Die Digitalisierung schreitet – oder eher rast –immer weiter voran. Ein Trend, der noch vor wenigen Jahren nicht einmal ausgewiesenen Experten ein Begriff war, prescht besonders kraftvoll vor: die Auslagerung von Daten in sogenannte Clouds (Wolken). Vorteil: Dokumente müssen nicht mehr auf der eigenen Festplatte gespeichert werden. Dies schont Speicherkapazitäten auf dem eigenen Rechner und noch dazu gibt es keinen Datenverlust, sollte der heimische Computer oder der Unternehmens-Server den Geist aufgeben.

Datenkrake und Lieferant für alles

Amazon ist längst weit mehr als nur ein gigantischer Onlinehändler. Mit digitalen Bezahllösungen, der Cloud-Tochter AWS (Amazon Web Services), Alexa, einem eigenen Kosmetik-Kanal und Projekten wie dem Autonomen Fahren dringt der Konzern in immer mehr Märkte und Bereiche unseres täglichen Lebens vor. Das hat auch eine Schattenseite und macht zahlreichen Verbrauchern Angst. (In der Tat setzt sich Amazon als Datenkrake überall fest.) Doch so vielen Verbrauchern dies auch Furcht einflößt, deutlich mehr Kunden akzeptieren es. Amazon Prime gewann im vergangenen Jahr so viele neue Nutzer wie nie zuvor.

Die Cloud-Dienste AWS und auch das Kundenbindungsprogramm Prime sind für den Konzern wahre Wachstumsmaschinen. Millionen von Firmen lagern ihre ausufernden Datenbestände in „die Wolke“ aus. Netflix, Facebook, BBC und viele andere Großkonzerne nehmen die Cloud-Dienste von Amazon in Anspruch. Mittlerweile erwirtschaften AWS bereits 12 % des Konzernumsatzes und 60 % des operativen Gewinns. Im letzten Jahr wuchs dieses Geschäft um 30 %. Übertroffen werden konnte dies im letzten Jahr nur von den Umsatzanstiegen im Online-Store (+51 %).

Während der Online-Handel 2020 vor allem durch Corona so massiv zulegte, wird das Cloud- Geschäft auch nach der Pandemie sein hohes zweistelliges Wachstum halten können. In jedem Fall konzentriert Amazon seine Wachstumsstrategie folgerichtig auch künftig auf das Cloud-Business. Ein Zeichen dafür ist auch die Anfang Juli erfolgte Ernennung von Andy Jassy, dem ehemaligen Leiter der Cloud-Sparte, zum neuen Amazon-CEO als Nachfolger von Jeff Bezos.

Amazon Web Services erwirtschaftete im Jahr 2020 mehr als doppelt so viel Umsatz wie die Nummer zwei im Markt Microsoft. Die Cloud-Computing-Sparte des Tech-Giganten konnte den Umsatz auf 26,2 Mrd. USD steigern. Der Marktanteil ist, laut einer Gartner-Studie, durch den gewachsenen Gesamtmarkt allerdings etwas gesunken.

Amazon erfindet sich immer wieder neu

Ständige Innovationen, die von oben angetrieben werden, sind einer der Wachstumsmotoren des Unternehmens, das Ideen als Vermögenswerte betrachtet, unaufhörlich experimentiert und über die verfügbaren Daten schon heute zu verstehen sucht, was der Kunde morgen kaufen möchte. Das Geschäftsmodell, den „virtuosen Kreislauf“, den Jeff Bezos einst auf einer Serviette verewigte, kommt einem Perpetuum Mobile zumindest schon recht nahe: Einmal in Gang gebracht, läuft es und treibt sich von selbst an.

Unternehmenskonzept zum Zunge schnalzen!

Der enorme Erfolg von Amazon beruht auf einem fantastisch guten Geschäftsmodell: eine äußerst benutzerfreundliche Plattform mit riesiger Produktauswahl, günstigen Preisen, schneller Lieferung und großer Kulanz bei Reklamationen. Der größte Online-Händler der Welt hält so gut wie alles, was das Herz begehrt, in seinen Regalen bereit: Computerspiele, Windeln, Autoreifen, Videos, Werkzeuge, Solarpanels, Abendkleider, Tablets, Kochtöpfe, Kameras und Bücher. Während der Corona-Krise durfte und darf ein schier unendlich großes Angebot an Schutzmasken und Desinfektionsmitteln nicht fehlen.

Geschäftsmodell läuft wie geschmiert

Trotz sehr wahrscheinlich nie endender Aktienoptionsprogramme ähnelt das Geschäftsmodell von Amazon einem Perpetuum Mobile, es läuft wie ein gut geschmierter Motor und treibt sich dabei von selbst an. Aufgrund der Skaleneffekte führt eine steigende Kundenanzahl bei Amazon zu Kostensenkungen. Diese ermöglichen, das Amazon seine Preise weiter senkt, was wiederum den Nutzen für die Kunden erhöht. Dies führt zu mehr Kunden, was die Kosten weiter senkt usw., usw.

Für Aktionäre ist ein solches Geschäftsmodell ein Traum. Einziges Manko: Jahr für Jahr vergibt Amazon neue Aktienoptionen an das Management. Um diese später bedienen zu können, bringt der Konzern jährlich neue Aktien in Umlauf. Das Aktienkapital, das gleich bleibt, teilt sich dadurch auf immer mehr Anteile auf. Im Umkehrschluss hat eine einzelne Aktie einen immer geringeren Anteil am Aktienkapital. Im Fachjargon spricht man von „Verwässerung“. Das starke Wachstum, das Amazon hinlegt, wirkt diesem „Entwertungs-Effekt“ allerdings entgegen. Schließlich wird das Geschäftsmodell (und damit auch die Anteile, auf die sich dieses verteilt) immer wertvoller.

