Der deutsche IT-Dienstleister Bechtle scheint derzeit nicht zu stoppen zu sein, von Quartal zu Quartal präsentiert der Konzern ein Rekordergebnis nach dem anderen und auch die Aktie jagt von einem Hoch zum nächsten. Erst letzte Woche erklomm der Kurs einen neues Allzeithoch. Ist jetzt allmählich Vorsicht angesagt? Schließlich weiß ein erfahrener Investor: In aller Regeln wachsen selbst die grünsten Bäume nicht in den Himmel. Die Kursentwicklung von Bechtle können wir nicht vorhersehen. Was die Geschäftsperspektiven betrifft, scheint aber das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht zu sein.

Paradepferd der deutschen IT-Branche

Bechtle ist das größte IT-Systemhaus in Deutschland. Das Unternehmen ist ein IT-Systemhaus mit 75 Standorten in der DACH-Region sowie Handelsgesellschaften in 14 weiteren europäischen Ländern. Der Hauptsitz der Gesellschaft ist im baden-württembergischen Neckarsulm. Das Geschäftsmodell verbindet IT-Dienstleistungen mit dem Direktvertrieb von IT-Produkten. Schwerpunkte sind der Betrieb und die Wartung von IT-Infrastruktur bei gewerblichen und öffentlichen Auftraggebern sowie der Handel mit Hard- und Software. Zudem bietet Bechtle Beratungsleistungen, Systemintegration und Schulungen an. Der IT-Dienstleister konnte sich durch Akquisitionen außerdem auf dem Gebiet spezialisierter IT-Lösungen, wie beispielsweise CAD, Navision oder SharePoint, positionieren.

Die Bechtle-Gruppe gliedert sich organisatorisch in zwei Bereiche mit jeweils eigener Vorstandsverantwortung: Systemhaus & Managed Services in der DACH-Region und E-Commerce. Im ersteren betreut das Unternehmen Kunden von der IT-Strategieberatung über die Lieferung von Hard- und Software, die Projektplanung und -durchführung bis hin zum Komplettbetrieb der IT. Dabei vertreibt Bechtle Cloud-Produkte und -Services über die Vertriebsgesellschaften und eine eigene Plattform. Komplettiert wird das Leistungsspektrum durch überregional tätige Competence Center und Schulungszentren.

Im Segment E-Commerce bietet Bechtle im Direktvertrieb unter den Marken Bechtle direct, ARP und Comsoft mehr als 70.000 IT-Produkte über Webshop, Telesales und Katalog an. Zudem verfügen die Kunden über ein maßgeschneidertes Onlinebeschaffungssystem.

Fulminante Kursentwicklung

Auf Sicht von drei Jahren hat sich der Kurs der Bechtle-Aktie etwa verdreifacht. Zu der fulminanten Entwicklung beigetragen hat auch die vom Vorstand vorgeschlagene Kapitalerhöhung aus Eigenmitteln. In der Umsetzung entspricht diese einem Aktiensplit im Verhältnis 1:3. Mitte August dieses Jahres haben Aktionäre für jede gehaltene Bechtle-Aktie zusätzlich zwei neue Aktien, sogenannte Gratisaktien, erhalten.

Dadurch hat sich die Zahl der Aktien natürlich verdreifacht. Gleichzeitig wurde der Kurs je Aktie gedrittelt. Auf den berechneten Unternehmenswert hat diese Kapitalmaßnahme keinen Einfluss, allerdings musste der Innere Wert pro Aktie auf die neue Aktienanzahl angepasst werden. Seit Bekanntgabe der Maßnahme Mitte Juni hat der Kurs der Bechtle-Aktie ca. 30 % zugelegt. Derartigen Aktiensplits folgt oft ein Kursanstieg, da die Papiere nun auch wieder für Kleinanleger erschwinglicher bzw. leichter handelbar sind.

Anhaltend starke Geschäftsentwicklung

Wie das Unternehmen mitteilte, hat Bechtle das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2021 mit sehr starken Zahlen abgeschlossen. Trotz der weltweiten Lieferengpässe auf dem IT-Markt und der anhaltenden Einschränkungen aufgrund der COVID-Pandemie konnte das IT-Unternehmen den Umsatz im zweiten Quartal 2021 um 9,3 % auf 1,43 Mrd. EUR steigern. Das Vorsteuerergebnis (EBT) erhöhte sich überproportional um 39,8 % auf 81,2 Mio. EUR. Die EBT-Marge verbesserte sich damit auf 5,7 %.

