Medikamente gegen die Volkskrankheiten

Diabetes ist in den Industrienationen die Volkskrankheit Nr. 1 und die Zahl der Betroffenen steigt immer weiter an. Für diese bedauerlicherweise Entwicklung spricht schon allein das Bevölkerungswachstum und die Alterung unserer Gesellschaften. In Deutschland stieg die Zahl der über Hundertjährigen im letzten Jahr erstmals über 20.000. Zudem erkranken auch immer jüngere Menschen an der „Zucker-Krankheit“.

Laut Statista litten 2019 weltweit rund 9 % der 20- bis 79-Jährigen an Diabetes. Das waren damals 463 Millionen. Nicht nur die absolute Zahl der Patienten, sondern auch die Prävalenz, also der Anteil der Betroffenen innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe, steigt. 2030 sollen schon knapp 580 Millionen aller 20- bis 79-Jährigen Diabetespatienten sein – mehr als jeder zehnte. Auch die Zahl der Glukosetoleranzstörungen nimmt zu.

Diabetes – ein riesiger Markt für Pharmakonzerne

Der weltweite Marktführer für Diabetespräparate ist Novo Nordisk. Das dänische Pharmaunternehmen vertreibt sein gesamtes Portfolio an Medikamenten mit großem Erfolg in 169 Ländern. Der Anteil der Diabetesmedikamente ist dabei überproportional groß. Sie machen nach wie vor rund 80 % der Konzernumsätze aus. Zuletzt hatten jedoch negative Absatzprognosen auf dem chinesischen Markt für Insulinpräparate Schlagzeilen gemacht. Die niedrigeren Insulinpreise in China wirken sich bremsend auf die Umsatzentwicklung von Novo Nordisk aus. Der negative Effekt auf das weltweite Umsatzwachstum wird im kommenden Jahr auf etwa 3 % geschätzt.

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Auch geringere Verkaufsmengen in China werden sich leicht dämpfend auf das Geschäft auswirken, so eine aktuelle Prognose von Novo Nordisk. Ausgangspunkt der Prognose sind die Ergebnisse der Beschaffungsausschreibung für das in Krankenhäusern verkaufte Insulin durch die chinesische Gesundheitsbehörde (National Healthcare Security Administration). Doch auch wenn die Insulinbestellungen aus China derzeit zurückgehen, sind die langfristigen Wachstumsperspektiven global gesehen intakt, denn das dänische Pharmaunternehmen verfolgt seit einiger Zeit erfolgreich die Strategie, seine Abhängigkeit von Insulinpräparaten und dem Diabetesgeschäft im Allgemeinen zu reduzieren.

Strategie: Wachstum durch Diversifizierung

Neue Medikamente entwickeln und auf den Markt bringen ist für einen Pharmakonzern das A und O. Wir finden es gut, dass Novo Nordisk seit einiger Zeit auch in andere Richtungen als nur Diabetes denkt. Ein Bereich, auf den der Konzern derzeit besonders abzielt, ist Adipositas. Das Unternehmen macht hier gute Fortschritte. Im Juni 2021 erhielt Novo Nordisk die US-Zulassung für sein neues Diät-Medikament Wegovy.

Dieses neue Medikament hat großes Potenzial, denn der Markt bietet dem Unternehmen eine riesige Zielgruppe, weil äußerst viele Menschen in den USA an starkem Übergewicht und Fettleibigkeit leiden. Der Vorteil von Wegovy gegenüber anderen Medikamenten liegt in der patientenfreundlicheren Anwendung: Es muss nur einmal wöchentlich verabreicht werden. Wir sind daher überzeugt, dass es bei Betroffenen hohen Zuspruch finden wird, was für Novo Nordisk wiederum einen hohen Absatz bedeutet.

Der schwedische Finanzdienstleister Skandinaviska Enskilda Banken schätzt, dass Novo Nordisk mit dem Medikament Wegovy bereits im vierten Quartal 2021 Umsätze in Höhe von 1,7 Mrd. DKK (entspricht 0,23 Mrd. EUR) einfahren könnte. Wir sind schon gespannt, was Novo Nordisk in seinem Schlussreport zum Geschäftsjahr 2021 dazu berichten wird.

Intelligente Kooperationen und Übernahmen

Eine Forschungskooperation unterhielt Novo Nordisk zu Dicerna Pharmaceuticals schon. Nun will der dänische Pharmakonzern seinen Partner für rund 3,3 Mrd. USD schlucken. Je Dicerna-Aktie bietet Novo Nordisk dazu 38,25 USD. Mit der Übernahme sichert sich Novo Nordisk eine interessante RNAi-Technologieplattform, die der Konzern künftig für alle seine therapeutischen Schwerpunkte einsetzen kann. Kurzfristig kann die Übernahme zu einem Anstieg der Forschungs- und Entwicklungskosten führen, was das Wachstum des Betriebsgewinns zunächst schmälern würde. Dafür investiert Novo Nordisk aber clever in zukünftiges Wachstum.