Bei einem KGV von über 60 massiv überbewertet?

Amazon weist derzeit ein KGV von 60,8 auf. Für sich alleine erscheint dies erst einmal sehr hoch. Bei Amazon hat ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis aber nur eine bedingte Aussagekraft. Denn Amazon schreibt bis heute, in Relation zu seinen gigantischen Umsätzen, nur sehr kleine Gewinne. Der Fokus liegt auf Wachstum. Anstatt hohe Gewinne im Unternehmen anzuhäufen, entspricht es D

der Mentalität von Amazon-Gründer und -CEO Jeff Bezos viel mehr, das Kapital im Fluss zu halten. Gewinne müssten ja schließlich auch noch versteuert werden. Bezos investiert da lieber sofort wieder in neues Wachstum.

So bleibt der Gewinn bei Amazon kontinuierlich auf einem niedrigen Niveau, während Umsätze und Cashflows jedes Jahr stark steigen. Ein hohes KGV ist somit nur eine mathematische Konsequenz.

Die PEG-Ratio, eine Kennzahl die das KGV ins Verhältnis zum prognostizierten jährlichen Gewinnwachstum setzt, steht bei 1,5. Ein Wert von über 1 kann tendenziell schon ein Indiz für eine  Überbewertung sein, es gibt aber Unternehmen, die weisen eine PEG-Ration von 5 oder noch höher auf. 1,5 ist da noch relativ moderat.

Hohe Preisdynamik und kurze Lieferzeiten

Bei Amazon stellt sich die Preisgestaltung sehr dynamisch dar. Schätzungen zufolge werden jeden Tag für bis zu 20 % der annähernd 500 Mio. Produkte die Preise geändert. So kann der Konzern quasi unmittelbar auf Schwankungen von Angebot und Nachfrage reagieren und ist der Konkurrenz die berühmte Nasenlänge voraus.

Daneben ist die blitzschnelle Auslieferung zu einem Kernstück des Geschäftsmodells geworden. Gerade entsteht in Deutschland im niedersächsischen Achim ein neues High-Tech Logistikzentrum. Dort werden Roboter der neuesten Generation eingesetzt, um die Warenregale zu steuern und die benötigten Produkte in Windeseile hervorzuholen.

Die zunehmende Verlagerung auf „Dienstleistungen“ wie Prime steigert die Renditen zusätzlich. Im Verlauf seiner Expansion bemüht sich das Unternehmen, bisherige Partner nicht nur zu kopieren, sondern auch die Wertschöpfungskette deren Geschäfts weitgehend zu übernehmen. So werden ehemalige Partner geschluckt oder verdrängt. Dabei nutzt Amazon scheinbar nicht immer faire Methoden, wie diverse Gerichtsverfahren wiederholt zeigen. Der Stärke von Amazon tut dies etwas fragwürdige Geschäftsgebaren dennoch keinen Abbruch. Strafen in Millionenhöhe bleiben angesichts eines Jahresumsatzes von 386 Mrd. USD lediglich Peanuts.

Jüngste Quartalszahlen mehr als im „grünen Bereich“

Amazon hat an Juli seine Zahlen für das jüngste Quartal vorgelegt. Dabei hatte die Wall Street für das erste Quartal 2021 im Schnitt mit einem Umsatz von 104 Mrd. USD und einem Gewinn von 9,54 USD je Aktie erwartet. Der Konzern selbst stellte Umsätze von 100 bis 106 Mrd. USD in Aussicht. In der Realität erwirtschaftete Amazonzwischen Januar und März insgesamt 108,5 Mrd. USD. Beim Gewinn schlug der Konzern die Erwartungen sogar um Längen: Unterm Strich blieben 15,79 USD je Aktie, 65 % mehr als erwartet. Operativ blieben insgesamt 8,9 Mrd. USD, gut 45 % mehr als erwartet.

Neueste Amazon-Akquise: MGM-Filmstudios

Amazon hat unlängst den Erwerb der MGM-Filmstudios (Metro-Goldwyn-Mayr) offiziell bestätigt. Der Kaufpreis für das Unternehmen, das unter anderem die James Bond Filme produziert, beträgt rund 8,5 Mrd. USD. Amazon will damit u. a. seinen Streaming-Dienst Prime Video mit gefragten Inhalten stärken. MGM war eines der wenigen noch nicht von einem Großkonzern geschluckten Hollywood-Filmstudios.

Expansion geht weiter

Wie der Konzern ganz aktuell mitteilte, will Amazon in den USA weitere 125.000 Mitarbeiter einstellen. Bereits Anfang September hatte der Konzern angekündigt, 40.000 neue Stellen zu schaffen. Dies zeigt: Der neue CEO Andy Jassy hat die Philosophie seines Vorgängers Jeff Bezos verinnerlicht: think big. Der Krake Amazon ist wohl noch lange nicht satt. Nach eigenen Angaben hat Amazon seit Beginn der Pandemie allein in den USA neue 450.000 Mitarbeiter eingestellt. So soll vor allem die Position im E-Commerce-Bereich weiter gestärkt werden.

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Prof. Dr. Max Otte

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