Wenn das der Verhüllungskünstler Christo noch hätte erleben dürfen: Als der bulgarische Exzentriker 1995 den Berliner Reichstag mithilfe riesiger Stoffbahnen versteckte, hatte er sich wahrscheinlich nicht träumen lassen, was heutzutage alles verpackt wird. Online-Händler wie Amazon haben allein 2019 in Deutschland rund 1,9 Mrd. Pakete verschickt. Die Pandemie hat diese Zahl sicher nochmals deutlich gesteigert. Und davon profitieren selbstverständlich die Hersteller von Verpackungsmaterial.

Flaggschiff unter vollen Segeln

Ganz besonderes gilt das für den in Europa führenden Faltschachtelproduzenten Mayr-Melnhof. Das 1950 in der österreichischen Steiermark gegründete Unternehmen gilt heute mit einer Marktkapitalisierung von etwa 3,6 Mrd. EUR als Marktführer der Branche. Der Konzern erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von ca. 2,5 Mrd. EUR und beschäftigt weltweit mehr als 10.000 Mitarbeitern. Das Unternehmen besteht aus den beiden Geschäftsbereichen MM-Karton und MM-Packaging.

Gute Perspektiven

Mayr-Melnhof kann sich freuen, die Nachfrage nach Kartonschachteln zieht nicht nur durch den zunehmenden Versandhandel an. Auch Hersteller – insbesondere im Konsumgüterbereich denken um und fragen mehr Kartonverpackungen nach. Die Unternehmen wollen ihren Kunden damit zeigen, dass ihnen das Thema Umweltschutz wichtig ist. Viele Hersteller steigen deshalb von Plastik- auf Kartonverpackungen um. Diese Entwicklung wird auch nach Corona weiter gehen. Auch das mittlerweile von vielen Verbrauchern angenommene „Click & Collect“-Konzept wird bleiben.

All dies führt dazu, dass mehr Kartonverpackungen benötigt werden. Viele Verbraucher haben sich an das „neue“ Einkaufen gewöhnt. Daher ist kaum zu erwarten, dass sich der Trend bald wieder abschwächt. Immer mehr Unternehmen sind darauf angewiesen, ihre Produkte in Webshops anzubieten. Es ist zu erwarten, dass die Nachfrage nach Kartonverpackungen auch nach der Pandemie weiter ansteigt.

Nachhaltigkeit als weiterer Wachstumstreiber

Wie in unserem Blog-Beitrag aus dem April 2021 erklärt, spielt das Thema Nachhaltigkeit in unserer Wirtschaft und bei den Verbrauchern eine immer größere Rolle. Die Verpackungsindustrie als Schlüsselbranche ist daher in Bewegung: Selbst Coca-Cola experimentiert derzeit mit einer Getränkeflasche aus Papier.

Der Mayr-Melnhof-Geschäftsbereich MM-Karton produziert hauptsächlich Recyclingkarton (zu 87 %). Auch das kommt gut an und trifft den Zeitgeist. Zudem sichert dies Mayr-Melnhof entscheidende Kostenvorteile, den die Produktion von Karton aus recyceltem Material ist gegenüber der Herstellung aus Frischfasern auch noch günstiger.

Zukäufe in Finnland und Polen

Mayr-Melnhof will nicht nur organisch wachsen. Auch selektive Zukäufe spielen eine Rolle. In Südfinnland erwarb das Unternehmen vergangenes Jahr den Wettbewerber Kotkamills für 425 Mio. EUR. Die Produktionskapazität von Kotkamills lag zuletzt bei 260.000 Tonnen Karton. Diese kann aber noch auf 400.000 Tonnen hochgefahren werden.

In Polen verleibte sich Mayr-Melnhof den Konkurrenten Kwidzyn ein. Damit steigt der Konzern nun auch in die Produktion von Frischfaserkarton ein. Bislang setzte Mayr-Melnhof ausschließlich auf Karton aus recyceltem Material. Dies verlieh dem Unternehmen bislang einen interessanten Kostenvorteil – denn die Herstellung von Frischfaserkarton ist teurer als die Produktion aus Recyclingkarton. Durch die Kombination aus beidem werden die Produktionskosten aber dennoch insgesamt niedriger als bei anderen Wettbewerbern bleiben. Die meisten Konkurrenten produzieren nämlich ausschließlich aus Frischfasern.

Umsatz im 1. Halbjahr 2021 erneut gestiegen

Im Hinblick auf das 1. Halbjahr 2021 stiegen die konsolidierten Umsatzerlöse des Konzerns gegenüber dem Vorjahreszeitraum leicht von 1.266 Mio. EUR auf 1.290 Mio. EUR. Mit 92,1 Mio. EUR lag das betriebliche Ergebnis um 24,8 % bzw. 30,4 Mio. EUR unter dem Vorjahreswert (1. HJ 2020: 122,5 Mio. EUR).

Dieser Rückgang resultiert im Wesentlichen aus dem rasanten Kostenanstieg im Kartongeschäft mit nur zeitversetzter Möglichkeit zur Weitergabe. Einmalaufwendungen aus Anpassungs- und Restrukturierungsmaßnahmen lagen mit 26,1 Mio. EUR auf ähnlicher Höhe wie die Einmaleffekte im 1. Halbjahr des Vorjahres (1. HJ 2020: 29,5 Mio. EUR). Die Operating Margin des Konzerns betrug damit 7,1 % (1. HJ 2020: 9,7 %).

Verlässlich in Sachen Dividende

Als im zurückliegenden Jahr viele Unternehmen die Dividende gekürzt oder gar ausgesetzt hatten, behielt Mayr-Melnhof die Höhe seiner seine Ausschüttung gegenüber dem Vorjahr bei. Das Unternehmen weist eine gesunde Bilanz auf und konnte bislang auf Staatshilfen verzichten. Auch in diesem Jahr ist das Unternehmen in Sachen Dividende standhaft geblieben. Wie in den Jahren 2019 und 2020 wurden auch in diesem Jahr 3,20 EUR je Aktie ausgeschüttet. Beim derzeitigen Börsenkurs entspricht der Ausschüttungsbetrag je Aktie einer Dividendenrendite von 1,8 %.

Ihre Kerstin Franzisi

Chefredakteurin Der Privatinvestor


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