Gehören Sie auch zu denjenigen, die zu Beginn der Pandemie im Supermarkt vergeblich nach Toilettenpapier Ausschau gehalten haben? Produkte dieser Art sind im täglichen Leben beinahe unentbehrlich. Doch ausgerechnet sie waren im Frühjahr 2020 wochenlang Mangelware. Dadurch wissen wir heute, wie es ist, wenn sie fehlen. Und da kommt Essity ins Spiel.

Der schwedische Konzern Essity ist einer der weltweit führenden Hersteller von Haushalts- und Hygienepapieren. Zudem wird die Produktpallette Schritt für Schritt in andere Bereiche des Gesundheitsmarktes ausgeweitet. Wenn Ihnen der Unternehmensname vielleicht bisher nicht viel sagte, viele Marken dürften Sie gut kennen: TENA, TORK, Leukoplast, Lotus, Tempo und Zewa sind nur einige davon.

Außer Toilettenpapier, Küchenrollen, Taschentüchern und Servietten hat Essity auch Babywindeln, Inkontinenzprodukte und Wundversorgungsprodukte im Portfolio. Das Unternehmen ist auf dem einem guten Weg, zu einem umfassenden Gesundheitsunternehmen zu werden. Das Management selbst hat sich dieses Ziel gesteckt. Deshalb kam es in den letzten Jahren auch zu der einen oder anderen Übernahme.

Stark auch im B2B-Geschäft

Die Kunden von Essity sind nicht nur Endverbraucher.  Auch im B2B-Bereich ist die Position stark. Zu den Kunden in diesem Sektor zählen Öffentliche Einrichtungen, Pflegeeinrichtungen und Reinigungsfirmen ebenso wie Unternehmen jedweder Branche. Sanitäre Anlegen gibt es schließlich überall.

Seinen Geschäftskunden bietet Essity nicht nur die passenden Verbrauchsmaterialien, Papierspender und Desinfektionsspray-Spender an, die allesamt unter der globalen Marke TORK vermarktet werden. Auch passende Software, zum Beispiel für das Facility Management sanitärer Anlagen hat das Unternehmen im Gepäck.

Langweilig? Ganz im Gegenteil

Viele Anleger halten den Konsumgütersektor für wenig spannend. Ihnen gibt es dort zu wenig Wachstum. Dafür haben Unternehmen wie Essity den Vorteil, beinahe jederzeit sehr verlässliche Renditen zu liefern – und ihr Geschäft ist krisenresistent, da die Produkte immer ge- und verbraucht werden. Das ist auch der Grund, warum ausgewiesene Börsengurus und Value Investoren sehr gerne entsprechende Aktien im Depot halten. Fragen Sie doch mal Warren Buffett. Das “Orakel von Omaha” hat zwar nicht Essity, dafür aber andere sehr bekannte Konsumgütergiganten im Portfolio.

Langweilig finden wir Essity ganz und gar nicht. Aus unserer Sicht ist das Geschäftsmodell sogar ausgesprochen interessant. Erstens hat sich während des ersten Lockdowns in Europa gezeigt, wie wichtig die Produkte des Unternehmens sind. Zweitens hat Essity noch viel mehr zu bieten. Tatsächlich deckt das Geschäft alle drei Themenschwerpunkte ab, die wir aktuell präferieren: Grundbedarf, Gesundheit undDigitalisierung.

Haushaltspapiere und Digitalisierung?

Was kann ein Hersteller von Haushaltspapieren schon mit Digitalisierung am Hut haben? Tatsächlich eine Menge. Dass das Unternehmen u.a. auch Softwarelösungen für Facility Management im Angebot hat, haben wir schon im vorletzten Abschnitt kurz erwähnt. Für Senioren- und Pflegeeinrichtungen hält der Konzern noch weitere Software parat um Materialbestellung und verbrauch aber auch Personalzeiten zu optimieren.

Eine Produktinnovation ist in diesem Zusammenhang auch TENA Identifi. Hierzu gehört u.a. Inkontinenzunterwäsche, die mit speziellen Sensoren ausgestattet ist. Bei Bewohnern in Senioren- und Pflegeeinrichtungen, die diese mehrere Wochen tragen, kann das Toilettenverhalten aufgezeichnet und analysiert werden. Per WLAN werden die Daten direkt an die zugehörige Software am Computer übertragen. Die Einrichtungen können im Anschluss die Visite-Zeiten des Pflegepersonals auf die Gewohnheiten der Bewohner und Patienten abstimmen.

