizitär: Vor einem Jahr waren es –42,0 Mio. CHF, jetzt sind es –73,1 Mio. CHF.

Die Aktie geriet deshalb unter Druck. Dafür, dass Zur Rose weiterhin defizitär ist, liegt nur daran, dass das Unternehmen im Moment kräftig in seine Zukunft investiert. Im Moment steht der Medikamentenmarkt vor einem gewaltigen Umbruch. Für Online-Apotheken bietet dies großes Potenzial – und eben diese Chance will Zur Rosenutzen. Unter anderem investierte das Unternehmen in den ersten sechs Monaten 2021 massiv in den Bereich des E-Rezepts. Auch die Plattform-Strategie und der Bereich Telemedizin wurden ausgeweitet.

Zweistelliges Umsatzwachstum setzt sich fort

Zur Rose meldete jüngst erneut ein signifikantes Umsatzplus Die Erlöse erhöhten sich in den ersten neun Monaten 2021 um 19,7%. Mit nun kumuliert 1,5 Mio. CHF ist der Jahresumsatz (ohne Medpex und  Apotal) aus dem Vorjahr bereits nach drei Quartalen erreicht.

Im dritten Quartal 2021 belief sich das Wachstum auf 11,9 % in Lokalwährung im Vergleich zur Vorjahresperiode. Die Zahl aktiver Kunden stieg um 400.000 auf nun 12,1 Millionen.

Einführung des E-Rezepts steht unmittelbar bevor

Die Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland schreitet planmäßig voran. Per 30. Juni 2021 wurden alle technischen Komponenten termingerecht bereitgestellt. Dazu gehören die Gematik-App zur E-Rezept-Weiterleitung, der Identity Provider als zentrales Zugangssystem sowie der E-Rezept-Fachdienst, auf dem alle E-Rezepte verschlüsselt abgelegt werden. An letzterem war auch die Zur Rose-Tochter eHealthTec beteiligt.


Damit Arztpraxen, Apotheken und Kliniken ihre Verwaltungssoftware und Informationssysteme bzw. Anbieter derartiger Software auf den benötigten technischen Stand bringen können, auch, wenn sie noch nicht an einen E-Rezept-Fachdienst angeschlossen sein sollten, entwickelte eHealthTec ein kompatibles Software-Development-Kit (SDK).

Vom 1. Juli bis 30. September wurde zudem der gesamte E-Rezept-Prozess in der Region Berlin-Brandenburg während einer dreimonatigen Testphase erprobt. Seit Oktober läuft eine deutschlandweite Testphase. Dabei erproben ausgewählte Ärzte in ihren Praxen oder per Telemedizin, Standort- und Versandapotheken sowie Patienten den neuen Verordnungs- und Einlösevorgang. In beiden Testphasen war bzw. ist die Zur Rose-Tochter DocMorris beteiligt.

Telemedizin etabliert sich

Zur Rose erwarb im Juli vergangenen Jahres den deutschen Telemedizinanbieter TeleClinic. Die Akquisition erfolgte genau zum richtigen Zeitpunkt. Online-Sprechstunden nahmen durch Corona im letzten Jahr spürbar zu. Noch legten bestehende Gesetze der Telemedizin aber Steine in den Weg. Eine Hürde ist nun genommen. Im Mai 2021 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG). Ärzte dürfen in Deutschland nun bis zu 30 % ihrer Sprechstunden per Video durchführen und abrechnen.

Krankenkassen sind in diesem Zusammenhang verpflichtet, ein digitales Authentifizierungsverfahren für die Videosprechstunde festzulegen. Das neue Gesetz dürfte die Nachfrage nach Online-Konsultationen weiter beschleunigen und damit der Plattform von TeleClinic in die Hände spielen.

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Prof. Dr. Max Otte

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