Dr. Thomas Olemotz, Vorstandsvorsitzender der Bechtle AG erklärte: „Es ist uns gut gelungen, das Geschäft trotz der schwierigen Rahmenbedingungen weiter stark voranzubringen. Die Nachfrage unserer Kunden nach leistungsfähigen IT-Lösungen und Services ist in allen Geschäftsfeldern ungebrochen hoch.”

Free Cashflow mit positiver Entwicklung

Der operative Cashflow erhöhte sich im ersten Halbjahr 2021 auf 47,3 Mio. EUR (Vorjahr: 40,5 Mio. EUR). Auch der Free Cashflow entwickelte sich positiv und stieg von -31,6 Mio. EUR auf 23,3 Mio. EUR. Die Gesamtliquidität lag stichtagsbezogen mit 286,6 Mio. EUR nach wie vor auf einem komfortablen Niveau.

Bechtle baut Marktposition in Österreich weiter aus

Das Bechtle IT-Systemhaus Österreich übernimmt den IT-Dienstleister Open Networks GmbH mit Sitz in Wien. Damit stärkt das Unternehmen die Wettbewerbsposition als IT-Lösungsanbieter und Dienstleister im österreichischen Markt weiter. Open Networks ist auf die Realisierung von IT-Infrastrukturlösungen sowie Application Services, Datacenter, Security und Netzwerk spezialisiert. Der 2008 gegründete IT-Dienstleister erwartet für das Geschäftsjahr 2021 einen Umsatz von rund 12,5 Mio. EUR. Open Networks bleibt zunächst unverändert am Markt tätig. Mittelfristig plant Bechtle, die Aktivitäten vollständig in die Wiener Geschäftsstelle zu integrieren.

Anlass zu Optimismus: Dividendenentwicklung

Bezogen auf den aktuellen Kurs bietet Bechtle derzeit eine Dividendenrendite von etwa 0,8 %. Die Ausschüttungsquote liegt aktuell bei knapp 30 % des Gewinns und einem Viertel des Free Cashflows. Dies bietet Luft nach oben. Immerhin wurde unlängst die Dividende um 12,5 % auf nun 1,35 EUR je Aktie angehoben. Positiv zu vermerken ist, dass das Unternehmen seine Aktionäre an dem erneuten Rekordergebnis auf diese Weise teilhaben lässt.

Zudem zeigt der Konzern mit der nun elften jährlichen Dividendensteigerung in ununterbrochener Folge, dass er auf eine nachhaltige und stetige Dividendenpolitik viel Wert legt. Für einen Wachstumstitel wie Bechtle, der in Sachen Expansion noch am Anfang steht, ist dies eher die Ausnahme. Außerdem gut nachvollziehbar ist die weiterhin zurückhaltend Ausschüttungsquote. Schließlich will Bechtle weiterhin wachsen. Hierfür muss Bechtle Kapital im Unternehmen behalten. In Jedem Fall ist die – zugeben – kleine Dividende ein nettes Zubrot.

Weiterhin gute Perspektiven

Bechtle rechnet in diesem Jahr mit einem Wachstum bei Umsatz und Vorsteuerergebnis zwischen 5 und 10 %. Bislang hat das Management mit seinen Prognosen nie enttäuschst, eher sogar etwas tiefgestapelt. Der IT-Markt in Europa ist weiterhin stark fragmentiert, das Entfaltungspotenzial für Bechtle damit riesig. Seine führende Marktposition in Europa baut der Konzern, der sowohl als IT-Systemhaus auftritt, als auch eine florierende IT-Handelssparte (selbstverständlich eine E-Commerce-Plattform) für Firmenkunden betreibt, kontinuierlich aus. Darüber hinaus interessant: Der Konzern erhöht über die von ihm gegründete IT-Allianz namens GITA (= Global IT Alliance) seine Reichweite langsam aber sicher auch auf globaler Ebene.

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Prof. Dr. Max Otte

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