Wachstumsmarkt: Inkontinenzsparte

Die eben genannten Beispiele verdeutlichen: das größte Wachstumspotenzial für Essity dürfte im Inkontinenzmarkt liegen. Bei Senioren ist der körperliche Makel Blasenschwäche nicht nur weit verbreitet sondern auch sehr belastend. Infolge der zunehmenden Überalterung der Weltbevölkerung steigt die Zahl der Betroffenen immer weiter. Und nicht nur ältere Menschen müssen darunter leiden. Krankheiten, Unfälle oder Operationen können dies auch bei jungen Menschen verursachen.

Mit der Marke TENA, unter der Essity sowohl klassische Inkontinenzprodukte (Einlagen, Bettlaken etc.) als auch Software-Lösungen für Pflegereinrichtungen vermarktet, ist das Unternehmen die Nummer 1 der Branche.

Das Endkonsumentengeschäft über den Einzelhandel und Online-Shops (beispielsweise auf den Angebotsseiten der Zur Rose Gruppe) macht dabei nur einen kleinen Anteil am Umsatz aus.  Essity vernachlässigt diese wichtigen Absatzkanäle keinesfalls,  konzentriert sich  aber in diesem Bereich vor allem auf den Ausbau des B2B-Geschäfts. Diesen stellt Essity mitunter die Software TENA SmartCare zur Verfügung.

Novioscan – eine perfekte Ergänzung

2020 übernahm Essity für 70 Mio. SEK das niederländische Start-up Novioscan. Novioscan hat ein tragbares Ultraschallgerät entwickelt, das fortlaufend die Harnblase überwacht. Patienten mit Blasenschwäche werden über per Smartphone rechtzeitig informiert, noch lange bevor sie selbst merken, dass ein Gang zur Toilette angebracht ist.

Noch ist das Produkt etwas unhandlich. Allerdings ist in diesem Bereich die Entwicklung auch noch nicht am Ende. Irgendwann wird es wahrscheinlich nur noch ein kleiner “Chip” sein, der problemlos und fast unsichtbar unter der Kleidung getragen werden kann. Schon jetzt wird damit die Lebensqualität Betroffener deutlich angehoben.  

Erfreuliche Zahlen zum ersten Halbjahr

Mitte Juli 2021 präsentierte Essity die Geschäftsergebnisse zum ersten Halbjahr. Während es im ersten Quartal noch nach unten ging, kam das organische Wachstum im zweiten Quartal mit aller Wucht zurück. 9,5 % stieg der organische Umsatz gegenüber dem Vorjahr.

Dass es gegenüber 2020 eine Erholung geben würde, damit haben wir gerechnet. Um so erfreulicher ist aber, dass auch der Umsatz aus dem Jahr 2019 übertroffen werden konnte. Ein Ausbau der Marktanteile konnte bei über 60 % der Marken erreicht werden. Die Umsätze über den Online-Handel stiegen um 13,7 %. E-Commerce macht nun 14 % der Konzernerlöse aus.

Regelmäßige Dividendensteigerungen sind zu erwarten

Im März 2021 gab erst das vierte Jahr in Folge eine Dividende. Dies hängt jedoch mit der kurzen Historie von Essity als eigenständiges Unternehmen zusammen. Bis zur Abspaltung im Jahr 2017 gehörte Essity nämlich zum schwedischen Papierkonzern Svenska Cellulose. Den Vorläufer von Essity gibt es schon Jahrzehnte.

Die Konzernspitze betonte letzten Herbst, dass man künftig auf eine jährliche Dividende und eine stetige Steigerung selbiger großen Wert lege. Gesagt getan. Zwar wurde die  Dividende letztes Jahr zeitlich etwas nach hinten verschoben  (statt Ende März/Anfang April gab es diese erst im Oktober), dafür konnten sich Anleger über eine Anhebung um  8,7 %  -von 5,75 auf 6,25 SEK je Anteilsschein – freuen.

Am 26. März 2021 folgte dann gleich die nächste Steigerung. So gab es diesmal 6,75 SEK je Aktie. Dies entspricht erneut einer Anhebung um rund 8%. Zum jetzigen Kurs entspricht dies einer Dividendenrendite von 2,4 %.

“Der Privatinvestor” Börsenbrief 4 Wochen gratis testen!

Weitere Blogbeiträge

Immer auf dem Laufenden bleiben:
Der Privatinvestor Newsletter

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.