Auf eine Plattformstrategie setzt Novo Nordisk nicht nur in der Forschung. Auch auf der Vertriebsseite probiert das Unternehmen dies derzeit aus, wie an der noch recht frischen Kooperation mit der Schweizer Online-Apotheke Zur Rose im Bereich von Adipositas zu erkennen ist. Diese Kooperation gingen die beiden Unternehmen im Januar 2021 ein.

Drei starke Quartale in Folge

Bereits im Oktober hob Novo Nordisk seine Jahresprognose an. Die mittlerweile veröffentlichten Neunmonatszahlen bestätigen das intakte Wachstum: Der Nettogewinn stieg um 12 %, der operative Gewinn legte in DKK um 5 % zu. Um Währungseffekte bereinigt, lag das EBIT-Wachstum ebenfalls bei 12 %. Der Umsatz konnte um 8 % (währungsbereinigt 13 %) gesteigert werden. In den USA wurde dabei ein Plus von 6 % erzielt. Außerhalb der USA wuchsen die Erlöse um 10 %.

Als Wachstumstreiber erwiesen sich dabei unter anderem die GLP-1-Präparate Ozempic und Rybelsus. Sehr erfreulich: Das Wachstum hat sich im dritten Quartal zudem beschleunigt. Hier gab es ein Umsatzplus von 15 %. Dazu trug auch bereits das neue Medikament Wegovy bei. Für das Gesamtjahr geht Novo Nordisk von einem Umsatz- und EBIT-Wachstum jeweils zwischen 12 und 15 % aus. Sein Aktienrückkaufprogramm weitert der Konzern von 2 auf nun 20 Mrd. DKK (entspricht 2,69 Mrd. EUR) aus.

Dividendenhistorie mehr als stabil

In Sachen Dividende erweist sich Novo Nordisk als „sichere Bank“. Wir haben die Dividendenhistorie bis 2008 zurückverfolgen können. Seitdem hat die Dividende eine steile Entwicklung hingelegt. Der Ausschüttungsbetrag je Aktie wurde jedes Jahr erhöht, die annualisierte Steigerungsrate liegt bei 25 %. Novo Nordisk zahlt dabei halbjährlich aus. In der Regel gibt es für das dann noch laufende Geschäftsjahr im August eine Zwischendividende. Im März des Folgejahres folgt dann die Schlussdividende für das abgeschlossene Jahr.

Für das Geschäftsjahr 2020 gab es je Aktie 9,10 DKK (1, 22 EUR). Dies setzte sich zusammen aus einer Zwischendividende in Höhe von 3,25 DKK (0,44 EUR, ausgezahlt im August 2020) und einer Schlussdividende in Höhe von 5,85 DKK (0,79 EUR). Bei dem aktuellen Kurs entspricht dies einer Dividendenrendite von 1,2 %. Mittlerweile ist schon die Zwischendividende für das bald zu Ende gehende Geschäftsjahr 2021 geflossen. Da diese mit 3,50 DKK (0,47 EUR) schon höher war als die Zwischendividende vor einem Jahr, kann damit gerechnet werden, dass auch die Gesamtdividende für 2021 höher liegen wird.

Ein Investment für die Ewigkeit

Auch wenn die Aktie von Novo Nordisk mit aktuell 96, 70 EUR (Stand 23.12.2021) bereits recht hoch bewertet ist, kann man trotzdem mit Fug und Recht den Standpunkt vertreten, den Titel zu halten – sofern man ihn bereits in seinem Anlageportfolio hat. Es gibt Aktien, die Sie, wenn einmal zu einem guten Preis gekauft, „für immer“ in Ihrem Depot halten können – oder zumindest sehr, sehr lange. Dabei handelt es sich um Anteile von Unternehmen mit Top-Qualität, deren Geschäftsmodell einfach zu gut ist, als dass Sie sich leichtfertig davon trennen sollten. Selbst dann nicht, wenn die Bewertung hoch ist.

Novo Nordisk ist so ein Unternehmen. Angesichts des jetzigen Kurses können Sie im Falle einer sehr großen Position natürlich durchaus über eine kleine Teilrealisierung nachdenken, aber für einen Komplettverkauf sind die Langfristperspektiven dieses Pharmakonzerns aufgrund der global starken Marktposition, der hohen Gesamtqualität sowie der attraktiven Dividende aus unserer Sicht einfach zu gut. Auch über einen Einstieg kann man zumindest nachdenken, immerhin sind wir gerade nach einem kurzen Mini-Dip wieder etwas vom erst kürzlich erreichten Allzeithoch von 103,56 EUR am 16.12.2021 entfernt. In jedem Fall lohnt es sich, dahingehend wachsam zu bleiben, um keine Gelegenheit zu verpassen.

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Prof. Dr. Max Otte

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